Kernen

Pedelec-Verleih: Lohnt sich das?

„Luft nach oben“ beim Pedelec-Verleih_0
Die Regiorad-Station in der Klosterstraße in Stetten. Die meisten Räder, die hier ausgeliehen werden – insgesamt waren es 129 im Jahr 2019, werden für Fahrten innerhalb Kernens genutzt. © ZVW/Gabriel Habermann

Kernen/Korb.
In Stetten stehen zwei, in Rommelshausen vier, in Waiblingen sind es acht und in Weinstadt sogar zehn: Pedelecs von Regiorad Stuttgart zum Ausleihen. Hinzu kommen jeweils eine Handvoll gewöhnliche Räder ohne elektrischen Antrieb. Auch in Korb wünschen sich die Grünen eine solche Verleihstation, stoßen aber – wie fast immer, wenn’s um den Ausbau des Radverkehrs geht – auf Skepsis.

Als der Grünen-Chef und Fahrradhändler Gerhard Brenner im Gemeinderat vor einigen Monaten für eine Pedelec-Station warb, entgegnete ihm sein Pendant bei den Freien Bürgern, Albrecht Ulrich, trocken: „Das ist eine gute privatwirtschaftliche Idee, das kannst du gern machen.“ Und auch Bürgermeister Jochen Müller sagte damals: „Eine Mietstation für Pedelecs macht keinen Sinn. Die Zielgruppe dafür gibt es nicht in Korb.“

Ein Ansturm auf die Zweiräder wäre tatsächlich nicht zu erwarten, würde Regiorad eine Station in Korb einrichten. Zwar teilt der Kooperationspartner der Deutschen Bahn auf Anfrage mit, „die Nutzerzahlen der Leihstationen in Stetten, Rommelshausen, Waiblingen und Weinstadt entwickeln sich positiv“. Das Beispiel Kernen, von der Größe her am ehesten mit Korb vergleichbar, zeigt allerdings: Das Angebot könnte besser angenommen werden.

„Da haben wir noch schwer Luft nach oben“

So wurden in Stetten im Jahr 2019 insgesamt 129 Räder entliehen und zurückgegeben. Im kommunalen Vergleich rangiert der Weinort damit im oberen Drittel. In Rommelshausen hingegen wurden nur 82 Räder entliehen sowie 70 zurückgegeben. Ein ernüchternder Wert, der einen Platz im unteren Mittelfeld bedeutet. Die allermeisten Nutzer waren innerorts unterwegs.

Die Statistik hat Ralf Maier-Geißer aus dem Referat Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität beim Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn jetzt im Technischen Ausschuss in Kernen vorgestellt. „Da haben wir noch schwer Luft nach oben“, so lautete die Rückmeldung mehrerer Gemeinderäte. Zumindest, was die nackten Zahlen angeht.

Insgesamt zeigten sich die Kernener nach wie vor angetan von dem Angebot, das laut Maier-Geißer einerseits Pendler, andererseits aber auch „Touristen und Ausflügler“ nutzen. Bürgermeister Benedikt Paulowitsch kündigte gar an, Standorte für weitere Stationen prüfen zu wollen, etwa für eine virtuelle Station (ohne Ladesäulen) beim Rathaus in Rommelshausen. Es sei in der frühen Phase des Projekts Regiorad, das Mitte 2018 startete, nicht das Ziel, Gewinn zu machen, sondern eine Alternative zum Auto zu bieten, den Straßenverkehr zu entlasten und dem Klimaschutz gerecht zu werden, sagte Paulowitsch.

Korber sind skeptisch – aber informieren sich über die Preise

Und auch in Korb ist die Ablehnung einer Verleihstation bei aller Skepsis nicht in Stein gemeißelt. Von der Verwaltung ließen sich die Gemeinderäte Mitte Januar über das Angebot aufklären. „Die Gemeinde Korb ist als Optionskommune eingestuft und kann dem System daher jederzeit beitreten. Grundlage für die Teilnahme ist ein Vertrag mit der DB Connect GmbH und die Errichtung einer Station“, heißt es in einer Vorlage aus dem Rathaus. Für die Station müsste die Gemeinde selbst finanziell aufkommen.

„Je Station sind mindestens fünf Pedelecs oder Fahrräder sowie sechs Stellplätze erforderlich, welche von der Deutsche Bahn Connect GmbH angemietet werden. Das Land bezuschusst die Stationen mit einmalig 1000 Euro pro Pedelec“, heißt es weiter. Bei fünf Pedelecs würden laut Gemeinde Korb Kosten von rund 6000 Euro im Jahr für Leihe und Service anfallen. So viel zahlen auch die Kernener pro Station. Hinzu kämen monatlich 47 Euro bei einer Station mit Funkbox und 144 Euro für ein klassisches Terminal (siehe Foto aus Stetten).

Refinanziert würden die Kosten „teilweise durch Werbe und Verleiheinnahmen“. Momentan bekomme eine Gemeinde pro Pedelec und Monat circa 4,63 Euro aus Werbeeinnahmen, bei fünf Pedelecs wären das monatlich 23,15 Euro. „An den Fahrteinnahmen wird die Gemeinde bei einer Ausleihzahl bis 1,5-mal pro Tag mit 75 Prozent beteiligt, ab 1,5-mal mit 60 Prozent und ab 2,0-mal mit 45 Prozent. Ab 2,5-mal erhält die DB Connect GmbH 100 Prozent der Fahrteinnahmen.“

Umsetzung einer Verleihstation hat offenbar nicht die höchste Priorität

Geld ist mit den Leihrädern also vorerst keines zu verdienen. Nach den ersten Rückmeldungen aus den Reihen der Kommunalpolitiker in Korb ist ja aber ohnehin nicht damit zu rechnen, dass es hier bald eine solche Station geben wird. Zumal im November die Kosten für die Kommunen steigen werden und die Station sinnvoll in das Radverkehrskonzept der Gemeinde eingebunden werden müsste – dessen Umsetzung offenbar nicht die höchste Priorität in der Kommune hat.

Die Grünen haben trotzdem eine Umfrage gestartet, wie die Korber zu einer Regiorad-Station stehen. Auf der Plattform Doodle konnte für „ja, sinnvoll für Korb“, „nur, wenn gleichzeitig Einschränkungen für den Autoverkehr erfolgen“ oder „völlig unnötig für Korb“ abgestimmt werden. Dazu hatte Gerhard Brenner im Mitteilungsblatt aufgerufen. Die meisten stimmten für: „Ja, sinnvoll für Korb“. Allerdings, gibt Brenner zu, hätten sich nur verschwindend wenige Korber beteiligt.

Kernen/Korb.
In Stetten stehen zwei, in Rommelshausen vier, in Waiblingen sind es acht und in Weinstadt sogar zehn: Pedelecs von Regiorad Stuttgart zum Ausleihen. Hinzu kommen jeweils eine Handvoll gewöhnliche Räder ohne elektrischen Antrieb. Auch in Korb wünschen sich die Grünen eine solche Verleihstation, stoßen aber – wie fast immer, wenn’s um den Ausbau des Radverkehrs geht – auf Skepsis.

Als der Grünen-Chef und

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