Kernen

Nach Einbruch auf dem Weihnachtsmarkt: Familie Nock aus Kernen kämpft weiter

Nock Weihnachtsmarkt
Joanna Nock mit ihren Töchtern Lilly (links) und Santana auf dem Waiblinger Weihnachtsmarkt. © Gabriel Habermann

Nach dem Diebstahl auf dem Waiblinger Weihnachtsmarkt kämpft sich die Zirkusfamilie Nock weiter durch ihre finanziell angespannte Situation. Wie bereits berichtet, wurde in der Nacht von Montag, 5. Dezember, auf den Nikolaustag einer der zwei Verkaufsstände der Familie gewaltsam aufgebrochen, dabei ein Holzfenster und Plexiglas demoliert sowie die Kassetten mit dem Wechselgeld, worin sich insgesamt 1000 Euro befunden haben, gestohlen.

„Man weiß doch, dass es den Schaustellern finanziell nicht gut geht“

„Es hat sich nach wie vor nichts getan“, sagt Joanna Nock niedergeschlagen. Sie hätte sich gewünscht, dass die Diebe gefunden werden. Andernfalls bleibt die Familie auf dem Schaden sitzen, weil sie nicht dagegen versichert ist. „Man weiß doch, dass es den Schaustellern finanziell nicht gut geht“, sagt die fünffache Mutter, die insbesondere seit der Corona-Pandemie um ihre Existenz kämpft. Die steigenden Energie- und Lebensmittelkosten spüren sie auch. „Rohe Mandeln kosten doppelt so viel wie vergangnes Jahr“, sagt sie.

Wechselgeld von zwei Hütten 

Dass sie an dem besagten Tag eine so hohe Summe in der Kasse liegen gelassen habe, sei eine Ausnahme gewesen. „Ich hatte auch das Wechselgeld von der zweiten Hütte da“, sagt Schaustellerin Joanna Nock.

Die Familie hatte Glück im Unglück: Denn die teure Mandel- oder auch die teure Zuckerwatte-Maschine blieben glücklicherweise unangetastet. „Das wäre meine Existenz gewesen“, sagt die Zirkus-Chefin. „Die Geräte kann man nicht finanzieren, die muss man bar bezahlen.“ Und dazu fehle ihr schlichtweg das Geld. Viele ihrer Geräte habe sie von ihren Eltern übernommen. „Das würde mir sehr weh tun, wenn die Geräte weg gewesen wären“, sagt sie.

„Keiner kommt mehr zur Arbeit, weil sie seit dem Einbruch Angst haben“

Auch generell laufe im Moment bei der Zirkusfamilie nicht alles rund. „Seit dem Einbruch ist der Wurm drin, es werden alle krank“, sagt Joanna Nock, „keiner kommt mehr zur Arbeit, weil sie seit dem Einbruch Angst haben.“ So bleibe der Verkaufsstand auf dem Alten Postplatz an manchen Tagen gezwungenermaßen geschlossen. „Es ist sehr anstrengend im Moment“, sagt die Mutter von fünf Kindern. „Ich versuche, durchzuhalten.“

Eigentlich gehöre zum Hauptgeschäft der Familie nicht der Verkauf von Süßwaren auf dem Weihnachtsmarkt, sondern Varieté- und Artistikshows im Zirkuszelt. Sie sind Zirkusleute, Akrobaten, fahrendes Volk – auch wenn sie immer wieder auf ein Grundstück in Kernen zurückkehren.

„Das ist jetzt unser richtiges Zuhause geworden“

Seit Corona können die Nocks allerdings nicht ihrer Tätigkeit nachgehen und wohnen mit Sack und Pack, Wohnwagen und Lkw auf dem eingezäunten Bereich der Familie Krecksch an der Robert-Bosch-Straße in Rommelshausen. Bisher hatten sie keinen festen Wohnsitz. Auch das hat sich seit der Pandemie geändert. „Das ist jetzt unser richtiges Zuhause geworden“, sagt Joanna Nock über ihren Stehplatz in Rommelshausen, wofür sie auch Miete zahlen. Sie ist froh, dass sie mit ihren Kindern Clara (14), Santana (11), Lilly (6), Vaiana (1), ihrem Mann Manuel Schickler sowie ihrer Mutter dort wohnen darf. „So müssen wir uns kein Winterquartier suchen.“

Seit zwei Jahren kann die Familie Nock auch keinen Weihnachtszirkus in Eislingen anbieten, der eigentlich eine sehr große Rolle für sie spielt und in der Regel das meiste Geld in die Kasse spült. In den vergangenen Jahren stand die Pandemie im Weg, dieses Jahr waren es finanzielle, aber auch gesundheitliche Gründe.

Mann hatte vor sechs Jahren einen schweren Unfall und leidet noch darunter

Denn Joanna Nocks Mann Manuel Schickler, der Zirkusclown, Feuerschlucker, Messerwerfer und Organisator ist, hatte vor sechs Jahren einen schweren Unfall. Beim Aufbau eines Zirkuszelts stürzte der Familienvater kopfüber auf den Asphalt und zog sich Brüche an der Schädelbasis, an Gesichtsknochen und Unterarm zu. Inzwischen wurde er Joanna Nock zufolge sechsmal operiert. „Er hat noch eine letzte OP vor sich, im Januar kriegt er endlich seine neuen Zähne. Dann kann er wieder lächeln und dann verstehen ihn die Leute auch wieder“, sagt sie. „Das lastet auch auf einem.“

Zwölf Wochen lang dürfe Manuel Schickler eigentlich nichts Schweres heben und müsse sich ausruhen, doch er kennt es nicht anders. Er ist im und mit dem Zirkus groß geworden – so wie seine Frau. „Mein Mann ist ein starker Mensch, der arbeitet, um seine Familie zu ernähren. Der will nicht aufgeben“, sagt die Zirkus-Chefin. Sie auch nicht.

„Wir wollen gerne wieder Zirkus machen“

Auch wenn sie gebrannte Mandeln, Lebkuchenherzen, Magenbrot und viele andere süße Sachen auf dem Waiblinger Weihnachtsmarkt verkaufen, schlägt ihr Herz für etwas anderes. „Wir wollen gerne wieder Zirkus machen“, sagt Joanna Nock, „wenn wir das Geld zusammenkriegen.“ Um auftreten zu können, müssen sie in mehreren Städten im Voraus Platzgeld zahlen, Werbung machen, Strom- und Spritkosten begleichen können. „Das kostet alles Geld.“

„Zum Sterben haben wir zu viel und zum Leben zu wenig“

Die Folgen der Inflation laufen an ihnen nicht spurlos vorbei. „Es ist ja nicht bei uns anders, außer dass wir ein Haus auf Rädern haben“, sagt sie. Für die Zukunft wünscht sich Joanna Nock, dass Kulturschaffende wie Zirkusleute in Deutschland wertgeschätzt werden. „Wir bekommen keine staatlichen Hilfen“, sagt sie. „Wir können im Moment gerade noch unseren Kühlschrank füllen.“ Die Zirkus-Chefin sagt: „Zum Sterben haben wir zu viel und zum Leben zu wenig.“

Nach dem Diebstahl auf dem Waiblinger Weihnachtsmarkt kämpft sich die Zirkusfamilie Nock weiter durch ihre finanziell angespannte Situation. Wie bereits berichtet, wurde in der Nacht von Montag, 5. Dezember, auf den Nikolaustag einer der zwei Verkaufsstände der Familie gewaltsam aufgebrochen, dabei ein Holzfenster und Plexiglas demoliert sowie die Kassetten mit dem Wechselgeld, worin sich insgesamt 1000 Euro befunden haben, gestohlen.

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