Kernen

Ukraine-Hilfe: Kernener bringen Medikamente und holen Freunde an der Grenze ab

Ina und Georg Mohr aus Kernen Hilfe für Ukraine
Ina und Georg Mohr haben vor ihrer Abreise nach Polen Medikamente im Wert von 1316 Euro und haltbare Lebensmittel gekauft. © Privat

Nachdem die Freiwilligen Feuerwehrleute, Unternehmer Olaf Abendroth und Bürgermeister Benedikt Paulowitsch Hilfsgüter ins ostpolnische Cholm gebracht haben und wieder zurück in Kernen sind, befinden sich derzeit auch Privatpersonen aus Kernen in Polen.

Eine davon ist Ina Mohr, Vorstandsmitglied des Vereins „Nachhaltiges Kernen“. Sie hat kurzerhand eine Aktion gestartet. „Ich bin aktuell auf der Reise an die polnisch-ukrainische Grenze“, schreibt die Kernenerin am Dienstagmorgen unserer Redaktion. „Eine gute Freundin von mir ist am Sonntag mit ihren Eltern aus Charkiw geflohen, wir haben die Flucht tagelang vorbereitet.“

Ina Mohr zufolge handelt es sich dabei um die 42-jährige Aljona und ihre Eltern, beide schätzungsweise 70 Jahre alt. Gemeinsam mit Georg Mohr aus Tübingen, dem Cousin ihres Ex-Mannes, ist Ina Mohr in Polen. Sie haben Spenden zu einem Hilfsnetzwerk gebracht und wollen im weiteren Verlauf ihre Bekannte im polnischen Grenzdorf Medyka abholen.

Medikamente im Wert von 1316 Euro

Um nicht mit leeren Händen an der Grenze anzukommen, so Ina Mohr, habe sie noch am Sonntag in ihrem privaten Umfeld einen Spendenaufruf gestartet, zudem Kontakt mit Udo Rauhut, dem VdK-Vorsitzenden, aufgenommen. Der VdK beteiligte sich unter anderem mit 150 Euro an der Aktion, so Mohr. „Ich bin unendlich dankbar, wie schnell so viele Menschen eingesprungen sind, uns mit Logistik, Kontakten, Recherche und Geld unterstützt haben“, freut sie sich.

Gekauft wurde nur das, was dringend gebraucht wurde. Die Einkaufsliste dazu bekam die Kernenerin von einem privaten Hilfsnetzwerk, mit dem sie in Kontakt stand. Laut Ina Mohr wurden vor der Abreise Medikamente für insgesamt 1316 Euro sowie haltbare Lebensmittel eingekauft. Die Arzneien werden direkt nach Lviv und Ivano-Frankovsk gebracht, und von dort aus nach Kiew und Charkiw, berichtet Mohr unserer Redaktion.

Den Austausch, den Ina Mohr während der Übergabe mit der Ehrenamtlichen Anna hatte, bezeichnet sie als „ein sehr bewegendes Gespräch“. Die junge Mutter, die in einem Büro in Polen arbeite, koordiniere nun in ihrer Freizeit Hilfsangebote, so Ina Mohr. „Wir haben ihr noch einen Schwung unserer eigenen Verpflegung dagelassen und außerdem 200 Euro, womit sie einer 22-jährigen Frau hilft“, schreibt die Kernenerin unserer Redaktion.

„Das Haus ihrer Schwester wurde zerbombt, die Schwester ist gestorben. Die Frau flieht jetzt mit ihrer Nichte, ist aktuell in Kiew und reist weiter nach Lviv, sofern das klappt. Das Hilfsnetzwerk hat lauter solche Familien, denen sie Medikamente, Weiterreise, Geld, Unterkunft und so weiter organisieren.“

Polnische Polizisten und Soldaten an der Grenze

Auch über die Situation vor Ort, in Medyka, berichtet Ina Mohr die Lage. Das direkte Umfeld zur Grenze sei abgeriegelt und nur für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zugänglich, so Mohr. Polnische Polizisten und Soldaten seien im Einsatz und kümmerten sich um einen „möglichst reibungslosen Ablauf“.

Zelte mit Essensausgabe an der Grenze, Berge von Pappkartons mit Spenden

Unmittelbar an der Grenze seien improvisierte Zelte aufgebaut worden, so Mohr, in denen etwa Essen ausgegeben werden. „Berge von Pappkartons mit gespendeten Kleidern liegen einfach auf dem Boden. Wir sehen Menschen, die davor stehen bleiben und nach passenden Stücken wühlen“, beschreibt die Kernenerin die Lage vor Ort. Auch beobachte sie vor Ort zahlreiche Autos mit europäischen Kennzeichen. Viele, die Freunde und Verwandte abholen wollen, vermutet Ina Mohr.

Viele erschöpfte Menschen

Auf dem Weg zum Grenzposten beobachteten sie viele erschöpfte Menschen. „Einigen hat man angemerkt, dass sie nicht wissen, wie es ab hier weitergeht“, findet die Kernenerin.

„Was uns überrascht, ist, dass die Hilfe direkt an der Grenze sehr rudimentär und improvisiert aussieht. So viele selbstorganisierte Helfer/-innen sind hier“, schreibt sie. „Es schneit leicht, ist eiskalt und windig. Wir vermissen die internationalen Hilfsorganisationen mit Technik und großem Team.“ Stattdessen seien viele Privatmenschen vor Ort, die Waren abgeben, etwas kochen oder den Leuten behilflich sind.

Ina Mohr: „Wir sind glücklich, dass es geklappt hat“

Um 17.42 Uhr teilt Ina Mohr unserer Redaktion die erfreuliche Nachricht mit und schreibt: „Wir haben sie gefunden! Sie standen sechs Stunden in der Schlange. Sie sind sehr erschöpft von der Anstrengung. Und müde vom vielen Stehen. Wir sind glücklich, dass es geklappt hat.“

Nachdem die Freiwilligen Feuerwehrleute, Unternehmer Olaf Abendroth und Bürgermeister Benedikt Paulowitsch Hilfsgüter ins ostpolnische Cholm gebracht haben und wieder zurück in Kernen sind, befinden sich derzeit auch Privatpersonen aus Kernen in Polen.

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Eine davon ist Ina Mohr, Vorstandsmitglied des Vereins „Nachhaltiges Kernen“. Sie hat kurzerhand eine Aktion gestartet. „Ich bin aktuell auf der Reise an die polnisch-ukrainische Grenze“, schreibt die Kernenerin am

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