Kernen

Rumold-Realschule Kernen: Ingeborg Nagl-Kranzinger geht nach 20 Jahren in Pension

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Ingeborg Nagl-Kranzinger und ihr Mann bei ihrer Verabschiedung im Bürgerhaus Kernen am Dienstag. © Ralph Steinemann Pressefoto

Ingeborg Nagl-Kranzinger sitzt an ihrem Schreibtisch und unterschreibt Zeugnisse. „Meine letzte Amtshandlung“, sagt sie und lächelt fast etwas wehmütig. Einige ihrer Sachen hat sie schon zusammengepackt, denn der Abschied steht bevor: Mit dem Ende dieses Schuljahres geht die 65-Jährige in Pension. Nach 20 Jahren Tätigkeit an der Rumold-Realschule in Rommelshausen beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt.

Ihr Abschied ist ein Neuanfang, kein Ende, betont die Direktorin. Das ist eine Lebenseinstellung, die sie gerne auch allen ihren Schülern abschließend mit auf den Weg geben möchte: Egal, ob es darum geht, dass man eine Klasse wiederholen muss, den Abschluss gemacht hat oder – wie sie selbst jetzt – in Pension geht: Es geht immer weiter, immer kommt etwas Neues – auch jetzt während der Corona-Pandemie.

Die letzten zwei Schuljahre waren nicht einfach

Ihre letzten zwei Schuljahre seien oft nicht einfach gewesen – zumal im ersten Corona-Schuljahr die Stelle ihres Stellvertreters unbesetzt war. „Es waren zwei Schuljahre, wo man in den Schulferien oft dasaß und sich überlegt hat, wie die neueste Corona-Verordnung überhaupt umgesetzt werden kann“, erzählt Ingeborg Nagl-Kranzinger.

Nicht selten seien die neuen Regeln am letzten Freitag vor Schulbeginn abends verabschiedet worden: „Meistens so um 17 Uhr. Das hat es nicht gerade einfach gemacht.“ Trotzdem habe die Schule ihrer Meinung nach die Krise ganz gut gemeistert. Das sehe man auch am Schnitt der Abschlussklassen: „Der große Einbruch war nicht da“, sagt die Rektorin.

Der Umbau hat das Schulleben geprägt

Doch auch in den Jahren vor Corona sei an der Rumold-Realschule einfach immer etwas los gewesen. Nach Rommelshausen kam Nagl-Kranzinger im Jahr 2000, damals noch als Konrektorin. Schon nach kurzer Zeit übernahm sie jedoch die Schulleitung.

Seitdem hat sie mit der Realschule viele Veränderungen durchlebt: „Wir haben angebaut, wir sanieren, es gab zwei Bildungspläne und eine Schulentwicklung.“ Auch in Sachen Digitalisierung sei sehr viel passiert. Gerade die vielen Baustellen an und in der Schule hätten ihre Amtszeit sehr geprägt – auch in positivem Sinne.

Freude am Beruf bis zur Pension

So hätten sich in der Fertigstellungsphase des Anbaus spontan Arbeitsgruppen aus Eltern, Schülern und Lehrern gebildet, die gemeinsam das Industrieparkett in den neuen Räumen verlegt hätten. „Eine Mutter hat mich neulich wieder darauf angesprochen. Sie hat gefragt: ‘Wissen Sie noch, wie wir da gemeinsam auf den Knien lagen?’“ Für die Schulleiterin sind es genau solche prägenden, gemeinsamen Erlebnisse, die gar nicht unbedingt etwas mit dem eigentlichen Unterricht zu tun haben, die die Schulgemeinschaft zusammenwachsen lassen.

Einmal habe sie zu Schuljahresbeginn gesagt: „Ich wünsche mir ein langweiliges Schuljahr. Aber das ist nie passiert – zum Glück.“ Die Freude an ihrem Beruf hat Ingeborg Nagl-Kranzinger bis zum Schluss nicht verloren. Sie schmunzelt über Schülerreaktionen auf den Gängen wie: „Au, da kommt die Rektorin.“ Nicht selten sei es vorgekommen, dass Schüler ihr, nach anfänglicher Skepsis, irgendwann attestiert hätten, dass sie doch „auch ganz nett“ sei.

Jugendliche für Naturwissenschaften begeistern

Besonders schön an der Position als Schulleiterin findet sie, dass sie neben der verwalterischen Tätigkeit auch noch unterrichten konnte. Ingeborg Nagl-Kranzinger ist Lehrerin für Biologie und Chemie.

Schüler gerade auch außerhalb des regulären Unterrichts in Arbeitsgruppen für Naturwissenschaften begeistern zu können, sei ihr immer sehr am Herzen gelegen, regelmäßig war sie mit ihren AGs bei regionalen oder auch landesweiten „Mikro makro mint“-Forschungswettbewerben vertreten.

Experimentieren mit Zeitlupe und Kerzenflammen

Besonders an eine Projektgruppe erinnert sie sich noch gut: Von Fördergeldern konnte man damals eine besondere Kamera, die Zeitraffer- und Zeitlupenaufnahmen machen konnte, und eine Wärmebildkamera anschaffen. „Die Schüler haben damit sehr viel experimentiert, dabei entstanden ganz tolle Sachen mit Kerzenflammen.“

Beim Wettbewerbsort angekommen, seien die Schüler, die damals die siebte Klasse besuchten, ganz professionell empfangen worden, man habe ihnen gezeigt, wie und wann sie auf die Bühne kommen sollten, wie man sie interviewen würde. „An diesem Abend sind sie alle mindestens um zehn Zentimeter gewachsen“, sagt die Schulleiterin.

Vom "Ich kann das nicht" zum "Ich schaff' das schon"

Sie findet es wichtig, das Kinder und Jugendliche in ihrer Schulzeit Erlebnisse wie dieses mitnehmen können: weg vom „Ich kann das nicht“, hin zum Mut, etwas Neues zu probieren, zum „Ich schaff’ das schon“.

Doch wie geht es jetzt für sie persönlich weiter? Sie und ihr Mann wollen reisen, sobald es wieder ohne weiteres möglich ist. „Ich habe zwei erwachsene Kinder und bin mittlerweile auch Großmutter“, erzählt sie. Außerdem warte ein großer Garten auf sie.

Ingeborg Nagl-Kranzinger sitzt an ihrem Schreibtisch und unterschreibt Zeugnisse. „Meine letzte Amtshandlung“, sagt sie und lächelt fast etwas wehmütig. Einige ihrer Sachen hat sie schon zusammengepackt, denn der Abschied steht bevor: Mit dem Ende dieses Schuljahres geht die 65-Jährige in Pension. Nach 20 Jahren Tätigkeit an der Rumold-Realschule in Rommelshausen beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt.

Ihr Abschied ist ein Neuanfang, kein Ende, betont die Direktorin. Das ist eine

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