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Nach Corona-Lockdown: Vintage-Ladeninhaberin Andrea Reit freut sich auf Öffnung - doch sie fürchtet eine weitere Schließung

ModeReit
Andrea Reit. © Gaby Schneider

Für manche Menschen mag Mode aus zweiter Hand wie abgegriffen wirken, für andere ist sie eine nachhaltige Alternative zum Kreieren origineller Outfits. Jacken, Taschen, Schuhe: Alles, was bereits schon einen Besitzer hatte und getragen wurde, bekommt bei Andrea Reit in Rommelshausen eine zweite Chance.

Seit fast sechs Jahren betreibt die 62-jährige Rommelshausenerin den Laden „Vintage Second Hand & Anderes“ in der Waiblinger Straße. „Das ist mein Baby“, sagt sie. „Ich habe mir das alles selbst aufgebaut und möchte nicht, dass der Laden wegen Corona den Bach heruntergeht.“

„Ich finanziere über diesen Laden mein ganzes Leben“

Einmal in der Woche arbeitet Andrea Reit als Aushilfskraft in einem Schorndorfer Modehaus, dennoch ist der Vintage-Laden in Rommelshausen ihr Hauptgeschäft. „Ich finanziere über diesen Laden mein ganzes Leben.“ Und fest steht für sie, dass eine weitere coronabedingte Schließung ihre Existenz gefährden würde.

Umso mehr freut sich Andrea Reit, dass sie ab kommenden Dienstag wieder ihre Kundschaft empfangen kann. „Ich vermisse den Kontakt zu den Kunden unheimlich“, sagt die Rommelshausenerin. Der Einlass in den Laden ist allerdings beschränkt.

Bislang hatten die Modeinteressierten die Möglichkeit, telefonisch bestimmte Artikel zu bestellen. Zu sehen gibt's die Ware im Schaufenster oder auf Facebook. Andrea Reit sucht sich spezielle Teile heraus, kombiniert sie neu. Fast täglich wird die Schaufensterpuppe neu angekleidet und präsentiert. Hilfe gibt's dabei von der Schwiegertochter Mareen Reit.

Ist der Wunsch nach Mode aus zweiter Hand in Zeiten der Pandemie gestiegen? „Ich habe den Eindruck gehabt, dass die Leute andere Sorgen haben, als Kleider zu kaufen“, sagt Reit. Trotzdem habe es auch viele Kunden gegeben, die mit der Inhaberin Kontakt aufgenommen haben. Zum einen, um zu erfahren, ob Andrea Reit den Laden weiterhin behalten kann. Und zum anderen der Ladeninhaberin finanziell unter die Arme zu greifen. Vom Staat hat die 62-Jährige nach eigenen Angaben bislang noch keine Corona-Soforthilfe erhalten.

Kleidungsstücke von namhaften Modehäusern

„Ich wünsche mir, dass ich den Laden weiterführen kann“, sagt sie. Gebrauchte, individuelle Einzelstücke, die nicht von der Stange sind, möchte die 62-Jährige weiterhin verkaufen können. „Für mich ist es wie Weihnachten, wenn die Kunden mit ihren Tüten mit gebrauchter Ware kommen“, sagt sie. „Das ist auch mit Glück verbunden, dass ich viele gut situierte Kundinnen habe, die hochwertige Kleider für einen besonderen Anlass kaufen und sie danach verkaufen.“ Darunter seien sogar besondere Stücke gewesen, die unter anderem einen Originalpreis von 2000 Euro gehabt, aber bei ihr im Laden für etwa 300 Euro einen neuen Käufer gefunden haben.

Da es sich dabei um Kommissionsware handelt, bekommt Andrea Reit 60 Prozent des Vintage-Verkaufspreises, die restlichen 40 Prozent gehen an den Kunden. Auch wenn sich einige Menschen unter Secondhand Billigware vorstellen, ist es bei Andrea Reit keine Seltenheit, dass sie Kleider von namhaften Modehäusern im Sortiment hat.

„Für mich ist Einkaufen mit Erlebnis verbunden“, sagt die Inhaberin. So soll's auch für die Kundschaft sein. Vor der Pandemie bot sie ihren Kundinnen einmal im Monat ein „Gruppen-Einkaufen“ an. Für Frauengruppen, die sich zum Shoppen verabredet haben, stellte Andrea Reit dann Getränke und Snacks bereit. Sie sehnt sich nach diesen Tagen. „Das war immer so lustig“, sagt sie und freut sich auf den Start nach dem Lockdown. „Das Durchsortieren von Kleidern, der Kundenkontakt, die Büroarbeit – das macht mir alles sehr viel Spaß.“

Für manche Menschen mag Mode aus zweiter Hand wie abgegriffen wirken, für andere ist sie eine nachhaltige Alternative zum Kreieren origineller Outfits. Jacken, Taschen, Schuhe: Alles, was bereits schon einen Besitzer hatte und getragen wurde, bekommt bei Andrea Reit in Rommelshausen eine zweite Chance.

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Seit fast sechs Jahren betreibt die 62-jährige Rommelshausenerin den Laden „Vintage Second Hand & Anderes“ in der Waiblinger Straße. „Das ist mein Baby“, sagt sie. „Ich

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