Kernen

Kernen: Motorradlärm ist um drei Dezibel gesunken

Lärm
Wer von Stetten nach Esslingen fährt, kommt an dem Motorradlärmdisplay vorbei. © Gemeinde Kernen

Motorradlärm ist nach wie vor ein großes Problem für Anwohner in Stetten. Seit Jahren leiden sie unter dem Verkehrslärm, der von Motorrad- und Autofahrern verursacht wird, die in Richtung Esslingen fahren. Für viele Biker und Fahrer von hochmotorisierten Fahrzeugen ist die kurvige Strecke offenbar eine Einladung.

Um dagegen etwas zu tun, suchten die Anwohner das Gespräch mit der Verwaltung: Im Mai 2017 trafen sich die lärmgeplagten Betroffenen mit dem damaligen Bürgermeister Stefan Altenberger und Vertretern der Verwaltung. Es folgten weitere Treffen, unter anderem mit Lärmschutzbeauftragten und Vertretern des Landratsamts. Nach verkehrssicherheitstechnischer Bewertung wurde die zulässige Geschwindigkeit Richtung Stetten auf 70 Stunden-Kilometer reduziert.

Lärmdisplay für 13 000 Euro aufgestellt

Zuletzt stellte die Gemeinde Kernen im vergangenen Februar ein Lärmdisplay auf. Auch Bürgermeister Benedikt Paulowitsch hoffte damals „auf positive Effekte für die lärmgeplagten Anwohner in Stetten“. Das Gerät für 13 000 Euro wurde mit 4000 Euro vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg bezuschusst.

Sensor misst aus einer Entfernung von circa 70 Metern

Nun hat Ordnungsamtsleiterin Marianne Rapp in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses ein Bild aus der Praxis präsentiert und die Auswertung und Ergebnisse des Lärmdisplays vorgestellt. Das Gerät hat im Zeitraum zwischen April und September den Geräuschpegel, die Geschwindigkeit und die Art des Fahrzeugs erfasst.

Wer dabei den Pegel von 84 Dezibel (vergleichbar mit dem Spielen eines Saxofons) überschritt, der wurde von der Anzeigetafel aufgefordert, „leiser“ zu fahren. Wer alles richtig gemacht hat, der bekam ein „Danke“ angezeigt. Gemessen wurde aus einer Entfernung von circa 70 Metern.

Wie schnell waren Autos und Motorräder?

In dem genannten Zeitraum sind Autos laut der Verwaltung durchschnittlich mit einer Geschwindigkeit von 59 Kilometern pro Stunde am Messort vorbeigefahren, während die Motorräder hier durchschnittlich schon mit 68 Stundenkilometern unterwegs waren. Zulässig sind bei der Ortsausfahrt 100 Kilometer pro Stunde.

Wie laut waren die Verkehrsteilnehmer?

Wie laut waren die Verkehrsteilnehmer in den vergangenen Monaten? Ein Blick auf den Monat August zeigt, dass insgesamt 66 436 Fahrzeuge (Pkw, Busse und Motorräder) erfasst wurden. Dabei waren 7226 Fahrzeuge lauter als der Durchschnittswert von 82 Dezibel, sie verursachten einen Lärm von bis zu 85 Dezibel. Für noch mehr Lärm sorgten 126 Fahrzeuge, bei der das Display mehr als 100 Dezibel erfasst hat.

Von den 2908 Motorrädern waren 1338 mit einem Lärmpegel von über 85 Dezibel unterwegs. 52 waren im August noch lauter, sie erreichten bis zu 109 Dezibel.

So laut wie eine Motorsäge

Die höchsten Ausschläge im August wurden mit 117 Dezibel (etwa so laut wie ein Schlagzeug oder eine Motorsäge) erreicht.

Als Fazit fasst die Gemeinde zusammen, dass die Lärmspitzen (über 100 Dezibel) im Gesamtverkehr und beim Motorradverkehr seit Anbringen des Lärmdisplays gesunken sind. Zusammenfassend heißt es, dass das Display dazu beigetragen hat, die Fahrer zu sensibilisieren und sie dazu animiert hat, ihre Fahrweise zu überdenken. Bei den Lärmwerten über 85 Dezibel zeigen sich laut Gemeinde insbesondere beim Motorradlärm Verbesserungen. Die Schallwerte sind hier im Auswertungszeitraum um circa drei Dezibel gesunken.

Nach derzeitiger Rechtslage sind Abhilfemaßnahmen laut Verwaltung kaum möglich. Forderung seitens des Bundesrats und der Initiative Motorradlärm mit inzwischen 138 Mitgliedskommunen in Baden-Württemberg: eine kontinuierliche und spürbare Verbesserung des Schutzes vor Motorradlärm zu erreichen.

Auch gebe es nach wie vor Verkehrsteilnehmer, die sich von den Displays nicht beeindrucken lassen und nach wie vor rücksichtslos mit Vollgas und entsprechendem Lärm durch die Kurven fahren.

Zusätzliche Anzeigetafeln sollen hinzukommen

Als nächsten Schritt will die Verwaltung zusätzlich zwei sogenannte Smiley-Geschwindigkeitsanzeigetafeln anschaffen. Sie zeigen den Autofahrern, wie schnell sie unterwegs sind – und wenn das Tempolimit eingehalten wird, zeigt die Tafel ein lachendes, andernfalls ein trauriges Gesicht an. Die Räte waren sich in der Sitzung einig, dass dieses Thema weiterhin ausgearbeitet werden müsse.

Im Dezember 2019 ist die Gemeinde Kernen der „Initiative Motorradlärm“ beigetreten. Im Mai dieses Jahres beriet der Bundesrat über die Forderungen der Initiative und sprach sich ebenfalls für eine wirksame Minderung und Kontrolle von Motorradlärm aus. Unter anderem wurden folgende Maßnahmen gefordert: Überarbeitung der Genehmigungs- und Zulassungsregelungen der EU und die Herstellung leiserer Motorräder.

Motorradlärm ist nach wie vor ein großes Problem für Anwohner in Stetten. Seit Jahren leiden sie unter dem Verkehrslärm, der von Motorrad- und Autofahrern verursacht wird, die in Richtung Esslingen fahren. Für viele Biker und Fahrer von hochmotorisierten Fahrzeugen ist die kurvige Strecke offenbar eine Einladung.

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Um dagegen etwas zu tun, suchten die Anwohner das Gespräch mit der Verwaltung: Im Mai 2017 trafen sich die lärmgeplagten Betroffenen mit dem damaligen Bürgermeister

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