Kernen

Sozialer Wohnbau: Ja, feste Quote: Nein

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Symbolbild. © pixabay (CC0 Public Domain)

Kernen. Es wird in Kernen vorerst keine feste „Sozialquote“ für geförderten Wohnungsbau geben. Zwar sehen im Gemeinderat sämtliche Fraktionen die Dringlichkeit, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, folgten aber in einem Beschluss mehrheitlich der Empfehlung aus dem Rathaus: „Wir müssen uns eine gewisse Flexibilität erhalten“, sagte Beigeordneter Peter Mauch.

Immer mehr Menschen leben in der Region, immer größer wird die Wohnungsnot, immer höher klettern die Mieten und Preise für Immobilien. Für zusätzlichen großen Druck sorgt die Pflicht, Flüchtlinge unterzubringen – nur mit Interimslösungen wie Containern und alten Gebäuden auf der Hangweide könnte Kernen nach heutigem Stand die Unterbringung bis Ende 2019 sicherstellen. Ab 2020 würden Neubauten dringend benötigt, heißt es aus dem Rathaus. Nun soll ein Wohnraumkonzept entwickelt werden, das Maßnahmen und Ziele bis zum Jahr 2030 definiert. Eine zentrale Aufgabe: der soziale Wohnungsbau.

Es ist nicht so, dass Kernen auf diesem Gebiet bislang nichts unternimmt: Momentan befinden sich rund 1,8 Prozent der Wohnungen in Kernen in der Hand der Gemeinde: Insgesamt handelt es sich um 128 Wohnungen, inklusive der angemieteten Wohnungen und jener, für die das Rathaus das Belegungsrecht hat. Diese Zahl wird sich bis 2021 verdoppeln, wenn die Projekte der kommunalen Kreisbaugesellschaft bezugsfertig werden. Das reicht aber nicht aus. Bis 2030 soll der kommunale Wohnungsbestand auf 400 vergrößert werden.

Maßnahmen werden auf Klausurtagung besprochen

Das größte Potenzial birgt die 7,9 Hektar große Hangweide der Diakonie Stetten, die in ein urbanes Wohngebiet umgewandelt werden soll. Die Hangweide ist allerdings auch einer der Hauptgründe dafür, dass der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung keine Sozialquote für neue Wohngebiete beschlossen hat. Die SPD-Fraktion hatte eine solche Quote von 25 Prozent gefordert. Der Beigeordnete Peter Mauch lehnt das ab: „Wir müssen uns eine gewisse Flexibilität erhalten“, argumentierte er am Dienstagabend im Bürgerhaus. Bürgermeister Stefan Altenberger pflichtete ihm bei: Was, wenn die Quote sich aufgrund des hohen Kaufpreises für die Hangweide dort nicht einhalten ließe? „Dann wird’s peinlich“, so Altenberger. Die Mehrheit des Gemeinderats lehnte die feste Quote schließlich ab.

Grundsätzlich sind sich Räte und Verwaltung aber einig: In neuen Wohngebieten soll es geförderten Wohnraum und soziale Durchmischung geben, auch und gerade auf der Hangweide. Außerdem sollen eine aktive Flächen- und Grundstückspolitik betrieben und weiter Immobilien gekauft werden. In einer Klausurtagung im kommenden Jahr werden sich die Gemeinderäte tiefergehend mit diesen Themen beschäftigen.


Hangweide: Vertragsunterzeichnung im Januar?

Zehn Millionen Euro hat der Gemeinderat nachträglich in den Haushalt für das laufende Jahr 2018 eingestellt. Der Grund: Kernen plant Grunderwerb in Millionenhöhe.

Nicht wie ursprünglich geplant noch in diesem Jahr, sondern erst im Januar oder Februar möchte die Gemeinde nach Angaben von Bürgermeister Stefan Altenberger den Kaufvertrag mit der Diakonie für die Hangweide unterzeichnen. Dort soll ein neues Wohngebiet entstehen.

Unter anderem im Gewerbegebiet Lange Äcker III befinde sich die Verwaltungsspitze ebenfalls in weit fortgeschrittenen Verhandlungen um Grundstücke.

Weil der Haushalt für 2019 vermutlich erst im Frühjahr verabschiedet wird, stehen die Millionen nun per Nachtrag im aktuellen Haushaltsplan. Kämmerer Bernd Hoppe betonte: „Die Liquidität ist da, ohne weitere Kreditaufnahme.“ Der Gemeindehaushalt bleibe nach wie vor schuldenfrei. Es handle sich um Investitionen ins Grundvermögen. Die Ausgaben sollen in späteren Jahren über Verkäufe wieder zurückfließen.