Kernen

Prozess gegen 34-Jährigen beginnt am Freitag

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Die Diakonie in Stetten. © Sarah Utz

Kernen. Ein 34-Jähriger muss sich von Freitag an vor dem Stuttgarter Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs zweier behinderter Menschen in der Diakonie Stetten verantworten. Der Mann, ein Heilerziehungspfleger, war als Zeitarbeiter nachts in der Einrichtung beschäftigt gewesen.

Der Mann war in der Zeit von Dezember 2015 bis September 2016 als Nachtwache bei der Diakonie Stetten eingesetzt und hatte Zugang zu mehreren Wohngruppen. Ihm wird vorgeworfen, er habe in vier Fällen sexuelle Handlungen an einem heute 15-jährigen Jugendlichen vorgenommen. In einem weiteren Fall war eine behinderte Frau mutmaßlich Opfer. Der Mann bestreite die Vorwürfe, hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Anfang des Jahres mitgeteilt.

„Die Vorfälle beschäftigen die betroffenen Personen nach wie vor. Sie werden von uns weiter eng begleitet“, so Steffen Wilhelm, Pressesprecher der Diakonie Stetten. Vor rund einem Jahr hatte die Einrichtung in einem Brief über die Vorwürfe informiert. „Wir sind entsetzt über diese Vorkommnisse“, hieß es darin; „ein derartiges Verhalten dulden wir in der Diakonie Stetten nicht und verurteilen dies zutiefst.“ Eine Hotline wurde eingerichtet – und daraufhin standen die Telefone nicht mehr still.

Geschulte Fachkraft als Ansprechpartnerin

Die Einrichtung hat eine Reihe von Konsequenzen gezogen, sämtliche Abläufe auf links gedreht und überprüft, wie Steffen Wilhelm weiter mitteilt. Eine therapeutisch wie sexualpädagogisch geschulte Fachkraft ist als Ansprechpartnerin bei Verdachtsfällen benannt. Schulungen sowohl für Beschäftigte wie auch für Menschen mit Behinderung seien ausgeweitet worden.

Es geht unter anderem darum, „wie man frühzeitig körperliche und psychische Signale und Anzeichen für Grenzverletzungen jeglicher Art erkennt und wie man bei körperlicher Annäherung unterscheidet, was okay ist und ab wann Grenzen überschritten sind“, erläutert Steffen Wilhelm.

„Der bundesweite Fachkräftemangel ist bei uns leider auch spürbar“

Mit dem Zeitarbeitsunternehmen, welches den Beschuldigten vermittelt hatte, arbeitet die Diakonie Stetten inzwischen nicht mehr zusammen. Die Einrichtung kooperiere jetzt nur noch „mit wenigen ausgewählten Unternehmen“, und man achte genau darauf, wie diese Mitarbeiter eingesetzt würden. Ganz auf Zeitarbeiter verzichten kann die Diakonie Stetten offenbar nicht: „Der bundesweite Fachkräftemangel ist bei uns leider auch spürbar“, hieß es, als die Vorwürfe vor einem Jahr bekannt wurden.

Frauen mit Behinderungen sind viel häufiger von Gewalt, auch von sexueller Gewalt betroffen als der Durchschnitt. Zu diesem Ergebnis kam das Bundesfamilienministerium, das in einer Studie in den Jahren 2009 bis 2011 erstmals Daten über Diskriminierungen und Gewalterfahrungen von Frauen mit Behinderungen gesammelt hat. Die Studie widmet sich allein Frauen.

Das Projekt „Gela“ richtet den Fokus ebenfalls auf Frauen. „Gela“ steht für „Gewaltfrei leben und arbeiten“. Unter dieser Überschrift bietet das Frauenberatungszentrum Fetz zusammen mit Frauenberatungseinrichtungen landesweit vorbeugende Schulungen an für Frauen mit Behinderung und deren Betreuer/-innen in Einrichtungen. Eins der Ziele ist, dass betroffene Frauen den Mut fassen, sich jemandem anzuvertrauen, und das Hilfesystem kennenlernen.


Kinderpornografie

Der Prozess gegen den 34-jährigen Heilerziehungspfleger beginnt am Freitag, 7. Dezember, am Landgericht Stuttgart. Es geht um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs zweier behinderter Menschen. Das männliche mutmaßliche Opfer war zur Tatzeit unter 14 Jahre alt.

Ferner soll der Mann kinder- und jugendpornografisches Bild- und Videomaterial besessen haben.