Kernen

Kernener Ex-Bürgermeister Altenberger geht ins Risiko

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Stefan Altenberger. © Benjamin Büttner
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Sommerinterview mit BM Staab
Der Radolfzeller Oberbürgermeister Martin Staab wechselte 2013 aus dem Waiblinger Rathaus an den Bodensee. Unter OB Andreas Hesky war er in der Stauferstadt Erster Bürgermeister. Für die Volkshochschule arbeitete er regelmäßig mit dem Kernener Bürgermeister Stefan Altenberger zusammen. Der möchte ihm nun nach Radolfzell nachfolgen. © Pavlovic

Kernen/Radolfzell.
Es ist noch keine acht Wochen her, da hat sich in Kernen ein kleines Erdbeben ereignet. Stefan Altenberger (55), seit 16 Jahren Bürgermeister von Kernen, stand zwischen vielen staunenden Menschen im Bürgerhaus – diesem Millionenprojekt, das er gegen einige Widerstände durchgesetzt hat – und blickte mit versteinerter Miene auf die Hochrechnungen, die da über die Leinwand flackerten. Bald herrschte Gewissheit. Was Altenberger nicht für möglich gehalten hatte, war geschehen: Er hatte die Wahl verloren. Und zwar gegen einen Herausforderer, dessen Namen er einen Monat zuvor zum ersten Mal gehört hatte. Altenberger gratulierte Benedikt Paulowitsch (31) zum Sieg, die Bürgermeister-Kollegen klopften ihm tröstend auf die Schultern, dann verschwand der 55-Jährige von der Bildfläche.

Mit OB Martin Staab saß Altenberger im Vorstand der Volkshochschule

Dass der Gestürzte wenige Wochen später selbst zum Herausforderer würde, darauf hätte in diesem Moment niemand gewettet. Und doch geht Altenberger jetzt ins Risiko. Er tritt seinerseits gegen eine Amtsinhaberin an. In der Bodenseestadt Radolfzell will er die erste Beigeordnete, Sozialbürgermeisterin Monika Laule (58), ablösen. Wie kommt er darauf? Folgt er vielleicht dem Ruf eines alten Bekannten, dem Oberbürgermeister von Radolfzell?

Seit 2013 ist Martin Staab dort im Amt. Er ist wie Altenberger 55 Jahre alt. Die beiden haben im Vorstand der Volkshochschule Unteres Remstal regelmäßig zusammengearbeitet, als Staab noch Erster Bürgermeister von Waiblingen war.

Brisant ist, dass Martin Staab seit einigen Jahren ein schwieriges Verhältnis zu seiner Sozialbürgermeisterin hat: Ein Streit um eine heimliche Tonaufnahme, die Staab angeblich von einem vertraulichen Gespräch mit Monika Laule gemacht hatte, landete 2018 sogar vor Gericht. Staab stritt den Vorwurf ab – und tatsächlich wurde das Verfahren mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt.

Altenberger hat nach der Abwahl seine „Fühler ausgestreckt“

Nun will Altenberger Laule ablösen – auf Staabs Bitten hin? Im Gespräch mit unserer Zeitung verneint Altenberger diese Frage energisch: „Ich kann Ihnen versichern, dass das nicht so war.“ Nach der Wahlniederlage in Kernen habe er „seine Fühler ausgestreckt“ und schließlich „aus eigenem Antrieb“ den Kontakt nach Radolfzell aufgenommen. Dort läuft die Amtszeit der Sozialbürgermeisterin turnusgemäß aus. Der Posten wird in geheimer Wahl vom Gemeinderat besetzt, ihn muss Altenberger überzeugen, Oberbürgermeister Staab hat nur eine von 27 Stimmen. Gewählt wird am kommenden Dienstagabend.

Wie Altenbergers Chancen stehen, ist schwer zu sagen. Er hat einige Gespräche mit den Kommunalpolitikern am Bodensee geführt, ehe er sich dafür entschieden hat, die Kandidatur durchzuziehen. Bei seinem Vorstellungsgespräch hinter verschlossenen Türen punktete er mit seiner Erfahrung als erfolgreicher Rathauschef, der viele große Projekte finanziert und umgesetzt hat und sich bestens auskennt mit wichtigen Themen wie Kinderbetreuung.

Reizvoll: 2021 stehen in Radolfzell die Heimattage an – hier könnte Altenberger seine Remstal-Gartenschau-Erfahrung einbringen: „Da haben wir in Kernen unglaublich viel bewegt“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Familie würde mitkommen an den Bodensee

Wäre ein Job in der freien Wirtschaft nichts für ihn? Ach, er sei einfach „ein Kommunaler“, sagt der Diplom-Verwaltungswirt. „Mein Ziel ist es, eine Aufgabe zu finden, die mir so viel Spaß macht wie in Kernen.“ Die Chance böte sich in Radolfzell. Dabei ins zweite Glied zu rücken, sei für ihn kein Problem.

Altenberger kennt den 31 000-Seelen-Kurort, früher wohnte hier Verwandschaft. Die Umgebung ist reizvoll. Die Familie – seine Frau und die beiden Kinder, die in Kernen aufgewachsen sind – würden ihn an den Bodensee begleiten. Das Risiko, die zweite Niederlage innerhalb kürzester Zeit einstecken, geht Altenberger ein. Im Südkurier, der über Radolfzell berichtet, wird er mit einer einfachen Wahrheit zitiert: „Wahl ist Wahl.“

Kernen/Radolfzell.
Es ist noch keine acht Wochen her, da hat sich in Kernen ein kleines Erdbeben ereignet. Stefan Altenberger (55), seit 16 Jahren Bürgermeister von Kernen, stand zwischen vielen staunenden Menschen im Bürgerhaus – diesem Millionenprojekt, das er gegen einige Widerstände durchgesetzt hat – und blickte mit versteinerter Miene auf die Hochrechnungen, die da über die Leinwand flackerten. Bald herrschte Gewissheit. Was Altenberger nicht

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