Kernen

Sarah Reyer: Wer ist die neue Pfarrerin in Kernen-Stetten?

Sarah Reyer
Pfarrerin Sarah Reyer: „Die Stettener haben mich mit sehr, sehr offenen Armen begrüßt.“ © Gabriel Habermann

Sarah Reyer ist die neue Pfarrerin in der evangelischen Gemeinde in Stetten. Die 42-Jährige folgt auf Pfarrer Konrad Autenrieth, der sich im Juli vergangenen Jahres in den Ruhestand verabschiedet hat. Pfarrerin Sarah Reyer, die ursprünglich aus Ludwigsburg kommt, arbeitete zunächst unter anderem in Bietigheim und zuletzt in Ostfildern in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde. „Ich habe bisher immer 50 Prozent gearbeitet“, sagt sie. Die 42-Jährige ist Mutter von „drei Jungs“, die vier, sechs und neun Jahre alt sind. Nach ihren drei Babypausen ist ihre Station in Kernen die erste 100-Prozent-Stelle.

Was zog die Pfarrerin nach Stetten? „Mich haben einfach verschiedene Dinge hier angesprochen“, sagt Sarah Reyer und erklärt: „Einerseits eben der Wunsch, wieder 100 Prozent zu arbeiten, und andererseits aber auch – was hier ja großgeschrieben wird – der Wunsch, zusammen mit der Diakonie eine inklusive Gemeinde zu werden.“

Kernaufgabe von Pfarramtstätigkeiten: Diakonische Arbeit

Die diakonische Arbeit liege ihr sehr am Herzen, sagt die Pfarrerin. Ihrer Meinung nach sei es sogar die „Kernaufgabe von Pfarramtstätigkeiten“. Für sie steht fest: „Da schlägt mein Herz.“

Auch wenn Sarah Reyer ursprünglich Politik und Sprachwissenschaften studierte, entschied sie sich, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. „Mein Vater ist auch Pfarrer, daher auch die Prägung“, sagt sie. Als der Vater von 2000 an in Jerusalem für sechs Jahre arbeitete, besuchte ihn Sarah Reyer während der Semesterferien. Dort entfachte sich der Wunsch, beruflich einen anderen Weg einzuschlagen. „Da hat mein Herz angefangen, für Glaube, für interreligiösen Dialog, für Theologie zu schlagen, und dann habe ich gewechselt“, sagt Sarah Reyer.

In Jerusalem Dialog mit dem Judentum und Islam kennengelernt

An der Seite ihres Vaters habe sie „alles kennengelernt“, sagt sie und zählt auf: „Den Dialog besonders mit dem Judentum, aber eben auch mit dem Islam. Dann die 13 unterschiedlichen christlichen Kirchen in Jerusalem und natürlich die Auseinandersetzung – damals ganz besonders mit der Zweiten Intifada, war sehr aktuell. Das war echt sehr, sehr spannend.“

Als erste leitende Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde in Stetten das Amt innezuhaben, sei „schon etwas Besonderes“, findet sie. Die 42-Jährige ist der Meinung, dass Frauen anders leiten und „stärker auf die Kommunikationsebene“ gehen. Dennoch sollte es ihrer Meinung nach in der heutigen Zeit kein Thema mehr sein, dass eine Frau eine leitende Position einnimmt. Bisher hätten sie nur sehr positive Stimmen aus der Gemeinde zu ihrer Stelle erreicht, so die Pfarrerin. „Die Stettener haben mich mit sehr, sehr offenen Armen begrüßt.“

Familienarbeit steht für Sarah Reyer im Vordergrund

Welche Überzeugungen treibt Sarah Reyer an, worauf legt die Pfarrerin Wert? „Ich glaube, dass die Familienarbeit mit das A und O ist von der Kirchengemeinde. Dass man Familien begleitet, im Grunde von der Krabbelgruppe, von der Taufe an über die Jungscharzeit ins Jugendalter. Und dann, wenn es gut läuft, bis zur Eheschließung“, sagt sie.

Neben den Familien sollten ihrer Meinung nach auch die mittleren und älteren Generationen nicht aus dem Blick gelassen werden. „Aber wenn ich mir die Austrittszahlen anschaue und wenn ich mir anschaue, was so prognostiziert ist für die nächsten Jahre und Jahrzehnte, sind für mich die Familien so der Dreh- und Angelpunkt“, sagt die Pfarrerin. „Das ist für mich wichtig.“

„Man sollte sich nicht hinter seinem Kirchtum verstecken"

Neben den Familien und der Inklusion spiele für sie auch das Stichwort ‘Kirche in der Welt’ eine bedeutende Rolle. Man sollte sich ihrer Meinung nach „nicht hinter seinem Kirchtum verstecken“, sondern schauen, was in der Gesellschaft los ist. „Für mich ist es sehr wichtig, dass man eine offene Kirchengemeinde ist, dass man sich in gutem Maße einmischt“, egal ob es momentan um den Ukraine-Krieg geht oder um etwas anderes, sagt sie.

Auch Themen wie der Klimawandel oder die Klimakrise sollten in Kernen, in einer Gemeinde, die den Grünen Gockel hat, im Vordergrund stehen, findet Sarah Reyer. „Das bedeutet eben, dass wir ganz besonders darauf achten, dass wir uns klimafreundlich verhalten“, sagt die 42-Jährige. „Da kannst du als Pfarrerin schon in der Kinderkirche damit anfangen und den Kindern erzählen, wie wichtig es ist, auf die Schöpfung Gottes aufzupassen. Und dann machst du weiter in der Jungschararbeit und mit den Konfirmanden.“ Auch hält sie es für sehr wichtig, „den Kindern Friedensethik beizubringen“. Der Samen sollte früh gesät werden, findet Sarah Reyer.

„Ich hoffe, dass wir auf die Art und Weise dem Mitgliederschwund entgegenwirken können“

Kann man dem Mitgliederschwund in der Kirche entgegenwirken? In den letzten Jahrhunderten habe es immer Phasen gegeben, so die Pfarrerin, „wo die Kirche mehr oder mal weniger dran war bei den Menschen“. Daher findet Sarah Reyer es wichtig, eine authentische Gemeindearbeit zu machen, auf die Leute zuzugehen, Türen zu öffnen, auch Heimat zu schenken, kurzum Gemeinschaft zu bewirken. „Ich hoffe, dass wir auf die Art und Weise dem Mitgliederschwund entgegenwirken können.“

In der Kirche gehe es vor allem darum, Beziehungen zu knüpfen, miteinander etwas zu bewirken. „Dann hoffe ich, dass die Kirche Zukunft hat.“ In Bezug auf die Kirchenaustritte sagt die Pfarrerin: „Mich macht es echt traurig, wenn ich das sehe, und gleichzeitig gibt es halt einfach nicht das Wundermittel, wie man die Leute jetzt wieder in die Kirche reinholt.“

Derzeit wohnt die Pfarrerin zusammen mit ihrer Familie in Esslingen. Weil das Pfarrhaus in Stetten noch renoviert werden muss, pendelt Sarah Reyer täglich zur Arbeit. Sie hofft, dass sie mit ihrer Familie im Sommer einziehen kann. Bis zum Umzug nach Stetten werde es für die dreifache Mutter „eine Herausforderung“, Beruf, Familie und Alltag unter einen Hut zu bringen. „Wenn wir dann hier eingezogen sind“, sagt sie, werde alles viel einfacher werden. „Wenn die Familie und Arbeit in einem Ort sind, dann glaube ich, dass wir’s dann miteinander hinkriegen werden.“

Auch die Landschaft in Kernen ist Sarah Reyer bereits bekannt. „Von Esslingen aus war Kernen und das Remstal unser Freizeitparadies“, sagt die dreifache Mutter. „Das ist wiederum schön für die Jungs, weil die das davor schon kannten und sich darauf freuen.“ Zu den Favoriten gehörten bislang die Kugelbahn in Stetten, die Talaue in Waiblingen und der Bikepark in Rommelshausen. „Das finden die Jungs cool.“

Womit beschäftigt sich Sarah Reyer in ihrer Freizeit? „Ich mache total gerne Ausflüge auf die Schwäbische Alb – ich mag das, mit den Kindern neue Orte zu entdecken, egal ob es Burgen sind oder Höhlen“, sagt sie. Außerdem lege sie viel Wert auf soziale Kontakte. „Mir persönlich tut es einfach gut, meine Freundschaften zu pflegen, um den Kopf auszulüften.“ Darüber hinaus liest sie gerne und spielt Klavier, „wenn es die Zeit zulässt“.

Sarah Reyer freut sich auf die Zukunft in Kernen. „Was ich auch toll finde hier in der Gemeinde, ist die tolle bunte Vielfalt.“

Sarah Reyer ist die neue Pfarrerin in der evangelischen Gemeinde in Stetten. Die 42-Jährige folgt auf Pfarrer Konrad Autenrieth, der sich im Juli vergangenen Jahres in den Ruhestand verabschiedet hat. Pfarrerin Sarah Reyer, die ursprünglich aus Ludwigsburg kommt, arbeitete zunächst unter anderem in Bietigheim und zuletzt in Ostfildern in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde. „Ich habe bisher immer 50 Prozent gearbeitet“, sagt sie. Die 42-Jährige ist Mutter von „drei Jungs“, die vier, sechs und

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