Kernen

Michael Burger verlässt Gemeinderat Kernen - und fordert Umbenennung der Hindenburg-Straße

grüne
Michael Burger mit dem OGL-Fraktionsvorsitzenden Matthias Kramer 2019 bei den Sieben Linden in Stetten. © ZVW/Striebich

Nach knapp fünf Jahren als Gemeinderat hat Michael Burger (71) Ende April das Gremium verlassen. Seinen Sitz in der OGL-Fraktion hat Jeffrey Brencher (50) übernommen. In seiner Abschiedsrede hat Burger sich bewusst auch an die Öffentlichkeit gewandt und zu guter Letzt eine alte Diskussion wieder angestoßen: Es geht um die Hindenburgstraße in Stetten.

Überreste von Nazi-Propaganda in Stetten?

Burger sieht in diesem Straßennamen Überreste von Nazi-Propaganda: 1933 wurden in Stetten auf Antrag des NSDAP-Fraktionsvorsitzenden die Straßen Lange Straße und Obere Straße zu Ehren „der beiden großen Führer“ in Hitler-Straße und Hindenburgstraße umbenannt (das Sitzungsprotokoll von damals kann im Gemeindearchiv eingesehen werden).

Beide Straßen hätten nach Kriegsende eigentlich wieder zurückbenannt werden sollen, es gab 1945 sogar eine entsprechende Mitteilung ans Landratsamt – die Hindenburgstraße heißt aber noch heute so.

Die alte Diskussion um die Hindenburgstraße

„Das ist eigentlich eine alte Geschichte“, sagt Michael Burger. Sein ehemaliger Ratskollege Ebbe Kögel habe sich zum Beispiel immer geweigert, bei Postsendungen die Hindenburgstraße als Absender zu nennen. Gerade sei das Thema wieder so aktuell wie nie: Die Stele, die in Stetten an das Leid der Zwangsarbeiter erinnern soll, wird jetzt endlich eingeweiht. Sie steht ausgerechnet in der Hindenburgstraße.

Michael Burgers Anliegen: Diesen Rest Nazi-Propaganda auch als solchen zu behandeln und die Hindenburgstraße endlich umzubenennen – zum Beispiel in Hildegard-Spieth-Straße, nach der mutigen Pfarrersfrau, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs ein jüdisches Ehepaar bei sich im Pfarrhaus versteckt hielt.

Er bleibt der OGL noch treu

Aus seiner Abschiedsrede wird klar: Ganz zurückziehen wird sich Michael Burger aus der Kernener Lokalpolitik noch nicht. „Im Rahmen der OGL werde ich auf jeden Fall noch aktiv sein“, so der Pensionär. Insgesamt ist er recht zufrieden mit der Arbeit des Kernener Gemeinderats und auch damit, was seine Fraktion in den vergangenen Jahren geleistet hat. Viele Punkte des OGL-Wahlprogramms seien bereits umgesetzt worden oder aber aktuell in der Diskussion.

Besonders im Gedächtnis ist ihm die Sitzung geblieben, in der es nach Wirksamwerden der Pflegereform um die Zukunft des Hauses Edelberg in Rommelshausen ging: Der Betreiber habe die Gemeinde stark unter Druck gesetzt, ihm ein benachbartes gemeindeeigenes Grundstück für ein zweites Gebäude zu vermachen.

„Das war für uns als OGL Großeinsatz“, erinnert sich Burger. Auf das Drängen ihrer Fraktion habe es eine Bürgerversammlung gegeben. „Und es ist deutlich geworden, dass die Bürger nicht das wollen, was die Betreiber wollen.“

Sein Wunsch: Mehr junge und weibliche Räte

Doch wieso scheidet er jetzt aus? „Ich bin ein großer Anhänger davon, dass der Gemeinderat sich verjüngt“, sagt der Pensionär. Er sei jetzt immerhin über 70. Er wünscht sich, dass der Altersdurchschnitt im Kernener Gremium sinkt und dass auch mehr Frauen dort vertreten sind, so Burger.

Dabei ist sein Nachfolger Jeffrey Brencher, der schon Ende April Burgers Platz in der OGL-Fraktion übernommen hat, nicht gerade weiblich und auch schon 50 Jahre alt. „Aber der ganz Alte geht“, betont Michael Burger und lacht. Innerhalb der OGL-Fraktion sei das Alters- und Geschlechterverhältnis jetzt trotzdem sehr ausgeglichen.

Als Rat angefangen hat Michael Burger in Kernen 2016, damals 66 Jahre alt und frisch pensioniert. Während seiner Zeit als Lehrer in den Fächern Deutsch und Religion habe er immer versucht, seine Schüler dazu zu motivieren, sich zu engagieren, 2016 habe er sich dann selbst stärker einbringen wollen.

Nach knapp fünf Jahren als Gemeinderat hat Michael Burger (71) Ende April das Gremium verlassen. Seinen Sitz in der OGL-Fraktion hat Jeffrey Brencher (50) übernommen. In seiner Abschiedsrede hat Burger sich bewusst auch an die Öffentlichkeit gewandt und zu guter Letzt eine alte Diskussion wieder angestoßen: Es geht um die Hindenburgstraße in Stetten.

Überreste von Nazi-Propaganda in Stetten?

Burger sieht in diesem Straßennamen Überreste von Nazi-Propaganda:

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