Kernen

Taxi-Fahrern fehlen die Fahrgäste: Ein Unternehmer aus Kernen erzählt

Taxifahrer
Fahrer Themistoklis Avgitidis und seine Passagiere sind durch eine Scheibe getrennt. © ALEXANDRA PALMIZI

Themistoklis Avgitidis hat seine Taxiflotte mit Trennscheiben ausgestattet – schon zum zweiten Mal dieses Jahr. Im Frühjahr musste eine Notlösung her, diese Installationen sind jetzt durch Tüv-zertifizierte Vorrichtungen ersetzt worden. Auch sonst setzt das Unternehmen auf größtmögliche Vorsicht und Hygiene. „Für uns ist das aber eigentlich gar nichts Neues“, sagt Avgitidis. Schon vor Corona hat das Taxiunternehmen viele Krankentransporte übernommen. Jetzt in der Krise sind nur noch diese Stammkunden geblieben – fast ausnahmslos Risikopatienten.

„Die Auftragslage ist seit dem Frühjahr so. Das Nachtgeschäft ist komplett eingebrochen“, erzählt der Taxiunternehmer. Mittlerweile sei es die absolute Ausnahme, dass jemand anrufe, weil er spontan ein Taxi braucht.

Angst vor Ansteckung schon vor Corona

Themistoklis Avgitidis und seine Kollegen sind jetzt fast ausschließlich für Krankentransporte gebucht: Krebspatienten, die zur Chemotherapie müssen, oder Dialyse-Patienten. „Das sind Leute, die seit Jahren mit uns fahren und die uns Fahrer kennen, uns vertrauen.“

Dieses Vertrauen haben sich er und seine Kollegen vor allem dadurch erarbeitet, dass sie den Kunden schon immer gezeigt hätten, dass sie Rücksicht auf deren gesundheitliche Situation nehmen. Schon vor Corona habe immer die Gefahr bestanden, dass sich die Fahrgäste bei den Fahrern anstecken könnten: „Wenn ich da hinten einen Krebspatienten mit niedrigem Leukozyten-Level sitzen habe, und ich habe eine Grippe – das geht nicht“, sagt Themistoklis Avgitidis. „Wer bei uns Erkältungssymptome hat, fährt nicht. Das war schon immer so.“

"Wir passen verdammt auf"

Bei Corona ist das allerdings nicht ganz so einfach: „Da hast du Corona, merkst selber nichts und steckst trotzdem Leute an.“ Um Ansteckungsketten nach Möglichkeit im Keim zu ersticken, hat er alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen: So haben die einzelnen Fahrer keinen Kontakt untereinander, alle paar Stunden setzen sie während der Arbeit eine neue Einmal-Maske auf. „Wir passen verdammt auf“, sagt der Taxiunternehmer.

„Wir stellen auch unseren Fahrgästen immer frische Masken zur Verfügung.“ Manchmal vergessen die Kunden nämlich, eine mitzubringen, weil sei eilig aus dem Haus gegangen sind. „Oder uns fällt auf, dass jemand seit mehreren Tagen dieselbe Maske trägt. Dann fragen wir nach, ob der Kunde eine neue möchte.“

Außerdem versucht das Unternehmen, bei den Serien-Fahrten die Fahrgast-Fahrer-Konstellation möglichst über längere Zeit gleich zu lassen: Sprich, wenn ein Fahrgast dreimal in der Woche zum Arzt muss, begleitet ihn dabei immer der gleiche Taxifahrer. Den Fahrer können sich die Kunden sogar aussuchen: „Bei der Reservierung für Serien-Fahrten kann jeder bestimmen, welchen Fahrer er möchte“, sagt Themistoklis Avgitidis. „In 90 Prozent der Fälle klappt das auch.“

Große Autos ermöglichen genügend Abstand

In den größeren Autos könne ohne weiteres zusätzlich zu Trennscheibe und Maske ein ausreichender Abstand zum Fahrer gehalten werden, wenn der Fahrgast ganz hinten sitzt. „Das bieten wir unseren Kunden immer an.“ Sobald der Fahrgast ausgestiegen ist, wird gelüftet. „Wir wollen, dass unsere Kunden sich sicher fühlen. Wie ich als Fahrer selbst dabei zu Corona stehe, ob ich Angst habe oder nicht, spielt bei uns keine Rolle.“

Auch wenn sich Themistoklis Avgitidis gerne auf die positiven Dinge konzentriert: Besonders gut geht es Taxiunternehmen im Moment nicht. „Wir können seit dem Frühjahr gerade so unsere Unkosten decken“, sagt der Taxifahrer. Und das, obwohl sein Unternehmen „nur“ 20 bis 30 Prozent Umsatzeinbußen habe – zu wenig, um Anspruch auf staatliche Hilfen zu haben.

Kein Anspruch auf Corona-Hilfe

Taxiunternehmen können seit Ende September den sogenannten „Tilgungszuschuss Corona“ beantragen. Die Sache hat allerdings einen Haken: „Taxi- beziehungsweise Mietwagenunternehmer sind nur antragsberechtigt, wenn der Umsatz in den Monaten März 2020 bis August 2020 zusammengenommen um mindestens 50 Prozent gegenüber den Monaten März 2019 bis August 2019 zurückgegangen ist“, heißt es in der Beschreibung des Förderprogramms, nachlesbar auf der Internetseite des Wirtschaftsministeriums.

Diese Regelung lässt viele Unternehmen im Regen stehen, kritisiert Themistoklis Avgitidis. 50 Prozent Umsatzeinbußen seien vielleicht in anderen Branchen verschmerzbar – nicht aber in seiner. „Wenn ich 50 Prozent Einbußen hätte, müsste ich meine Autos abmelden, abstellen und erst nach Corona wieder fahren“, erklärt er. Das möchte er weder seinen Fahrern noch seinen Stammkunden antun. „Es ist einfach schade, dass es erst Unterstützung gibt, wenn ein Unternehmen knapp vor dem Ruin steht.“

Langsam wird es kritisch

Es sei nämlich so: „Die etwa 70 Prozent, die dieses Jahr übrig bleiben, sind der gesamte Umsatz, nicht der Gewinn.“ Sie decken bei ihm im Unternehmen gerade so einigermaßen die Personal-, Sprit- und Versicherungskosten. Auf Dauer reicht das aber nicht. „Wir sind als gut aufgestellter Betrieb in die Krise gestartet“, sagt der Taxifahrer. Doch die Rücklagen sind so gut wie aufgebraucht, langsam aber sicher wird es ernst: „Die Krise darf für uns nicht mehr länger als drei oder vier Monate dauern“, sagt Themistoklis Avgitidis. Er hofft, dass der Impfstoff einen Ausweg aus der Krise darstellt – sonst droht dem Unternehmen der Ruin.

Themistoklis Avgitidis hat seine Taxiflotte mit Trennscheiben ausgestattet – schon zum zweiten Mal dieses Jahr. Im Frühjahr musste eine Notlösung her, diese Installationen sind jetzt durch Tüv-zertifizierte Vorrichtungen ersetzt worden. Auch sonst setzt das Unternehmen auf größtmögliche Vorsicht und Hygiene. „Für uns ist das aber eigentlich gar nichts Neues“, sagt Avgitidis. Schon vor Corona hat das Taxiunternehmen viele Krankentransporte übernommen. Jetzt in der Krise sind nur noch diese

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper