Kernen

Prozess: Konzerttickets verkauft, die es nicht gab

Konzerttickets verkauft, die es nicht gab_0
Im Internet-Auktionshaus Ebay bot ein Kernener Tickets an, die er nicht besaß. Er muss wegen Betrugs ins Gefängnis – erneut. (Symbolbild) © ZVW/Alexandra Palmizi

Kernen/Waiblingen.
Um sich seinen Marihuana-Konsum zu finanzieren, hat ein 23-jähriger Kernener im Internet Geld für Veranstaltungstickets kassiert, die er nicht besaß. Wegen Betrugs in sieben Fällen musste er sich jetzt vor dem Amtsgericht Waiblingen verantworten. Bereits vor einem Jahr verurteilte ihn das Gericht in einem ähnlich gelagerten Fall. Er bekam eine zweijährige Haftstrafe wegen Betrugs in 68 Fällen.

1000 Euro für ein Festival in den USA

Aufgrund seiner Drogensucht begab sich der 23-Jährige kurz nach Haftbeginn in Therapie. Von dort aus und während Freigängen stellte er im Sommer 2019 Tickets für den Auftritt eines Comedians, für Konzerte, Musik-Festivals und ein Fußballspiel in der Verkaufsplattform Ebay ein. Von den Käufern verlangte er Geldbeträge von 70 bis 280 Euro – obwohl er die Karten gar nicht hatte. Für ein Festival im US-Bundesstaat Nevada verlangte er 1000 Euro. Die Käufer überwiesen das Geld auf sein Konto. Nachdem sie dafür keine Ware erhalten hatten, zeigten sie ihn an. Insgesamt nahm der Angeklagte durch die Täuschung der Käufer rund 1800 Euro ein.

Der 23-Jährige ist der Polizei in Kernen bekannt. Eine Polizistin, die vor Gericht als Zeugin aussagt, berichtet, dass die Vergehen nach der „gleichen Gangart“ wie beim vergangenen Mal geschahen. Der Mann gab seine eigene Handynummer und sein eigenes Bankkonto an. „Da war nicht viel Finesse dahinter“, gibt der Verteidiger zu bedenken. „Ein nüchterner Kopf sieht das anders als ein berauschter Kopf.“ Richter Steffen Kärcher sagt: „Der Polizeiposten war gut ausgelastet mit ihm.“ Das mache den Fall gravierend.

Sieben Betrugsfälle eingeräumt

Der Angeklagte gibt zu, dass er wieder in alte Verhaltensmuster gerutscht sei. Während seiner Ausgänge von der Therapie sei er vermehrt im Casino gewesen und habe angefangen zu spielen. Auch Marihuana habe er wieder konsumiert. Er räumt die sieben Betrugsfälle ein. So habe er sich eine Einnahmequelle für seine Drogen gesichert. Inzwischen habe er sich abermals um einen Therapieplatz bemüht, erklärt der Angeklagte. Ihm schwebt eine kombinierte Therapie für Glücksspiel- und Betäubungsmittelsucht bei der Drogenberatung in Schwäbisch Hall vor. „Mein Ziel ist es, die Therapie anzufangen und dann mein Leben ohne Drogen zu starten“, sagt der 23-Jährige, „und endlich mal eine Ausbildung anzufangen.“ Einen Schulabschluss hat er nicht.

Richter Kärcher zweifelt: „Die letzte Anklage liest sich genauso wie die jetzige.“ Bereits beim vergangenen Verfahren habe sich der 23-Jährige einsichtig gezeigt. Aus dieser Einsicht sei aber keine Besserung erfolgt. Mit Betrug in 68 Fällen hatte er einen Schaden von rund 7400 Euro verursacht. Der Gesamtschaden im jetzigen Fall sei vergleichsweise noch im beschaulichen Bereich, sagt Kärcher. Weitere Vorstrafen sprechen nicht für den Kernener: Beleidigung, Diebstahl und Erschleichung von Arbeitsleistungen. „Irgendwann ist das Maß voll“, sagt Kärcher. „Und jetzt ist es übergelaufen.“ Aber: „Sie kriegen noch eine Chance.“

Angeklagter muss zurück ins Gefängnis

Der Staatsanwalt fordert ein Jahr und neun Monate Haft für den Angeklagten. Zwar habe er ein Geständnis eingeräumt, aber genau gleich gelagerte Taten wie zuvor begangen. Wegen des schnellen Rückfalls fordert der Staatsanwalt neben der Freiheitsstrafe eine Therapie und die Einziehung der verursachten Schadenshöhe von rund 1800 Euro.

Richter Kärcher kommt in seinem Urteil dem Vorschlag des Verteidigers nach. Der hat zuvor eineinhalb Jahre Haft für den Angeklagten beantragt, also drei Monate weniger als der Staatsanwalt. Außerdem muss der Kernener die 1800 Euro ersetzen. Eine weitere Therapie soll jetzt der nächste Schritt für den 23-Jährigen sein.

Kernen/Waiblingen.
Um sich seinen Marihuana-Konsum zu finanzieren, hat ein 23-jähriger Kernener im Internet Geld für Veranstaltungstickets kassiert, die er nicht besaß. Wegen Betrugs in sieben Fällen musste er sich jetzt vor dem Amtsgericht Waiblingen verantworten. Bereits vor einem Jahr verurteilte ihn das Gericht in einem ähnlich gelagerten Fall. Er bekam eine zweijährige Haftstrafe wegen Betrugs in 68 Fällen.

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