Kernen

Kernen: Wieso Ricardo Mendes an Weihnachten Gratis-Essen für Einsame zubereitet

CafeSintra
Ricardo Mendes in seinem Bahnhofskiosk „Café Sintra“ in Rommelshausen erwartet am 26. Dezember seine Gäste. © Gaby Schneider

An Weihnachten sollte niemand alleine bleiben. So lautet die Devise von Ricardo Mendes. Deshalb öffnet der 52-Jährige jedes Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag die Türen seines Bistros „Café Sintra – Ricos kleine Kneipe“ am Bahnhof Rommelshausen. Eingeladen ist jeder, der sich einsam fühlt, plaudern, in geselliger Runde etwas trinken oder essen möchte. Die Speisen und nichtalkoholischen Getränke gehen aufs Haus – ein Weihnachtsgeschenk von Ricardo Mendes an seine Gäste. Für den 52-Jährigen gilt Weihnachten noch immer als ein großes Familienfest.

„An Heiligabend und am Weihnachtsfeiertag sind die Großeltern, Eltern, Onkel und Tanten herzlich willkommen, am 26. Dezember sind sie schon wieder sich selbst überlassen“, findet der Vater von zwei Töchtern. Das sollte aus seiner Sicht nicht so sein. Mendes möchte Freude in das Leben seiner Mitmenschen bringen. Seit Mai 2019 betreibt der Portugiese, der einst Rettungssanitäter beim Militär war, den Bahnhofskiosk in Rommelshausen.

Seit der Baustelle am Bahnhof Rommelshausen ist das Bistro geschlossen

Seit der Baustelle am Bahnhof, dem Beginn des barrierefreien Ausbaus im Oktober, hat Ricardos Bistro geschlossen. Ihm blieben die vielen Bahn-Pendler weg, sagt er, weil der Bahnsteig von Gleis 1 aufgrund der Bauarbeiten komplett außer Betrieb war. So sah sich der Bistrobetreiber gezwungen, das „Café Sintra“, das nach seinem Heimatort in der Nähe von Lissabon benannt ist, zu schließen.

Der Inhaber ist der Gemeindeverwaltung sehr dankbar, die ihm seinen Angaben zufolge die Mietkosten in diesem Zeitraum erlassen hat. Alles andere, wie Strom- und Heizkosten oder Versicherungen, zahlt der 52-Jährige selbstverständlich weiter.

Vergangenes Jahr kam niemand ins Café Sintra

Extra für das Weihnachtsevent soll der freundlich eingerichtete Container seine Türen öffnen, weihnachtlich geschmückt und dekoriert werden. Der zweifache Familienvater Mendes möchte, dass sich die Menschen bei ihm im Café wohlfühlen, jemandem zum Sprechen haben und den Tag nicht alleine verbringen. Doch vergangenes Jahr war genau Ricardo Mendes derjenige, der allein gelassen wurde. Es kam niemand zu seinem Weihnachtstreff. Weshalb das so war? „Viele Menschen schämen sich und möchten nicht zugeben, dass sie einsam sind“, vermutet der 52-Jährige. Doch das sollten sie seiner Meinung nach nicht tun. Bei Rico im Bistro ist jeder willkommen.

Als ein guter Gastgeber möchte der Wirt seine Gäste mit selbst gemachten Leckereien bewirten. Zur Auswahl stehen möglicherweise Schweinebraten, Garnelen, Shrimps oder Hähnchenbrust serviert mit Champignons. „Ich habe mich noch nicht entschieden, was ich koche“, sagt er. Aber eines steht fest: „Wenn es eine Einladung ist, dann muss es auch lecker schmecken.“ Die Speisen bereitet Ricardo Mendes in der Küche seiner neuen Wohnung in Rommelshausen zu, in die er vor kurzem erst eingezogen ist.

"Es wird sehr schön sein"

„Ich bin glücklich, den Menschen ein solches Angebot machen zu können“, sagt der Familienvater. Für seine Hilfsbereitschaft erhalte er auch Rückendeckung und vollstes Verständnis von seiner Ehefrau und seiner siebenjährigen Tochter, mit denen er zusammenlebt. Seine 23-jährige Tochter hingegen lebt in Portugal, weil sie dort studiert hat und arbeitet. Die Tische und Stühle im Bistro stellt Ricardo Mendes für den Weihnachtstreff um, um etwas mehr Platz zu gewinnen. „Es wird sehr schön sein“, sagt der Wirt und fügt hinzu, „das hoffe ich zumindest.“

Ricardo Mendes hat seine positive Einstellung zum Leben behalten

Trotz der Corona-Krise, dessen Folgen der Portugiese teilweise bis heute noch spürt, und der hinzugekommenen Energie- und Lebensmittelkosten seit dem Ukraine-Krieg hat Ricardo Mendes seine positive Einstellung zum Leben nie verloren. Für den 52-Jährigen spielen immaterielle Werte eine große Rolle. Wenn man stirbt, nimmt man weder sein Auto noch sein Haus mit, sagt Mendes. „Das ist nicht der Sinn des Lebens.“ Stattdessen: „Ich will schöne Erinnerungen mitnehmen.“

Gratis-Essen im Bistro am 26.12.

Am Montag, 26. Dezember, ist jeder, der sich einsam fühlt, eingeladen, beim Weihnachtstreff am Römer Bahnhof teilzunehmen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Beginn ist um 12.30 Uhr.

An Weihnachten sollte niemand alleine bleiben. So lautet die Devise von Ricardo Mendes. Deshalb öffnet der 52-Jährige jedes Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag die Türen seines Bistros „Café Sintra – Ricos kleine Kneipe“ am Bahnhof Rommelshausen. Eingeladen ist jeder, der sich einsam fühlt, plaudern, in geselliger Runde etwas trinken oder essen möchte. Die Speisen und nichtalkoholischen Getränke gehen aufs Haus – ein Weihnachtsgeschenk von Ricardo Mendes an seine Gäste. Für den 52-Jährigen

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