Kernen

Umbau: Aufprallschutz im Kreisverkehr

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Der Kreisverkehr in Rommelshausen darf seinen Findling behalten. © Gemeinde Kernen
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Ein von Bürgermeister Stefan Altenberger eigenmächtig aufgestelltes Schild sorgte 2014 für Diskussionen.

Kernen. Die Kunst im Kreisel muss weg. Diese Anweisung der Verkehrsbehörde war der Ursprung eines jahrelangen Streits in Kernen. „Ich habe keine Lust mehr auf das Thema“, hatte Bürgermeister Altenberger bereits vor vier Jahren geklagt. Ein neuer Aufprallschutz ist nun die Kompromisslösung.

„Anpralldämpfendes Substrat“, so der Fachbegriff, verbirgt sich seit kurzem unter Gras und Blumen auf zwei Kernener Kreisverkehren. Es soll den Aufprall dämpfen, falls ein Fahrer die Kurve nicht kriegt. Auch einige Bäume und ein Mauerstück mussten aus Gründen der Verkehrssicherheit von den Kreiseln am Rommelshausener und Stettener Ortseingang aus Richtung Weinstadt weichen. Außerdem wird die Kunst auf dem Kreisel nun nachts mit Bodenstrahlern beleuchtet, damit auch ja kein Autofahrer auf die Idee kommt, den Weg übers Rondell abzukürzen.

Umbau für 42 000 Euro

Die Verwaltung hat damit die Auflagen des Landratsamtes zur Verkehrssicherheit erfüllt, musste dafür aber tief in die Tasche greifen. Etwa 21 000 Euro kostete der Umbau: 12 000 Euro die Tiefbauarbeiten, weitere 9000 Euro die Beleuchtung. Eine Kompromisslösung, die der Rathaussprecher Bernhard Bühler so kommentiert: „Man kann sich immer noch die Frage stellen, wie sinnvoll das Ganze wirklich war.“

Zwei Kreisel im Visier

Der Hintergrund: Der Streit über die Kreisel-Kunstwerke schwelt bereits seit fünf Jahren. Im Jahr 2012 hatte die Kreisverkehrsbehörde auf Erlass des Landesverkehrsministeriums sämtliche Rondelle im Rems-Murr-Kreis auf ihre Verkehrssicherheit hin überprüft.

Zwei Kernener Kreisel gerieten – obwohl in der Unfallstatistik unauffällig – in diesem „Kreisel-TÜV“ ins Visier: Am Rommelshausener Kreisel störte sich das Landratsamt am Findling in der Mitte, an einigen Bäumen und an Teilen der Natursteinmauer. In Stetten sollten alle Bäume sowie die Weinpresse zugunsten der Sicherheit verschwinden. In ganz Kernen regte sich Widerstand, Fachleute schüttelten den Kopf über die als Schildbürgerstreich empfundene Anordnung des Landratsamtes.

Spontanlösung: Ein Schild

Anfangs sträubte sich auch Stefan Altenberger gegen eine Umgestaltung. „Wenn die Bäume in der Kreiselmitte den Verkehr gefährden, dann müsste jeder, aber auch jeder Baum in der Nähe einer Straße gefällt werden“, regte der Bürgermeister sich damals auf. Kurzerhand ließ er ein provisorisches Schild aufstellen, das Tempo 30 vorschrieb und auf die Gefahren im Kreisel hinweisen sollte. „Achtung! Gefahr durch Bäume im Kreisverkehr“ war darauf zu lesen. Das Schild sorgte für Diskussionen – und musste wieder abgebaut werden.

Und weil das Landratsamt beharrlich blieb und eine „Radikallösung“ androhte, fügte der Schultes sich einige Zeit später in sein Schicksal und flehte („Ich bitte Sie inbrünstig, dem zuzustimmen. Sie sehen doch unser Bemühen.“) im Gemeinderat um Unterstützung – die ihm die Mehrzahl der Räte allerdings weiterhin verweigerte.

Vor zwei Jahren schließlich handelte der Bürgermeister jenen Kompromiss mit dem Landratsamt aus, der nun umgesetzt worden ist. Im Rathaus herrscht Erleichterung darüber, dass „die Sache jetzt endlich erledigt ist“, wie Pressesprecher Bühler es ausdrückt. Mehr sei dazu eigentlich nicht mehr zu sagen.

Nur ein einziger Unfall

Im gesamten Rems-Murr-Kreis wurden 17 von 26 überprüften Kreisverkehren als nicht verkehrssicher eingestuft. Geprüft wurden nur die Kreisverkehre auf freier Strecke und an Ortsein- und ausgängen, innerörtliche Kreisel waren ausgenommen.

Nur in einem einzigen Unfall an den zwei strittigen Kernener Rondellen spielte die Innenfläche des Kreisverkehrs eine Rolle: Im August 2013 war ein 44-Jähriger zu schnell hineingefahren, über den Rand der Verkehrsinsel geschanzt und 20 Meter weiter von der Straße abgekommen. Dort war der Mann gegen einen Baum gefahren. Er blieb unverletzt und beging Unfallflucht – konnte aber später gefasst werden.

Bei allen anderen Unfällen in den Kreisverkehren hatte ein Verkehrsteilnehmer einem anderen die Vorfahrt genommen.