Kernen

Kernen tritt Holzvermarktungsgemeinschaft bei: Was bedeutet das für kleine Waldbesitzer?

Waldholz
Wohin geht das Holz aus unseren Wäldern? © Hardy Zürn

Seit einigen Jahren darf Holz aus kommunalen oder privaten Wäldern nicht mehr zusammen mit Holz aus dem Staatswald verkauft werden: Das hat das Bundeskartellamt 2015 entschieden. Seitdem erfolgte der Absatz meistens über kommunale Holzverkaufsstellen. Um auf dem Holzmarkt auf Augenhöhe mit der internationalen Sägeindustrie auftreten zu können, ist eine landkreisübergreifende Holzvermarktungsgemeinschaft ins Leben gerufen worden. Dieser ist nun auch Kernen beigetreten.

Holzvermarktungsgemeinschaft vereint kommunale und private Waldbesitzer

Die Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbisch-Fränkischer Wald/Ostalb e. G. (HVG) soll als Dachorganisation für alle Holzverkaufstätigkeiten in den Landkreisen Schwäbisch Hall, Rems-Murr-Kreis und Ostalbkreis fungieren, bis zum 3. Quartal 2021 soll sie den Geschäftsbetrieb aufnehmen. Sie wird von ihren Mitgliedern getragen: Das sind waldbesitzende Körperschaften, also Gemeinden und Städte, aber auch Privatleute. Nur Mitglieder haben Anspruch auf die Leistungen.

Damit auch Waldbesitzer, die weniger als 100 Hektar Wald besitzen, von der Vermarktungsgemeinschaft profitieren können, können sie über ihre jeweilige Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) indirekt Mitglied werden. Die Mitglieder wählen einen Aufsichtsrat, der wiederum einen dreiköpfigen Vorstand ernennt. Der Vorstand regelt und leitet den Geschäftsbetrieb.

Die Vermarktungsgemeinschaft greift nicht in Forstwirtschaft ein

Doch was tut die Holzvermarktungsgemeinschaft genau? Mischt sich nun jemand von außen in die Bewirtschaftung des Kernener Waldes ein? Und müssen die Kommune und alle privaten Waldbesitzer jetzt ihr Holz an die HVG verkaufen? Dem sei bei weitem nicht so, informierte der stellvertretende Leiter des Forstamts Rems-Murr, Ulrich Häußermann, in einer Gemeinderatssitzung.

Die Holzvermarktungsgemeinschaft werde erst dann aktiv, wenn das Holz schon an der Waldstraße liegt. „In die Holzbewirtschaftung redet der Gemeinde keiner rein.“ Es gebe auch keine Andienungspflicht: Mitglieder können ihr Holz also theoretisch auch weiterhin auf anderen Wegen verkaufen, so Häußermann.

Holzmengen der drei Landkreise bündeln 

Zweck der Vermarktungsgemeinschaft sei es, das in den drei Landkreisen verfügbare Holz mengenmäßig zu bündeln und somit auf dem hart umkämpften Holzmarkt besser verhandeln zu können, auf die „Global Player“ der Sägeindustrie reagieren zu können.

Die Holzvermarktungsgemeinschaft soll den Kommunen ein Stück weit die Kontrolle über ihr Holz zurückgeben und eine Dachorganisation schaffen, in der auch Forstwirte, die nur wenig Wald besitzen, nicht benachteiligt werden. „Mittlerweile sind die meisten Gemeinden des Rems-Murr-Kreises beigetreten“, informiert der stellvertretende Forstamtsleiter.

HVG ist eine neue Erfindung

Die HVG an sich ist eine ziemlich neue Erfindung: Sie wurde vom Gesetzgeber im Rahmen der baden-württembergischen Forstreform 2020 geschaffen. „Die HVG ist für alle Waldbesitzarten außer dem Staatswald und für alle Besitzgrößen zugänglich. Ihre ausschließliche Aufgabe ist die Bündelung und Verbesserung der gemeinschaftlichen Vermarktung von Holz ihrer Mitglieder“, so die Kurzinformation, die auf der Seite der Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbisch-Fränkischer Wald/Ostalb nachlesbar ist.

Für die HVG gibt es Fördermittel

Die Holzvermarktungsorganisation soll von den Mitgliedern gesteuert werden, eng mit diesen kooperieren, aber trotzdem unabhängig bleiben. Sie soll so effizient arbeiten, dass etwaige Überschüsse aus den Entgelten direkt wieder zu den Waldbesitzern zurückfließen. Noch etwas anderes ist neu: Die HVG ist förderfähig, kann also Zuschüsse auf Basis der Richtlinie „Nachhaltige Waldwirtschaft“ beantragen.

So vielversprechend das alles klingt, ein paar Fragen hatten die Gemeinderäte noch, bevor es zur Abstimmung ging. Helmut Heissenberger von der CDU-Fraktion wollte wissen, ob auch Kleinmengen Brennholz in den Zuständigkeitsbereich der HVG fallen werden. „Es ist üblich in den Kommunen, dass man Brennholz selber verkauft“, antwortet Ulrich Häußermann.

Wohin geht das verkaufte Holz?

Jeffrey Brencher von der OGL-Fraktion interessiert, ob die Gemeinde als Mitglied auch Einfluss darauf hat, wohin das verkaufte Holz geht: „Es wäre schon sinnvoll, dass das Holz hierbleibt.“ Auch in dieser Hinsicht kann der stellvertretende Forstamtsleiter beruhigen: Die Holzvermarktungsgemeinschaft verkaufe in der Regel an Laubsägewerke in Baden-Württemberg, an Familienbetriebe.

Der Gemeinderat stimmte schließlich einstimmig für den Beitritt zur HVG. Dafür fällt ein Genossenschaftsanteil von 1500 Euro aus dem Gemeindehaushalt an. Dieses Einlagevermögen erhält die Gemeinde zurück, sollte sie irgendwann aus der Genossenschaft austreten.

Seit einigen Jahren darf Holz aus kommunalen oder privaten Wäldern nicht mehr zusammen mit Holz aus dem Staatswald verkauft werden: Das hat das Bundeskartellamt 2015 entschieden. Seitdem erfolgte der Absatz meistens über kommunale Holzverkaufsstellen. Um auf dem Holzmarkt auf Augenhöhe mit der internationalen Sägeindustrie auftreten zu können, ist eine landkreisübergreifende Holzvermarktungsgemeinschaft ins Leben gerufen worden. Dieser ist nun auch Kernen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper