Kernen

Mobilfunk-Antenne auf dem Rathaus in Kernen: Wieso die Telekom aufrüsten darf

Mobilfunkrathaus
Die Telekom möchte ihre Antenne auf dem Rathaus in Kernen-Rommelshausen auf den aktuellen Stand der Technik bringen. © Gaby Schneider

Die Telekom will ihre Antenne auf dem Rathaus-Dach in Kernen auf den aktuellen Stand der Technik bringen. Im Gemeinderat hat das im Dezember zu hitziger Diskussion geführt, da einige Räte befürchten, die Strahlenbelastung könne steigen. Aber ist überhaupt etwas dran an der Befürchtung? Und was könnte die Gemeinde überhaupt dagegen tun?

Ein „Nein“ ist gar nicht möglich

Gar nichts, stellt Bürgermeister Benedikt Paulowitsch noch einmal klar. In der Gremium-Sitzung am 17. Dezember hatte er bereits erklärt, dass es im Vertrag mit der Telekom nun einmal festgeschrieben sei, dass diese ihre Antenne auf den aktuellen Stand der Technik bringen dürfe: „Die dürfen aufrüsten“, betont der Bürgermeister.

Es sei im Grunde genommen reine Höflichkeit, dass der Betreiber die Gemeinde nicht nur über solche Änderungen in Kenntnis setze, sondern der Form halber noch um Erlaubnis bitte. Denn „Nein“ sagen kann die Gemeinde in so einem Fall gar nicht, ohne vertragsbrüchig zu werden.

Der Gemeinderat soll es absegnen

Die Aufrüstung der bestehenden Antenne ist also eigentlich gar nichts, worüber der Gemeinderat entscheiden kann, sagt Paulowitsch. „Wir als Verwaltung haben im Dezember dann trotzdem gesagt: Wir lassen uns das vom Gemeinderat absegnen.“

Vertreter der OGL-Fraktion äußerten in dieser Sitzung schon die Sorge, durch das Update könne sich die Strahlenbelastung steigern, der Mobilfunkstandard 5G könnte eingeführt werden. Die Verwaltung habe den Gemeinderat bis heute nicht richtig darüber informiert, was die Telekom auf dem Rathaus-Dach vorhabe, wirft die OGL-Fraktion dem Bürgermeister jetzt vor.

Info-Veranstaltung zu 5G findet im März statt

Dem widerspricht Benedikt Paulowitsch entschieden: Er habe dem Gemeinderat rechtzeitig alle nötigen Informationen zukommen lassen und sich auch noch nach der Sitzung Mitte Dezember wiederholt mit dem Thema auseinandergesetzt und die Gemeinde informiert.

Die vorhandenen Informationen reichen den Mobilfunk-Gegnern aber offensichtlich nicht: Man hätte wenigstes die interkommunale Info-Veranstaltung zu 5G abwarten sollen, findet Michael Burger von der OGL. Diese musste wegen Corona ausfallen und ist nun als Live-Stream für den 24. März angesetzt. Schließlich fahre Kernen doch sonst in Sachen Mobilfunk ein Vorsorge-Prinzip, so Burger.

Vorsorge-Prinzip geht auf Baubiologen Dietrich Ruoff zurück

Dieses Vorsorge-Prinzip geht aus einem Experten-Vortrag hervor, den Diplom-Ingenieur und Baubiologe Dietrich Ruoff vor vier Jahren im Gemeinderat Kernen gehalten hat. Der Baubiologe ist unter anderem Mitglied beim „Bürgerforum Mobilfunk“ (MBF) und steht der Technologie somit zumindest kritisch gegenüber.

Der Baubiologe erwähnte in seinem Vortrag unter anderem eine gewisse Feldstärke, die er als Richtwert für unbedenklich erachtet.

Die gesetzlichen Grenzwerte lassen aber eine deutlich höhere Feldstärke zu (die genauen Werte sind beim Bundesamt für Strahlenschutz nachzulesen). Dietrich Ruoff war auch zu der Sitzung im Dezember als Experte geladen, er war jedoch kurzfristig verhindert.

Keine höhere Strahlenbelastung durch Update

Sein Erscheinen hätte damals vielleicht die Gemüter direkt beruhigen können: Durch die Aufrüstung der Telekom-Antenne auf dem Rathaus entstehe nämlich keine höhere Strahlenbelastung, erklärt der Baubiologe auf Nachfrage unserer Redaktion.

Wie stark eine Antenne strahlen darf, ist demnach durch die Standortbescheinigung festgelegt. Daran darf sich durch eine Aktualisierung nichts ändern, so Ruoff.

Anbieter machen Antennen 5G-fähig

Die Mobilfunkanbieter machen ihre bestehenden Antennen, also auch die auf dem Kernener Rathaus, zurzeit 5G-fähig – damit die von vielen Gegnern gefürchtete 5G-Abdeckung tatsächlich kommt, sind aber mehrere zusätzliche Antennen-Standorte notwendig. Davon ist Kernen laut Ruoff also noch weit entfernt.

Wenn es um Strahlenbelastung gehe, seien sowieso die Endgeräte – also Handys und vor allem WLAN – viel bedenklicher als Sendemasten, so der Baubiologe. Selbst wer einen Sendemast in direkter Nachbarschaft habe, sei weniger Strahlung ausgesetzt als jemand, der ganz normales WLAN in der Wohnung habe.

Die in Deutschland geltenden Grenzwerte für die Masten findet Dietrich Ruoff aber trotzdem zu hoch. Es könne sicherlich nicht schaden, mit Mobilfunkanbietern über niedrigere Feldstärken zu sprechen.

Ein alternativer Mobilfunk-Grenzwert wäre nicht bindend

Per Beschluss einen alternativen Grenzwert für Kernen festzulegen, wie die Kernener Mobilfunk-Gegner es sich wünschen, hält der Experte aber nicht für zielführend, da diese ja in keiner Weise bindend seien. In diesem Punkt sind er und Bürgermeister Paulowitsch sich einig. „Das ist immer diese Vorstellung, dass wir wie ein eigener Staat agieren können“, so Paulowitsch.

Er sei nach wie vor mit den Anbietern im Gespräch und suche nach einer möglichst guten Lösung. Wenn die Gemeinde den Anbietern aber individuelle Richtwerte vorsetze, bestehe die Gefahr, dass die ihre Antennen lieber auf privatem Grund bauen.

Und dann hat die Gemeinde überhaupt keinen Einfluss mehr darauf, wo Antennen stehen und mit was diese bestückt sind.

Kommt der private Funkmast?

So etwas droht nun zu passieren: Auf einem Privatgrundstück soll ein mehrere Meter hoher Funkmast entstehen, nachdem die Gemeinde den Vertrag für eine Antenne auf dem Dach der Sporthalle nicht verlängert hat. Betreiber und Gemeinde waren uneins über die Feldstärke.

Der technische Ausschuss muss über das private Baugesuch noch entscheiden. Die Verwaltung werde empfehlen, dieses abzulehnen, so Paulowitsch. Das letzte Wort hat hier jedoch das Landratsamt.

Die Telekom will ihre Antenne auf dem Rathaus-Dach in Kernen auf den aktuellen Stand der Technik bringen. Im Gemeinderat hat das im Dezember zu hitziger Diskussion geführt, da einige Räte befürchten, die Strahlenbelastung könne steigen. Aber ist überhaupt etwas dran an der Befürchtung? Und was könnte die Gemeinde überhaupt dagegen tun?

Ein „Nein“ ist gar nicht möglich

Gar nichts, stellt Bürgermeister Benedikt Paulowitsch noch einmal klar. In der Gremium-Sitzung am 17.

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