Kernen

Rückbau der Kläranlage Krättenbach in Kernen wird günstiger als gedacht

Brüchiger Beton
Alter Beton kann recycelt werden (Symbolfoto). © Gabriel Habermann

Für einige Verwirrung hat im Kernener Gemeinderat zuletzt das Angebot der Abbruchfirma JMS GmbH aus Weinstadt gesorgt: Das Unternehmen hatte auf die Ausschreibung zum Rückbau des Tropfkörpers der Kläranlage Krättenbach reagiert – mit einem Angebot, das mit Bruttokosten in Höhe von 115.284,75 Euro rund 56 Prozent unter den im Voraus kalkulierten Kosten lag.

Kann es bei so einem großen Preisunterschied mit rechten Dingen zugehen? Einige Gemeinderäte hatten da im Vorfeld ihre Zweifel. Deswegen hat die Verwaltung alle Unterlagen noch einmal geprüft und mit der Firma ein Aufklärungsgespräch geführt, bevor es am Donnerstag vor einer Woche an die Abstimmung über die Vergabe ging.

Bewerbungsunterlagen waren vollständig

Kernen hatte bei der Ausschreibung sowieso vorausgesetzt, dass alle Bewerber Nachweise über ihre Eignung und ihre Sachkunde beilegen und ein Sanierungs-, Rückbau- und Entsorgungskonzept vorzeigen mussten, da der alte Tropfkörper über etwa 300 Ankerhülsen aus Asbestzement verfügt, die gesondert ausgebohrt und entsorgt werden müssen.

Alle diese Unterlagen hatte die Firma aus Weinstadt vorlegen können. Nach erneuter Rücksprache mit den Weinstädtern kann Bauamtsleiter Peter Mauch die Gemeinderäte beruhigen: Mit dem Angebot ist tatsächlich alles in Ordnung. „Anscheinend gibt es gerade eine sehr hohe Nachfrage nach Recycling-Beton“, berichtet Mauch.

Entsorgungsfirma kann den alten Beton verkaufen

Der günstige Preis kommt demnach dadurch zustande, dass die Abbruchfirma den ausgedienten Tropfkörper nicht etwa kostenpflichtig entsorgen muss – nein, sie hat einen Partner, der für das alte Beton-Material sogar Geld bezahlt. Dieser Abnehmer sei auch zertifiziert, das sei beim Aufklärungsgespräch ebenfalls überprüft worden, so Peter Mauch. „Wir würden Ihnen auf dieser Grundlage empfehlen, die Vorlage anzunehmen“, rät der Bauamtsleiter abschließend.

Erich Ehrlich von der UFW-Fraktion möchte dennoch wissen, wieso es sein kann, dass andere Abbruchunternehmen keine so günstigen Angebote eingereicht haben. Das liege wohl daran, dass nicht jede Firma, was den Ankauf von Alt-Beton betrifft, so einen guten Abnehmer habe, antwortet Peter Mauch.

Preisschwankungen nicht unüblich

Der neueste Zugang im Gremium, Jeffrey Brencher von der OGL, kann dazu aus seinem eigenen Berufsalltag als Projektleiter für umwelttechnische Anlagen sogar einige Erfahrungswerte beisteuern: Solche Preisschwankungen seien in der Abfallwirtschaft nicht unüblich. „Das schwankt saisonal stark, und es kommt ganz darauf an, welche Partner ein Unternehmen hat.“

In dieser Hinsicht beruhigt, stimmten die Gemeinderäte schließlich einstimmig für die Vergabe der Rückbauarbeiten an die Firma JMS. „Das ist eine tolle Entwicklung bei den Kosten und zugleich eine schöne Entwicklung hinsichtlich der Wiederverwertung von Baustoffen“, fasst Bürgermeister Benedikt Paulowitsch in einem nachfolgenden Facebook-Post zusammen.

Der alte Tropfkörper ist im Weg

Der Gemeinderat hat schon im Februar per Baubeschluss dem Rückbau des Tropfkörpers der Kläranlage Krättenbach zugestimmt. Dieser stammt aus den frühen 80er Jahren, war damals mit Lavaschlacke gefüllt und diente der biologischen Abwasserreinigung. Nachdem die Kläranlage Krättenbach umfassend modernisiert wurde, wurde der Tropfkörper Anfang 2016 stillgelegt.

Dort, wo sich jetzt noch der alte Tropfkörper befindet, soll in naher Zukunft ein neues Kombibecken entstehen. Deshalb muss jetzt der Rückbau erfolgen.

Für einige Verwirrung hat im Kernener Gemeinderat zuletzt das Angebot der Abbruchfirma JMS GmbH aus Weinstadt gesorgt: Das Unternehmen hatte auf die Ausschreibung zum Rückbau des Tropfkörpers der Kläranlage Krättenbach reagiert – mit einem Angebot, das mit Bruttokosten in Höhe von 115.284,75 Euro rund 56 Prozent unter den im Voraus kalkulierten Kosten lag.

Kann es bei so einem großen Preisunterschied mit rechten Dingen zugehen? Einige Gemeinderäte hatten da im Vorfeld ihre Zweifel.

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