Kernen

Praktikum trotz Handicap: Schülerin aus Kernen lernt neuen Beruf kennen

PraktikumBehinderung
Ibrahim Özgüner, Inhaber vom Obst- und Gemüsehandel „Kirschbaum“, mit der Praktikantin Michelle Kurtis. © Gaby Schneider

Oft ist ein Praktikum für viele Schüler die erste Berührung mit dem Berufsfeld – sowohl in praktischer als auch in sozialer Hinsicht. Doch nicht immer fällt die Suche nach einem Praktikumsplatz einfach aus. Insbesondere dann, wenn man eine Behinderung hat und körperlich oder geistig beeinträchtigt ist.

Praktikum ist Bewerbungsvoraussetzung für berufsvorbereitende Einrichtung

Die Neuntklässlerin Michelle Kurtis kennt dieses Problem und musste ebenfalls lange suchen, bis sie beim Obst- und Gemüsehändler „Kirschbaum“ in Rommelshausen die Möglichkeit bekam, zwei Wochen lang hinter die Kulissen zu schauen. Die 17-Jährige besucht ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum und leidet unter einer Lernschwäche, die wegen eines Sauerstoffmangels bei der Geburt verursacht wurde.

Um die Berufsvorbereitende Einrichtung (BVE) in Waiblingen besuchen zu können, muss Michelle Kurtis ein zweiwöchiges Praktikum nachweisen, damit sie sich für das nächste Schuljahr dort bewerben kann. Die BVE, welche in Kooperation mit der Fröbelschule Schorndorf durchgeführt wird, richtet sich an Jugendliche nach Abschluss der Förderschule und Jugendliche der Berufsschulstufe einer Sonderschule.

Im „Kirschbaum“ füllt die 17-Jährige unter anderem Äpfel, Klementinen oder Bananen auf, versorgt trockene Salatblätter mit Wasser und bringt leere Kartons in das Lager. Am meisten Spaß hat die Schülerin, wenn sie To-go-Becher mit Granatapfelkernen befüllt, erzählt sie.

Ibrahim Özgüner betreut die Schülerin während des Praktikums

Wie sie die rote Frucht zu schneiden hat und worauf sie dabei achten muss, erklärt ihr Ibrahim Özgüner. Der gelernte Großhandelskaufmann betreibt seit 18 Jahren den „Kirschbaum“ in Rommelshausen. Zwischen der Metzgerei Schäfer und der Bäckerei Mildenberger befindet sich die Verkaufsfläche des gebürtigen Schwäbisch Gmünders.

Seine Ware, die hauptsächlich aus der Region stammt, bezieht Özgüner auf dem Stuttgarter Großmarkt. Alles andere wie Nüsse, Spätzle oder trockene Früchte werden dazugekauft. Um seiner Arbeit in Rommelshausen nachzugehen, pendelt Ibrahim Özgüner täglich von Schwäbisch Gmünd nach Kernen.

Der Familienvater findet es wichtig, Menschen mit einer Behinderung die Möglichkeit zu geben, ein Berufsfeld kennenzulernen, und möchte sie dabei unterstützen und motivieren, neue Aufgaben kennenzulernen. Mit der Arbeit der Schülerin ist der Chef „sehr zufrieden“. „Michelle ist meine erste Praktikantin“, sagt Ibrahim Özgüner und fügt hinzu: „Sie ist sehr engagiert und zuverlässig.“

Das Selbstwertgefühl der Schüler wird gestärkt

Auch der Klassenlehrer von Michelle Kurtis, Domenico Murrone, wird häufig mit dem Problem konfrontiert, dass seine Schüler Schwierigkeiten haben, einen Praktikumsplatz zu finden. Deshalb hofft er, dass künftig weitere Betriebe in der Region einen Praktikumsplatz für Schüler mit einer Behinderung anbieten und ihnen somit die lange Suche ersparen sowie die Chance geben, neue Erfahrungen zu sammeln, neue Menschen und Aufgaben kennenzulernen.

„Es ist sehr gut für das Selbstwertgefühl der Jugendlichen, wenn ihre Arbeit geschätzt wird“, sagt der Lehrer. Er freut sich, dass Michelles Praktikum gut läuft. Domenico Murrone ist der festen Überzeugung, dass die Inklusion alle Beteiligten bereichert und viele Vorteile für beide Seiten birgt.

Oft ist ein Praktikum für viele Schüler die erste Berührung mit dem Berufsfeld – sowohl in praktischer als auch in sozialer Hinsicht. Doch nicht immer fällt die Suche nach einem Praktikumsplatz einfach aus. Insbesondere dann, wenn man eine Behinderung hat und körperlich oder geistig beeinträchtigt ist.

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Praktikum ist Bewerbungsvoraussetzung für berufsvorbereitende Einrichtung

Die Neuntklässlerin Michelle Kurtis kennt dieses Problem und musste ebenfalls lange suchen,

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