Kernen

Neue Wohnungen in Kernen: Gemeinde sucht Investor für Neubaugebiet Tulpenstraße

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Neubaugebiet Tulpenstraße in Rommelshausen: Das Luftbild wurde im Jahr 2015 aufgenommen. © Gabriel Habermann

„Es geht im Prinzip um die Veräußerung einer gemeindeeigenen Fläche“, sagte Bauamtsleiter Peter Mauch in der Gemeinderatssitzung. Auf der Tagesordnung stand die verbliebene Fläche im Neubaugebiet „Tulpenstraße“ an der Günter-Haußmann-Straße in Rommelshausen, zwischen der Rossmann-Filiale und der nördlich angrenzenden Wohnbebauung. Bereits vor drei Jahren, bei der Gemeinderatsklausurtagung im November 2018, hatte sich das Gremium mit möglichen Nutzungskonzepten befasst.

Europaweites Investorenauswahlverfahren für das gemeindeeigene Grundstück

Nun hat das Gremium bei fünf Contra- und 15 Pro-Stimmen dem Vorschlag der Verwaltung zugestimmt und sie damit beauftragt, für das Grundstück ein europaweites Investorenauswahlverfahren vorzunehmen. Der Gemeinde Kernen bleibt vorbehalten, die Sozialwohnungen, die dort entstehen sollen, zu erwerben. Mit der Betreuung des Wettbewerbsverfahrens wurde das Stuttgarter Fachbüro „Lehen Drei Architektur Stadtplanung“ beauftragt.

„Der große Vorteil ist, dass diese Fläche der Gemeinde Kernen gehört“, sagte der Bauamtschef. Das heißt, man habe nicht nur den vom Gemeinderat beschlossenen Bebauungsplan, sondern auch das Privatrecht   und könne in dem Kaufvertrag „Dinge regeln, die man als Gemeinde gerne haben möchte“.

Auf insgesamt 3190 Quadratmetern soll ein Wohn- und Nutzungskonzept mit attraktiven und bezahlbaren Wohnungen für unterschiedlichste Alters- und Zielgruppen entstehen. Auf rund 820 Quadratmetern sollen unter anderem auch barrierefreie Wohnungen für Senioren und für Menschen mit Behinderung enthalten sein. Ein weiteres Ziel ist, im Erdgeschoss auf rund 400 Quadratmetern beispielsweise Arztpraxen anzusiedeln. Die Grundstücksentwicklung soll im Rahmen des Investorenauswahlverfahrens erfolgen.

Neu zum bestehenden Projekt hinzugekommen ist die Fläche am Schweizerhaus der Diakonie Stetten in der Schafstraße. „Da ergibt sich jetzt die Chance für alle Partner, diese Fläche dann auch einer Folgenutzung zuzuführen“, sagte der Bauamtsleiter. Das sei alles allerdings noch offen, aber es könnten sich im Laufe der Grundstücksentwicklung weitere Möglichkeiten ergeben, beispielsweise um den Einzelhandel nachhaltig zu stärken.

"Rommelshausen ist ein interessanter Standort für große Einzelhändler"

Als einen „Glückstreffer“ bezeichnete ein Referent vom Stuttgarter Fachbüro, der online an der Sitzung teilnahm, dass die Fläche des Schweizerhauses mitaufgenommen wurde. Dazu kam es, weil die Diakonie Stetten für die derzeitigen Wohngruppen des Schweizerhauses Alternativstandorte prüfen muss. „Dadurch konnte dieses Grundstück in eine Machbarkeitsstudie aufgenommen werden“, sagte der Referent. Und so hat sich ihm zufolge die Option ergeben, eventuell im Bereich der Schafstraße Einzelhandel anbieten zu können, so dass in der Tulpenstraße wiederum ein sehr gemischt genutztes Bebauungskonzept innerhalb des geltenden Bebauungsplans angeboten werden kann.

„Rommelshausen ist ein interessanter Standort für große Einzelhändler“, sagte der Referent.

Bürgermeister Benedikt Paulowitsch sagte, dass die intensiven Debatten, ob rund um das Schweizerhaus eine Supermarktlösung angestrebt werden kann, erst dann beginnen, wenn die Wohnungen fertig sind. „Wenn unser recht ambitionierter Zeitplan so funktioniert, dann würde es bedeuten, dass sie frühestens Mitte 2024 bezugsfertig sind“, sagte er.

An dem Wettbewerbsverfahren der Gemeinde können sich Investoren gemeinsam mit Architekten bewerben, indem sie baulich-architektonische Konzepte mit verbindlichen Angaben zu Raumprogramm, Wohnungszahl, Zielgruppendefinition sowie zur Realisierungszeit einreichen. Dabei spielt primär das Konzept eine wichtige Rolle, denn der Preis des Grundstücks wurde bereits gutachterlich ermittelt und beträgt insgesamt 2,79 Millionen Euro.

PFB Kernen lehnt Vorschlag der Gemeinde ab

„Wir können einem Verkauf der Fläche nicht zustimmen, weil wir der Meinung sind, dass das in so zentraler Lage nicht zeitgemäß ist, wenn die Gemeinde eine Fläche veräußert“, sagte Andreas Colosi, Vorsitzender der Fraktion Parteifreies Bündnis (PFB). Deshalb schlug das PFB einen alternativen Antrag vor – mit der Vergabe zu warten und zunächst eine kommunale Wohnbaugesellschaft zu gründen. „Der für uns heikle Punkt ist, dass wir das letzte große Grundstück mitten im Ort weggeben“, sagte Bettina Futschik (PFB). „Wir wissen alle nicht, was in 20 Jahren ist.“ Deshalb schlug ihre Fraktion die vor einigen Monaten vom Bürgermeister angeregte Gründung einer kommunalen Wohnbaugesellschaft in der Sitzung vor. Der PFB-Antrag wurde allerdings bei drei Dafür- und zehn Gegenstimmen sowie sieben Enthaltungen abgelehnt.

Nach wie vor findet Benedikt Paulowitsch die Idee einer eigenen Wohnbaugesellschaft nicht verkehrt. Insbesondere „in Anbetracht der zahlreichen Liegenschaften und Immobilien“, die die Gemeinde Kernen in Besitz hat, sei es erforderlich, in Zukunft über eine eigene Wohnbaugesellschaft nachzudenken.

Doch in diesem Vorhaben habe man die dafür erforderliche Zeit nicht. Es gibt „den Handlungsdruck bei der Diakonie Stetten, was die Unterbringung der Menschen angeht“, sagte der Rathaus-Chef. „Wir können nicht zwei bis drei Jahre warten, bis wir das Verfahren anstoßen.“

„Es geht im Prinzip um die Veräußerung einer gemeindeeigenen Fläche“, sagte Bauamtsleiter Peter Mauch in der Gemeinderatssitzung. Auf der Tagesordnung stand die verbliebene Fläche im Neubaugebiet „Tulpenstraße“ an der Günter-Haußmann-Straße in Rommelshausen, zwischen der Rossmann-Filiale und der nördlich angrenzenden Wohnbebauung. Bereits vor drei Jahren, bei der Gemeinderatsklausurtagung im November 2018, hatte sich das Gremium mit möglichen Nutzungskonzepten befasst.

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