Kernen

Mit "Arrestzelle", WC, Gewerbe und Wohnung: Altes Rathaus in Kernen fast fertig

AltesRathausGR
Ratsmitglieder des Kernener Gemeinderats nahmen an der Begehung des Alten Rathauses teil. © Gaby Schneider

Das historische Gebäude aus dem Jahr 1777 an der Hauptstraße in Rommelshausen ähnelte noch vor zwei Jahren einem verlassenen Geisterhaus. Nun steht das „sanierte Schmuckstück“, wie es Thomas Bauer, stellvertretender Bauamtsleiter Hochbau, bezeichnet, vor der Fertigstellung. Gemeinsam mit Architekt Alexander Wendlik und Bauleiter Christian Ebing von „COAST office architecture“ hat Thomas Bauer Ratsmitglieder des Kernener Gremiums, Bürgermeister Benedikt Paulowitsch und Bauamtsleiter Peter Mauch durch die neuen Räume geführt und dabei die umgesetzten Maßnahmen im Gebäude erläutert.

Unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes für 1,9 Millionen saniert

Das Alte Rathaus, das zuletzt als Notariat genutzt wurde, wurde unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes für rund 1,9 Millionen Euro renoviert und modernisiert. Für das Projekt gibt es vom Land bis zu 930.000 Euro Fördermittel. Im Jahr 1966 fungierte das Gebäude als Einwohnermeldeamt, 1990 zog das Notariat ein, so Bauer.

Alles im Gebäude, was nach 1902 hinzugebaut wurde, wurde während der Sanierungsmaßnahmen herausgerissen: Böden, Decke- und Wandbekleidungen, neu eingezogene Mauern. Wichtig bei der Restauration und Sanierung des Rathauses sei gewesen, das ursprüngliche authentische Aussehen wiederherzustellen: kalkweiß verputzte Wände, Eichendielen und Sandsteinfließen, so Thomas Bauer.

Drei getrennt voneinander nutzbare Einheiten

Im Zuge der Sanierung sind im Erdgeschoss Räume für eine Gewerbeeinheit entstanden, einschließlich einer neuen WC-Anlage, die an Sonn- und Feiertagen von den Kirchenbesuchern mitgenutzt werden kann. Die Besucher können den barrierefreien Zugang an der Rückseite des Gebäudes hierzu nutzen. „Es sind drei getrennt voneinander nutzbare Einheiten“, erklärte Bauamtsleiter Peter Mauch während der Begehung.

Ins Erdgeschoss, wo die vier Torbögen zur Hauptstraße freigelegt und verglast wurden, möchte das ortsansässige Bestattungsunternehmen Schäfer & Roth einziehen, das bislang in der unmittelbaren Nachbarschaft betrieben wird. Im Ober- und Dachgeschoss des Hauses, wo früher unter anderem der Sitzungssaal des Rathauses war, ist eine Büro- und Wohneinheit entstanden. Dabei wurde die ursprüngliche Wandtäfelung im ehemaligen Sitzungssaal restauriert und in Originalzustand wieder eingebaut. Auch die ehemalige Arrestzelle im Dach, die im Jahr 1833 hinzukam, bleibt im Bestand erhalten.

Nach historischem Vorbild renoviert

Die Wände und Decken des Alten Rathauses wurden neu verputzt, der Parkettfußboden neu aufgebaut und im Untergeschoss zusätzlich gedämmt, erklärt der stellvertretende Bauamtsleiter. Die beiden autarken Wohngeschosse, die über das bestehende Treppenhaus erschlossen wurden, erhielten jeweils neue Sanitäranlagen, Heiztechnik und Elektrik. Zur Straßenseite hin wurde die Fassade nach historischem Vorbild verputzt – wie die typischen Holzsprossenfenster und grüne Holzklappläden.

Für eine verbesserte Energieeffizienz haben alle Außenwände sowohl außen als auch innen einen Wärmedämmputz erhalten, das Dach wurde mit Biberschwanzziegeln neu gedeckt. Unter ihnen wird die Gebäudetechnik installiert, mit Wärmepumpe, Gas-Brennwerttherme und Frischwasserstation. Die gesamte Gebäudetechnik ist zukünftig im Dachboden untergebracht. Außerdem hat das Alte Rathaus in Rommelshausen endlich ein richtiges Fundament bekommen: Abschnitt für Abschnitt haben die Rohbauer unter dem Haus ein Fundament aus Beton gegossen. Davor stand das Alte Rathaus nämlich nur etwa 20 Zentimeter unter der Erdoberfläche im Boden – ohne ein stabilisierendes Fundament.

Von Johann Adam Groß erbaut

Erbaut wurde das Alte Rathaus von Johann Adam Groß, dem württembergischen Landoberbauinspektor. Sein Lehrmeister war sein Vater, ein Baumeister, dessen architektonische Handschrift unter anderem die Torhäuser in Ludwigsburg oder die Stadtkirche Aalen tragen, so Thomas Bauer.

Das historische Gebäude aus dem Jahr 1777 an der Hauptstraße in Rommelshausen ähnelte noch vor zwei Jahren einem verlassenen Geisterhaus. Nun steht das „sanierte Schmuckstück“, wie es Thomas Bauer, stellvertretender Bauamtsleiter Hochbau, bezeichnet, vor der Fertigstellung. Gemeinsam mit Architekt Alexander Wendlik und Bauleiter Christian Ebing von „COAST office architecture“ hat Thomas Bauer Ratsmitglieder des Kernener Gremiums, Bürgermeister Benedikt Paulowitsch und Bauamtsleiter Peter

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