Kernen

„Korona-Kultur-Kanal“: Wie Kernener die Corona-Zeit überstanden haben

Korona-Kultur-Kanal
Physiotherapeut Heiko Fündling (links) stellt sich in der Stettener Glockenkelter den Fragen von Ebbe Kögel. © ALEXANDRA PALMIZI

Wenn die Stettener nicht zu Ebbe Kögel kommen, dann kommt Ebbe Kögel zu den Stettenern. Am Freitagabend auf die Sekunde um 19 Uhr startete er mit der neunten Folge des „Korona-Kultur-Kanals“. „Vom Umgang mit der (Corona-)Krise: Unterschiedliche Blickwinkel auf Krisen und ihre Bewältigung“ lautete das Thema, das aus der Glockenkelter hinaus in die digitale Welt gesandt wurde. Zugegeben, nicht gerade ein überraschendes Thema, aber Ebbe Kögel wäre nicht er selbst, hätte er nicht wenigstens ein Gran Originalität dazu beizusteuern.

Bis zu 35 Menschen haben gleichzeitig zugeschaut

Dies erhofften sich wohl auch die zehn Zuseher, die sich bereits zwei Minuten vor dem Start der Sendung auf Youtube unter dem Stichwort „kernen.kennenlernen“ eingelinkt hatten und der Dinge harrten, die da auf sie zukommen sollten. Um es vorwegzunehmen: Sie wurden nicht enttäuscht, so wenig wie die 26 Youtube-Zuseher, die auch noch am Schluss der Sendung hinter ihrem Bildschirm ausharrten. Zwischenzeitlich, exakt in der 26. Sendeminute, war ihre Zahl sogar auf 35 angestiegen.

Ebbe Kögel befragt sechs Gäste

Sechs Gäste hatte sich Kögel zu seiner Talkrunde eingeladen, um sie der Reihe nach darüber zu befragen, wie es ihnen in den Zeiten des Corona-Lockdowns ergangen war, wie sie sich hindurchgekämpft haben und wieder zur Normalität zurückgefunden haben. Heiko Fündling, als Physiotherapeut und Fitnesstrainer in seinen Studios im Rommelshausen, Stetten und in den Berglen immerhin für das Wohl und Wehe von 25 Arbeitnehmern verantwortlich, erzählte, dass er zum ersten Mal mit dem Coronavirus konfrontiert wurde, als ihn während der Heimfahrt aus dem Winterurlaub der Bayerische Rundfunk interviewte und wissen wollte, ob er sich in irgendeiner Form durch das Virus bedroht oder eingeschränkt fühlte. Bedrohung und Einschränkungen seien dann auf ihn eingestürmt, als es nach dem Shutdown am 16. März mit dem Fitnesssport erst einmal vorbei war.

Physiotherapeut stellt Work-out-Videos ins Netz

Mit Physiotherapien, die weiterhin erlaubt waren, hat Heiko Fündling die Durststrecke überwunden: Die Beschäftigten mussten ihre Überstunden abbauen, angemeldete Urlaubstage abfeiern, ein Teil wurde in Kurzarbeit geschickt, die staatliche Corona-Soforthilfe in Anspruch genommen. Um nicht den Kontakt zu den Kunden zu verlieren, habe man auf Youtube dreimal pro Woche ein halbstündiges Online-Work-out-Video ins Netz gestellt. Mittlerweile sei man wieder zu 80 bis 90 Prozent ausgelastet.

Wieder Fußballtraining mit Mundschutz

Leonie Schetter und Lena Nägele erzählten über die Zeit des Unterrichts zu Hause, als sie jeden Montag ihre Aufgaben für die Woche zugeschickt bekamen und sie bis zum Freitag abliefern mussten. Seit drei Wochen gebe es nun wieder Fußballtraining mit Mundschutz, seit einer Woche Handball, und ganz allmählich laufe der Schulbetrieb auch wieder an.

Nicht ganz so locker lief es anscheinend für Nathalie Wollmann, zweifache Mutter, Referentin beim Landesverband des Roten Kreuzes, „und dann ins Home-Office verabschiedet“. Egal, wie stabil Beziehung und Familie auch seien, dass sich Frustration und Konflikte entwickelten, stelle einen natürlichen Prozess dar. „Es gab Tage, an denen die Nerven blanklagen“ gestand sie. Und es seien vor allem die in Teilzeit beschäftigten Frauen gewesen, die sich in das traditionelle Rollenverständnis der Hausfrau und Mutter hineingedrängt sahen. Das Rollenbild habe sich verändert hin zu einer Re-Traditionalisierung, so ihr Fazit.

Zwei Rentner berichten

Ganz offensichtlich gut überstanden haben die vergangenen Wochen die Rentner Gino Colosi, ehemaliger Maschinenbautechniker und Gesamtbetriebsrat bei Stihl, und Franz Wari, einst selbstständiger Gipsermeister. Als Rentner gehe es ihm gut, es herrschten fast paradiesische Zustände, wenn nur das Virus nicht wäre, so Colosi, während sich Wari dankbar für die Fürsorge zeigte, die er von Kindern und Enkeln täglich erfuhr. Nein, betonte Wari, er fühlte sich im Lockdown nicht eingeschränkt, Kontakte hatte er übers Telefon.

Als erste Mahlzeit eine Kartoffelsuppe

Geradezu ins Schwärmen geriet Franz Wari, als er sich zurückerinnerte, wie er 1946, nachdem seine Familie aus Ungarn vertrieben worden war, als neunjähriger Bub in Stetten einquartiert wurde und im „Lamm“ als erste Mahlzeit eine Kartoffelsuppe erhielt. Deren Geschmack sei ihm unvergesslich, einfach wunderbar.

Einen Wermutstropfen steuerte Colosi bei, der den Fokus auf die Kunstszene richtete. Die großen Bühnen mussten als Erste schließen, und sie seien nun auch die Letzten, die wieder öffnen. Dies habe für viele Kulturschaffenden einen gewaltigen Abstieg mit sich gebracht, und gerade die Kultur, wie auch die Vereine, „sind der Kitt, der uns zusammenhält.“

Wenn die Stettener nicht zu Ebbe Kögel kommen, dann kommt Ebbe Kögel zu den Stettenern. Am Freitagabend auf die Sekunde um 19 Uhr startete er mit der neunten Folge des „Korona-Kultur-Kanals“. „Vom Umgang mit der (Corona-)Krise: Unterschiedliche Blickwinkel auf Krisen und ihre Bewältigung“ lautete das Thema, das aus der Glockenkelter hinaus in die digitale Welt gesandt wurde. Zugegeben, nicht gerade ein überraschendes Thema, aber Ebbe Kögel wäre nicht er selbst, hätte er nicht wenigstens ein

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