Kernen

Sinkt die Quarantäne-Akzeptanz? Das Corona-Team in Kernen bekommt teils abenteuerliche Geschichten zu hören

Coronaalltag
Sophie Gammerdinger, Marianne Rapp, Sabine Mayer und Frank Neuberger (v.l.n.r.) arbeiten daran, die Infektionsketten nachzuvollziehen. © Gaby Schneider

Die Gespräche, die das Team um Ordnungsamtsleiterin Marianne Rapp in Kernen führen muss, sind oft schwierig. Klar, für 14 Tage in Quarantäne will eigentlich niemand. Inzwischen stellen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber fest: Das Verständnis in der Bürgerschaft dafür sinkt. Ein Blick auf die Zahlen verrät: Nicht wenige Menschen in Kernen sind derzeit von der Quarantäne betroffen.

Dort, wo noch vor einem Jahr das Gartenschaubüro in Kernen war, sitzt in diesen Tagen das Team, das für die Kontaktnachverfolgung in Sachen Corona zuständig ist. Weil die Menge an Arbeit für die Verwaltung zu viel wurde, forderte Kernen Unterstützung aus dem Landratsamt an. Inzwischen arbeiten auch Sabine Mayer und Frank Neuberger mit. Sie sind normalerweise im Landratsamt tätig. Mayer in der Wirtschaftsförderung, Neuberger im Bereich der Lebensmittelkontrolle. „Wir haben die Nachverfolgung auf breite Füße gestellt“, sagt Rapp.

Zum Kern-Team gehört außerdem auch Sophie Gammerdinger, die seit dem Beginn der Corona-Krise mit dabei ist. An den Wochenenden helfen seit kurzem außerdem auch vier Studenten aus, die sich jeweils in Zweier-Teams abwechseln.

Wer hatte mit wem Kontakt? Wie nah ist man sich gekommen? Solche Fragen sind es, die das Team hier stellt. An manchen Tagen klingelt das Telefon ununterbrochen, an anderen geht es ruhiger zu. Aufregung herrsche vor allem dann, wenn wieder eine Kindergartengruppe oder Klasse in Quarantäne muss. Dann kommen viele Fragen auf.

Nachverfolgung soll möglichst zeitnah erfolgen

Das erklärte Ziel des Teams: Die Kontaktpersonen eines Corona-Infizierten sollen möglichst am selben Tag noch nachverfolgt und informiert werden. „Wir haben die Lage im Griff“, sagt die Ordnungsamtsleiterin. Das sei nicht selbstverständlich. Aus so mancher Stadt kämen die Hinweise mit enormer Verzögerung. Konkrete Städtenamen will Rapp aber lieber nicht nennen.

Doch es ist eben eine Menge zusätzliche Arbeit, die das Team im Ordnungsamt zu bewerkstelligen hat. An Werktagen läuft die Kontaktnachverfolgung von 7 bis 18 Uhr. An den Wochenenden von 9 bis 18 Uhr. Oft kontrollieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom heimischen Computer aus noch mal die Lage.

Gammerdinger erzählt, dass sie so manches Gespräch durchaus auch mit nach Hause nimmt. Sie musste erst kürzlich einer jungen Familie, die keinen Garten hat, erklären, dass sie wirklich nicht aus der Wohnung dürfen. Für sie hatte sich die Quarantäne auf über 14 Tage verlängert, weil ein Familienmitglied erst etwas später erkrankte als ein anderes. Die Anordnung verlängerte sich dann noch mal. „So ein Fall tut mir dann schon leid“, sagt Gammerdinger. Eine Ausnahme habe man in diesem Fall aber auch trotz der schwierigen Situation nicht gemacht. Sondergenehmigungen bekämen nur Menschen, die im medizinischen Bereich tätig sind.

Verständnis für Anordnungen sinke, so das Ordnungsamt

Zu Beginn der Krise sei das Verständnis in der Bevölkerung für Quarantäne-Anordnungen sehr hoch gewesen, inzwischen gehe die Akzeptanz aber zurück, stellen Gammerdinger und die anderen fest. Bei vielen, die als Kontaktperson für 14 Tage zu Hause bleiben müssen und keine Symptome haben, müssten die vier viel Erklärungsarbeit leisten. „Einige erzählen abenteuerliche Geschichten am Telefon, um zu verhindern, dass sie eine Anordnung bekommen“, erzählt Gammerdinger. Sie und ihre Kollegen versuchen, über Nachfragen herauszufinden, was sich tatsächlich zugetragen hat. Manchmal komme sie sich da schon wie eine Detektivin vor. Manche werden auch laut, wenn die Nerven blankliegen. Sabine Mayer erklärt, sie versuche in den Gesprächen, „viel Energie rauszunehmen“ und Verständnis für die Situationen der Betroffenen aufzubringen.

Haben die Infizierten häufiger Migrationshintergrund?

Es klingt durch: Der Job mit der Kontaktnachverfolgung ist nicht einfach. Nachdem Waiblingens Oberbürgermeister Andreas Hesky erst vor wenigen Tagen erklärte, dass er den Eindruck habe, unter den Infizierten seien besonders viele Menschen mit Migrationshintergrund, geht auch die Ordnungsamtsleiterin auf das Thema ein. Sie habe eine vergleichbare Beobachtung nicht machen können, erklärt sie. „Das ist eine bunte Mischung an Menschen“, so ihre Erfahrung.

Nicht wenige befinden sich derzeit in Quarantäne

Neben der Kontaktnachverfolgung ist das Ordnungsamt auch dafür zuständig, stichprobenartig Kontrollen durchzuführen und zu überprüfen, ob sich die Betroffenen an die Quarantäne halten. Rapp und ihr Team kontaktieren Infizierte und Kontaktpersonen immer mal wieder telefonisch. Von einer persönlichen Überwachung sieht das Ordnungsamt aber bislang ab. Unter anderem, weil dies bei den aktuellen Zahlen kaum möglich sei. Die Zahl der Infizierten in Kernen liegt bei 34 (Anfang November waren es über 50), in Quarantäne befinden sich etwa 200 Personen (Stand 25. 11.).

Die Gespräche, die das Team um Ordnungsamtsleiterin Marianne Rapp in Kernen führen muss, sind oft schwierig. Klar, für 14 Tage in Quarantäne will eigentlich niemand. Inzwischen stellen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber fest: Das Verständnis in der Bürgerschaft dafür sinkt. Ein Blick auf die Zahlen verrät: Nicht wenige Menschen in Kernen sind derzeit von der Quarantäne betroffen.

Dort, wo noch vor einem Jahr das Gartenschaubüro in Kernen war, sitzt in diesen Tagen das Team, das

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