Kernen

Radschnellweg durchs Remstal nach Stuttgart: Radler aus Kernen haben die geplanten Trassen zwischen Endersbach und Fellbach getestet

Kernen21 Fahrradtour
15 erprobte Radfahrer waren unterwegs: Mit dabei Ebbe Kögel (Zweiter von links) und Corinna Konzmann (mit Anhänger). © Benjamin Büttner

Zwischen Schorndorf und Stuttgart soll ein Radschnellweg entstehen. Welche Schwachstellen gibt es auf der Strecke? Wie sieht eine intelligente Lösung für die Nahmobilität aus? Um das herauszufinden, hat der Verein „Kernen21“ kurzfristig 15 sogenannte „Profi-Radler“ zu einer Rundfahrt mobilisiert, bei der beide zur Debatte stehenden Trassen genau angeschaut worden sind.

Was sind schon ein oder zwei Minuten Wartezeit, um als Radfahrer eine Straße zu überqueren? Bei einer gemütlichen Freizeittour fällt das nicht ins Gewicht. Anders sieht es für Menschen aus, für die das Fahrrad das Auto oder Bahn und Bus ersetzt: Wer mit dem Fahrrad zur Arbeitsstelle fährt, muss planen können. 15 dieser Vielradler aus Stetten, Rom, Endersbach und Fellbach sind der Einladung des Vereins „Kernen21“ am Samstag gefolgt. Sie sind gemeinsam beide geplante Trassen des Fahrradschnellwegs RS 5 zwischen Endersbach und Fellbach abgefahren.

Regelmäßig mit dem E-Bike von Stetten nach Feuerbach

Unter ihnen die Kernener Gemeinderätin Corinna Konzmann. Sie erzählt, dass sie bis zur Geburt des zweiten Kindes vor zwei Jahren dreimal pro Woche die 17 Kilometer von Stetten nach Feuerbach und wieder zurück gefahren sei. Zum Thema Radschnellweg meint sie: „Ich fand es schwierig, mir nur anhand der Papierunterlagen eine Meinung zu bilden.“ Da sei es von Vorteil, die Strecke zu erradeln, erklärt sie ihre Teilnahme an der Rundfahrt. „Jetzt sind mir beide Streckenverläufe klarer geworden“, sagt sie, ihren zweijährigen Sohn Luca im Fahrradanhänger hinter ihrem E-Bike herziehend.

Kritisch sieht sie die Führung des Radschnellwegs entlang von Hauptstraßen – in den Abgasen der Autos. Ungeschickt sei auch, dass Stettener Radfahrer einen Umweg über Rommelshausen fahren müssen, um nach Stuttgart zu kommen: „In Richtung Schorndorf werden Stettener Radfahrer nicht über Rommelshausen, sondern über die Seemühle fahren.“ Auch hier müssten sich die Planer Gedanken machen, wie sie dieses Thema gut lösen, damit möglichst viele Nutzer den Radschnellweg befahren.

Ebbe Kögel, „Kernen21“-Pressesprecher, hat zu der Rundfahrt eingeladen. Er sieht einen neuralgischen Punkt in der Überquerung der Waiblinger Straße in Rommelshausen. „Entweder Radler oder Busse müssen anhalten. Jeder Halt macht die Reisegeschwindigkeit zunichte“, sagt er zur Südroute, die durchs Römer Industriegebiet führen soll. Nach aktuellem Planungsstand erreichen die Radfahrer dabei von Endersbach über die Max-Eyth-Straße den Bahnhof Rommelshausen. Der Radweg führt weiter auf der Willy-Rüsch-Straße in Richtung Fellbach. Die Planung sieht hier eine Ampel vor, „Kernen21“ hätte lieber eine Fahrrad-Brücke.

Fahrradfahrer sollen auf durchschnittlich 25 Kiliometer pro Stunde kommen

Die Stockung bei der angedachten Ampel-Lösung mag nur wenige Minuten betragen, doch der Durchschnitt von 25 Kilometern pro Stunde sei in jedem Fall nicht mehr zu schaffen. Dieser Wert sei gemäß Planungsvorlage als anstrebenswerte Geschwindigkeit nötig. „Der Sinn des Schnellwegs ist es, nachhaltig und dauerhaft die Leute vom Auto aufs Fahrrad zu kriegen, dafür muss die Strecke kreuzungsfrei sein“, argumentiert Kögel.

Unter dem Gesichtspunkt einer Verkehrswende sei der Routenvorschlag aber interessant: „Er würde signalisieren, dass auf einer Straße im Gemeindegebiet ein klares Zeichen für den Vorrang des Rades vor dem Autoverkehr gesetzt wird.“ Kögel zufolge müsse noch Überzeugungsarbeit geleistet werden, um Konflikte zwischen Auto- und Lkw-Verkehr und den Radfahrern zu vermeiden. Neben den Kriterien „attraktiv“ und „kreuzungsfrei“ müsse ein Radschnellweg möglichst steigungsarm sein. Dass dies noch Zukunftsmusik ist, zeigt sich der Fahrradgruppe gleich an mehreren Stellen an beiden Trassen.

Heftige Steigungen bremsen Radler aus

Die Gruppe folgt ab dem Ortsende von Rommelshausen den Feldwegen. Hier führt schließlich eine sehr steile Stichstraße hinunter zum Schüttelgraben. „Hier waren sich alle einig, dass dies eine gefährliche und der Idee eines Schnellwegs absolut entgegenstehende Trassenführung ist“, sagt Kögel.

Heftige Steigungen bremsen ebenso wie Ampelschaltungen den Radler aus: Zum einen durchkreuzen sie ein angenehmes, gleichmäßiges und zügiges Schnellweg-Radfahren und sie drosseln zum anderen das Tempo auf zwei Rädern. Selbst mit einem E-Bike tue man sich an so einer Steigung schwer, den Schnitt zu halten, diagnostiziert Ebbe Kögel.

Die zweite Variante führt an der B 29 entlang 

Nach der Ankunft am Rande des Fellbacher Industriegebiets wird kehrtgemacht, und die Gruppe nimmt die RS-5-Variante, die nördlich – also entlang der Bundesstraße – geführt werden soll. Hier müsste das Tal des Krättenbachs unterhalb der Römer Kläranlage mit einer Brücke überquert werden, um dem Radfahrer das steile Stück durch den Taleinschnitt zu ersparen.

Ein weiteres markantes Beispiel für die nicht durchgängig vorteilhafte Topografie zeigt sich den Radlern an der Ausfahrt der B 29 in Richtung Stetten: Zur Weiterführung des RS 5 Richtung Endersbach oder Schorndorf müssen hier mindestens zwei vielbefahrene Straßen überquert werden.

Befragt nach ihren Eindrücken, kommen von den Teilnehmern am Schluss unterschiedliche Reaktionen. „Eine eindeutige Bevorzugung einer der beiden Trassen war nicht zu erkennen“, zieht Kögel Bilanz.

Dieses Frühjahr ist eine Bürgerbeteiligung zum Radschnellweg geplant. Anschließend entscheidet der Gemeinderat über die Trassenführung. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung möchte „Kernen21“ noch einmal eine Trassen-Rundfahrt für Bürger und für Gemeinderäte anbieten.

Zwischen Schorndorf und Stuttgart soll ein Radschnellweg entstehen. Welche Schwachstellen gibt es auf der Strecke? Wie sieht eine intelligente Lösung für die Nahmobilität aus? Um das herauszufinden, hat der Verein „Kernen21“ kurzfristig 15 sogenannte „Profi-Radler“ zu einer Rundfahrt mobilisiert, bei der beide zur Debatte stehenden Trassen genau angeschaut worden sind.

Was sind schon ein oder zwei Minuten Wartezeit, um als Radfahrer eine Straße zu überqueren? Bei einer gemütlichen

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