Kernen

Kernen: Stuttgarterin sammelt Briefe für Menschen mit Behinderung

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Diakonie-Stetten-Bewohner Eberhard Winiarski hat Post bekommen. © Diakonie Stetten

Lena Haaf aus Stuttgart hat eine Website eingerichtet, über die man Menschen in sozialen Einrichtungen Briefe schicken kann, damit sich diese während der Corona-Krise nicht so einsam fühlen. Das hat die Diakonie in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. „Ich bin auf die Idee mit der Brieftaubenaktion gekommen, als es mit den Maßnahmen wegen Corona losging.

Ich gehe immer mit dem Hund einer älteren Dame spazieren und habe gemerkt, dass sie sehr viel Redebedarf hat, weil sie ja kaum noch Kontakt mit anderen Menschen hatte“, erzählt Lena Haaf in der Mitteilung. Die Stuttgarterin recherchierte zunächst, was für soziale Einrichtungen es in der Region gibt und wer mögliche Ansprechpartner sein könnten. Anschließend rief sie in sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram dazu auf, dass Menschen den Bewohnerinnen und Bewohnern dieser Einrichtungen Briefe schreiben können, erstellte eine Website und richtete ein Postfach ein.

300 Briefe an soziale Einrichtungen wie die Diakonie Stetten

Aus diesem holt sie nun jeden Tag die Briefe, sortiert sie zu Hause und leitet sie dann an Einrichtungen wie die Diakonie Stetten. „Inzwischen sind rund 300 Briefe zusammengekommen. Die Menschen sind sehr aktiv, und die Aktion wird total gut angenommen. Die Leute kommen auf ganz schöne Ideen und malen oder basteln auch für die Bewohner“, sagt die 31-Jährige, die eigentlich als Teamleiterin in einer Digitalagentur arbeitet. „Ich schreibe jedem Absender einen Brief, dass sein Brief angekommen ist und ich diesen weiterleite“, sagt Lena Haaf, die die Aktion bislang aus eigener Tasche finanziert. Zwei Freundinnen helfen ihr inzwischen beim Verteilen der Briefe.

Carina Gwinner ist Ehrenamtskoordinatorin bei der Diakonie Stetten und hat abgefragt, wer denn gerne einen Brief erhalten würde: „Es haben sich gleich 47 Bewohnerinnen und Bewohner von allen möglichen Standorten der Diakonie Stetten gemeldet.“

Heimbewohner verbringen meiste Zeit in der Wohngruppe

Die Briefe sind mittlerweile angekommen und verteilt worden, einer der Empfänger ist Eberhard Winiarski, der in einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderungen in Stetten lebt. „Es war sehr schön, den Brief zu lesen, und ich habe mich sehr gefreut“, erzählt der 67-Jährige. Wie seine Mitbewohnerinnen und Mitbewohner verbrachte er in den letzten Wochen den Großteil der Zeit zu Hause in der Wohngruppe. „Eigentlich besuchen mich meine Schwester und ihr Mann regelmäßig, und mein Kumpel aus Albstadt kommt auch oft vorbei. Aber das geht ja gerade nicht. Daher finde ich es schön, wenn andere Menschen an einen denken.“ Er hat einen Brief von einer Frau erhalten, sie beschreibt darin ihren Alltag in Zeiten von Corona und wie ihr die anderen Menschen fehlen. Dem Brief hat sie ein paar nostalgische Postkarten beigelegt, die sie beim Aufräumen gefunden hat.

„Ich lese mir den Brief immer wieder durch und will auch noch zurückschreiben“, sagt Eberhard Winiarski. Die Gruppenmitarbeitenden unterstützen die Bewohnerinnen und Bewohner beim Lesen der Briefe und schreiben gemeinsam mit ihnen zurück, sofern eine Adresse angegeben ist. „Man kann auch anonym einen Brief schreiben“, sagt Carina Gwinner. Die Briefe seien oft sehr liebevoll und aufwendig gestaltet.

„Wir haben zum Beispiel schon eine Collage mit ganz tollen Naturaufnahmen erhalten und auch richtig lange Briefe.“ Lena Haaf hat sich laut Diakonie auch in der Vergangenheit bereits mehrfach ehrenamtlich engagiert. Sie freut sich, dass die Aktion so toll angenommen wird, und hofft, dass sich auch nach Zeiten von Corona vielleicht die ein oder andere Brieffreundschaft hält oder sich die Leute sogar besuchen gehen.

Wer bei der Aktion mitmachen möchte, kann auf der Website https://www.brieftaubenaktion.de weitere Informationen finden und einen Brief oder eine Postkarte an eine der dort bereitgestellten Adressen schicken. Wer seine Adresse hinterlegt, bekommt auch eine Antwort.