Kernen

Parkplatzproblem in Kernen-Stetten: Parkleitsystem für 58.000 Euro soll Abhilfe schaffen

Parksensor
Symbolfoto. © Benjamin Büttner

„LoRaWan“ heißt ein neues Funksystem, das in vielen Bereichen eingesetzt wird, etwa für Parkplätze, im Haushalt oder in der Landwirtschaft. „LoRaWAN“ steht für „Long Range Wide Area Network“. Nun soll es auch in der Gemeinde Kernen eingesetzt werden, um unter anderem die angespannte Parkplatzsituation in Stetten besser zu lenken, unnötigen Suchverkehr und damit verbundene Emissionen zu vermeiden.

Die Kosten zum Aufbau des Parkleitsystems belaufen sich auf 58.000 Euro. Bei zehn Dafür- und acht Gegenstimmen sowie zwei Enthaltungen hat der Gemeinderat grünes Licht für dieses Vorhaben gegeben.

Um verlässliche Zahlen von der aktuellen Parksituation zu haben, die verwertet werden können, müssen zunächst folgende Parkplätze in Stetten mit Sensoren ausgestattet werden: Neuer Friedhof (56 Stellplätze), Alter Friedhof (20 Stellplätze), Parkplatz Weinstraße (38 Stellplätze), Karl-Mauch-Schule (45 Stellplätze) und Sportplatz (27 Stellplätze). Dabei handelt es sich um Bodensensoren, in Parkhäusern um Deckensensoren von Bosch.

Benachrichtigung an das Ordnungsamt

Mit Hilfe der gemessenen Daten kann unter anderem die durchschnittliche Parkdauer und Auslastung von Parkplätzen ermittelt, aber auch Benachrichtigungen an das Ordnungsamt können versendet werden, wenn Parkregelungen überschritten werden.

Für den Aufbau des LoRaWan-Netzes in Baden-Württemberg sind die Netze BW verantwortlich. Einblicke in das Funksystem gaben zwei Referenten von Netze BW, die über eine Videokonferenz an der Sitzung im Bürgerhaus teilnahmen. Ein „Gateway“ steht bereits in Rommelshausen, ein weiteres soll in Absprache mit dem Kernener Tiefbauamt auf dem Feuerwehrgerätehaus in Stetten aufgebaut werden. Ein Gateway hat die Aufgabe, eine Verbindung herzustellen und einen Datenstrom zwischen Quelle und Ziel zu übermitteln.

So funktioniert das Funksystem: Das Signal wird an das Gateway gesendet. „Ein Gateway kann bis zu 10.000 Sensoren aufnehmen“, erklärte der Referent. Nachdem das Signal empfangen wurde, setzt das Gateway das Signal per Mobilfunk weiter an den in Baden-Württemberg ansässigen Server. Wohin die Information weitergeleitet wird, hängt davon ab, was hinterlegt wurde. Bei Hochwassersensoren beispielsweise werde die Information an die Leitstelle weitergegeben.

Parkleitsystem in Ortsdurchfahrt

In Stetten sollen der Ordnungsamtschefin Marianne Rapp zufolge in der Ortsdurchfahrt Anzeigetafeln angebracht werden, auf denen ersichtlich wird, wie viele der vorhandenen Parkplätze zur Verfügung stehen. Darüber hinaus nannte Bürgermeister Benedikt Paulowitsch weitere Beispiele, in welchen Bereichen die LoRaWan-Technologie genutzt werden kann. Der Bauhof könne mit Hilfe der Sensoren im Winter die Glatteisgefahr erkennen. „Während Sie heute den Bauhof teilweise nachts mehrfach rausschicken müssen, um eben zu messen, ob gestreut werden muss oder nicht, kann das so ein Sensor künftig übernehmen.“

Darüber hinaus erklärte er, dass das Parkleitsystem für Stetten unter anderem wegen der von der Kugelbahn verursachten Verkehrssituation wichtig sei.

„Der Vorteil dieser Funktechnologie ist, dass die im Grunde eine Reichweite bis zu 15 Kilometer haben“, sagte der Referent. Die batteriebetriebenen Sensoren, unabhängig davon, wo sie angebracht werden, haben eine Betriebsdauer von mehr als fünf Jahren. „Das ist deswegen möglich, weil die Sensoren nur senden, wenn eine Situation sich ändert.“ Das heißt, wenn der Parkplatz belegt ist, wird ein Signal gesendet, und wenn er wieder verfügbar ist, noch eines.

Dabei entstehen dem Referenten zufolge Strahlungen, die mit einem Babyphone oder einem Garagentür-Öffner zu vergleichen sind. „Es gibt gewisse Grenzwerte, die vom Bundesamt für Strahlenschutz definiert werden“, sagte er. „Sie geben an, welche Sendeleistung in Watt pro Kilogramm auf den Körper wirken darf, ohne dass es zu gesundheitlichen Einschränkungen kommen kann.“ Für Handys liege der Wert bei 200 Kilowatt. Zum Vergleich nannte er einen LoRaWan-Wasserzähler, der seine Informationen mit 25 Milliwatt versende – und „in einem festgelegten Sendeintervall“.

Gateway auf dem Feuerwehrgerätehaus in Stetten

„Ich habe mich mit dem Thema LoRaWan und Gateways ein bisschen intensiver befasst in den letzten Wochen, nachdem klar war, dass eines auf dem Stettener Feuerwehrgerätehaus kommen soll“, sagte CDU-Chef Andreas Wersch. Der Feuerwehrkommandant kommentierte den Namen des Funksystems: „Auf die Idee, das Ding ‘low radiation’ zu nennen, muss man erst mal kommen – genialer Marketingname.“ Ihn beruhige es, dass der Server in Baden-Württemberg steht und „nicht irgendwo in China“, dennoch erkundigte er sich nach der Sicherheit der Daten. „Die LoRaWan-Technologie ist eine der wenigen IT-Techniken, die Ende zu Ende verschlüsselt ist, das heißt, die Daten werden vom Sensor verschlüsselt und erst im Server entschlüsselt“, erklärte der Netze-BW-Mitarbeiter.

Das Geld in Parkplätze investieren

Gemeinderat Heinz Heß (Unabhängige Freie Wähler) befürchtete, dass das Parkleitsystem viele Autofahrer auch dann nicht davon abhalten werde, in den Ort zu fahren, wenn es nicht ausreichend Parkplätze gibt. „Aus dem Grund, bin ich der Meinung, sollte man diese 60.000 Euro, die man hier ausgibt, lieber für geschotterte Parkplätze verwenden“, sagte er. Seine Fraktionskollegin Caren Lederer sprach die verbesserungswürdige Situation der Parkflächen an und nannte als Beispiel den alten Friedhof. „Das ist ein wunderfröhliches Querdurcheinanderparken“, sagte sie, „weil keine Parkplätze eingezeichnet sind.“ Deshalb plädierte sie dafür, zunächst die Stellplätze „so auszurüsten, dass man überhaupt weiß, wie viele Parkplätze es gibt“.

Für SPD-Chef Hans-Peter Kirgis war es wichtig, „nicht mehr öffentliche Parkplätze zu machen“, als man schon hat. „Mir wäre es arg wichtig, wenn wir das Parkleitsystem einführen, private Parkflächen auch mit reinzunehmen“, sagte er.

Bettina Futschik, Parteifreies Bündnis, nannte als Problem das ihrer Meinung nach nicht komplett durchdachte Park-Konzept der Kugelbahn. „Ich bezweifle, dass dadurch etwas verändert wird.“

Colosi: Kugelbahn abreißen?

Ihr Fraktionskollege Andreas Colosi hingegen hatte eine weitere Befürchtung. „Grundsätzlich bin ich absoluter Fan der Kugelbahn, grundsätzlich fand ich die Idee eines Parkleitsystems auch super“, sagte er. Allerdings bereite ihm der Kostenfaktor Sorgen. „Wenn der eine von verschiedenen Bausteinen schon 60.000 Euro kostet“, sagte er. Und wenn das Problem hauptsächlich die Kugelbahn sei, dann solle man sich Gedanken machen, ob man sie nicht doch abreißen sollte. Im Gemeinderat stieß das auf Erheiterung.

Anmerkung der Redaktion: In unserem Artikel haben wir die Beschreibung „low radiation“ aus der Beschlussvorlage der Gemeinde verwendet. Offiziell steht „LoRaWAN“ für „Long Range Wide Area Network“.

„LoRaWan“ heißt ein neues Funksystem, das in vielen Bereichen eingesetzt wird, etwa für Parkplätze, im Haushalt oder in der Landwirtschaft. „LoRaWAN“ steht für „Long Range Wide Area Network“. Nun soll es auch in der Gemeinde Kernen eingesetzt werden, um unter anderem die angespannte Parkplatzsituation in Stetten besser zu lenken, unnötigen Suchverkehr und damit verbundene Emissionen zu vermeiden.

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Die Kosten zum Aufbau des Parkleitsystems belaufen sich auf 58.000 Euro. Bei

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