Kernen

Kernen: Vierte Corona-Welle trifft die Diakonie Stetten hart

Diakonie Corona
In der Diakonie Stetten gibt es derzeit 17 bestätigte Corona-Fälle. © Benjamin Büttner

Hoher Krankenstand, Mitarbeiterausfälle und neue Corona-Infektionen – die Lage in der Diakonie Stetten ist wieder angespannt. Bereits im September meldete die Einrichtung für Menschen mit Behinderung bestätigte Corona-Fälle, obwohl sich die Situation im Juni – dem ersten Anschein nach – einigermaßen verbessert hatte.

Mitarbeiter sind erschöpft

„Die vierte Welle trifft uns in einer Situation, in der viele Mitarbeitende, vor allem in der direkten Betreuung und Pflege, nach langen Monaten unter Pandemiebedingungen erschöpft sind und eigentlich dringend eine Verschnaufpause benötigen“, sagt Diakonie-Pressesprecher Steffen Wilhelm. Auf Anfrage unserer Redaktion gibt der Pressesprecher einen Einblick in die aktuelle pandemische Situation in der Einrichtung.

„Seit einiger Zeit hat das Fallgeschehen auch bei uns wieder zugenommen“, teilt er mit. Sieben Klienten – also Menschen mit Behinderung – und zehn Mitarbeiter aus verschiedenen Standorten in unterschiedlichen Landkreisen wurden dem Pressesprecher zufolge positiv auf das Coronavirus getestet. Bei einer Mehrzahl der zuletzt aufgetretenen Fälle handle es sich um Personen, die im Zeitraum Mai/Juni ihre zweite Impfung erhalten haben, so Wilhelm.

Verdachtsfälle: Diakonie wartet auf Ergebnisse der PCR-Tests

Bei einigen Verdachtsfällen warte man derzeit noch auf die Ergebnisse der PCR-Tests. Darüber hinaus gebe es einige Personen, die sich in häuslicher Quarantäne befinden, „weil sie enge Kontaktpersonen zu einem Corona-Fall in ihrem privaten Umfeld sind“.

Im Frühjahr betreute die Diakonie Stetten ihre infizierten Klienten in einer sogenannten Isolier-Wohngruppe. Wie berichtet, war die Isolier-Station im April dieses Jahres nach einem Corona-Ausbruch in Wohnhäusern der Diakonie Stetten in Waldhausen voll belegt. Doch dieses Mal bleibt sie zu – trotz aktueller Corona-Infektionen. Der Grund dafür: Personalmangel. „Weil wir die zusätzlichen personellen Ressourcen dafür derzeit nicht stemmen können“, sagt Steffen Wilhelm.

Daher müssen alle Klienten, die positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, in ihren Wohnungen oder Wohngruppen-Zimmern isoliert und dort betreut werden. „Bei schweren Krankheitsverläufen sind auch wir, wie der Rest der Bevölkerung, auf die Unterstützung von Hausärzten, Rettungsdiensten und Krankenhäusern angewiesen und können eine medizinisch-pflegerische Versorgung selbst nicht leisten“, sagt der Pressesprecher. Umso mehr bereite der Diakonie Stetten die angespannte Situation in den Krankenhäusern große Sorgen.

Fachkräftemangel in der Pflege macht sich sehr stark bemerkbar

Weitere Folgen der vierten Corona-Welle sind laut Pressesprecher Wilhelm ein „hoher Krankenstand, zu dem nun auch noch Mitarbeiterausfälle aufgrund von Corona-Infektionen und Quarantäneanordnungen hinzukommen“.

Das allbekannte Problem, der Fachkräftemangel in der Pflege, mache sich ohnehin sehr stark bemerkbar. „Die Personalsituation ist deshalb insgesamt leider wieder sehr angespannt im Moment.“ Folglich seien auch die Klienten von der Personalsituation und der allgemein angespannten Lage betroffen. Das gestiegene Infektionsrisiko und die erneut verschärften Maßnahmen machen auch den Menschen mit Behinderung zu schaffen, so Wilhelm.

Advents- und Weihnachtsfeier nur in kleinen Kreisen 

Die diesjährigen Advents- und Weihnachtsfeiern dürfen nur in kleinen Kreisen stattfinden – mit Personen, die im Alltag ohnehin zusammen sind, etwa in einer Wohngruppe oder Schulklasse. Das hat der Krisenstab der Diakonie Stetten beschlossen, der laut Steffen Wilhelm derzeit mindestens einmal wöchentlich tagt. Alle übergreifenden Feiern wurden vorsorglich abgesagt. Auch sei das sogenannte Fallbearbeitungs-Team, weil die Gesundheitsämter mit der Nachverfolgung überlastet sind, derzeit aufgrund der verstärkten Corona-Fälle wieder stark gefordert, sagt Wilhelm.

Um mögliche Infektionsketten zu unterbrechen, werden in der Diakonie die von der Politik verschärften Maßnahmen umgesetzt, etwa die erweiterte Testpflicht für Mitarbeiter und Besucher der Diakonie Stetten. Es gelten die erweiterten Kontroll-, Nachweis- und Dokumentationspflichten. Wie in vielen anderen Bereichen gilt von diesem Mittwoch an auch in Wohn- und Pflegeeinrichtungen, in den Werkstätten und auch in den ambulanten Diensten und Offenen Hilfen laut Infektionsschutzgesetz die arbeitstägliche Testpflicht für Mitarbeiter – unabhängig vom Immunstatus.

Auch das sei für die Mitarbeiter der Einrichtung, die ohnehin erschöpft sind, „ein Riesenkraftakt“. Diese zusätzlichen Aufgaben müssen sie mit kürzester Vorlaufzeit stemmen, „obwohl ihre Hauptaufgabe ja die Versorgung und Betreuung der Klienten ist“, sagt Steffen Wilhelm. Dass die Maßnahmen „wichtig und sinnvoll“ sind, bestreitet die Diakonie nicht. „Aber uns drängt sich schon der Eindruck auf, dass die Versäumnisse der Politik in der Pandemiebekämpfung jetzt ein weiteres Mal zulasten unserer Mitarbeitenden gehen sollen.“

Booster-Impfung für Mitarbeiter und Bewohner

Damit die Mitarbeiter und Bewohner der Diakonie vollständig geschützt sind, setzt die Einrichtung auf eine Auffrischung der Corona-Impfung. „Impftermine für Booster-Impfungen haben zum Teil schon stattgefunden“, sagt der Diakonie-Pressesprecher, „oder befinden sich an verschiedenen Standorten in Vorbereitung - in den Wohneinrichtungen, aber auch in unseren Werkstätten.“

Anfang und Mitte Dezember sei eine Impfaktion vorgesehen: Ein Team einer spezialisierten Arztpraxis soll in Stetten an jeweils zwei Tagen rund 500 Erst- und Booster-Impfungen für Mitarbeiter und Klienten durchführen. „Einige Klienten mit besonderem Betreuungsbedarf wurden bereits von den Ärzten unseres Gesundheitszentrums mit Booster-Impfungen versorgt“, sagt Wilhelm. Auch habe es manche Angehörige und rechtliche Betreuer gegeben, die mit den Einverständniserklärungen für Booster-Impfungen noch abgewartet haben, weil die Stiko-Empfehlung für sie noch nicht eindeutig genug war.

Steffen Wilhelm sagt: „Das wird sich mit der neuesten Stiko-Empfehlung sicher noch ändern.“

Hoher Krankenstand, Mitarbeiterausfälle und neue Corona-Infektionen – die Lage in der Diakonie Stetten ist wieder angespannt. Bereits im September meldete die Einrichtung für Menschen mit Behinderung bestätigte Corona-Fälle, obwohl sich die Situation im Juni – dem ersten Anschein nach – einigermaßen verbessert hatte.

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Mitarbeiter sind erschöpft

„Die vierte Welle trifft uns in einer Situation, in der viele Mitarbeitende, vor allem in der direkten Betreuung und Pflege,

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