Kernen

Ungewissheit in Stetten: Was wird aus dem Sängerheim?

Sängerheim
Idyllisch im Grünen liegt das Sängerheim über Stetten. Doch die Zukunft des Gasthauses steht in den Sternen. © Alexandra Palmizi

Jetzt ist offiziell, was sich längst abgezeichnet hat: Der Gesangverein Frohsinn Stetten wird das Sängerheim am Waldrand nicht mehr sanieren. Und zwar trotz der hohen Zuschüsse, die der Gemeinderat dem Verein vor zwei Jahren in Aussicht gestellt hat. Sänger-Chef Roger Wenz sagt, der Verein sei nicht in der Lage, das Projekt zu stemmen. Der Erbbaupachtvertrag mit der Gemeinde wird nicht verlängert, er läuft Ende 2021 aus. Was aus dem idyllisch gelegenen Gasthaus nun werden soll, das der Frohsinn an den Gastronomen Markus Knauer weiterverpachtet hat, steht in den Sternen. Der Wirt des Weinbergtreffs schaut sich bereits nach Alternativen um.

Vor der Gartenschau wurde das Sängerheim zum Politikum

Was ist in der Vergangenheit nicht gestritten worden um das Sängerheim hoch über Stetten, das einen so herrlichen Blick ins Remstal erlaubt! Ex-Bürgermeister Stefan Altenberger hatte 2018, im Jahr vor der Remstal-Gartenschau, Pläne zur Sanierung des Gebäudes durchgesetzt – und zwar gegen scharfe Kritik aus dem Kernener Gemeinderat. Zwischenzeitlich lösten die geplanten hohen Zuschüsse für den Gesangverein Frohsinn sogar eine kleine kommunalpolitische Krise in Kernen aus. Doch so hoch die Wellen damals schlugen, so still wurde es bald um die Pläne fürs Sängerheim, das Altenberger eigentlich als zentralen Baustein für die Gartenschau vorgesehen hatte.

Daraus wurde nichts. Kernen feierte 2019 zwar so ausgiebig wie kaum eine andere Gemeinde im Remstal, im Sängerheim war aber weder die Pergola für 110 000 Euro instand gesetzt, noch das Hauptgebäude für 12 000 Euro saniert worden. Das angekündigte Grüne Klassenzimmer fand anderswo statt. Folgerichtig bekam der Weinbergtreff Knauer auch keine Miete für die Nutzung der Pergola von der Gemeinde überwiesen. Doch auch die 300 Euro monatlich dafür, dass die Besucher der unweit gelegenen Kugelbahn die Toilette benutzen durften, blieben aus. Kurz: Die Pläne, um die so heftig gestritten worden war, blieben unberührt in der Schublade liegen. Warum eigentlich?

Der Frohsinn-Vorsitzende Roger Wenz sagt unserer Zeitung, er habe dem ehemaligen Bürgermeister schon im Frühjahr 2019, also vor dem Start der Gartenschau mitgeteilt, dass er seinem Verein das Großprojekt doch nicht zutraue – trotz der in Aussicht gestellten fast 60 000 Euro Zuschuss und einer Ausfallbürgschaft für den Rest der Kosten. „Ich habe gemerkt: Das können wir nicht machen, das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wir können überhaupt nicht absehen, was auf uns zukommt“, sagt Wenz. Das hänge auch mit der Altersstruktur des Vereins zusammen, der rund 110 Mitglieder hat. Altenberger habe sich zunächst über den Rückzieher geärgert, sich dann aber verständnisvoll gezeigt. Die Gartenschau ging also ohne den zentralen Baustein Sängerheim über die Bühne. Verabredet worden war, dass sich Altenberger und Wenz danach wieder zusammensetzen würden. Doch der langjährige Bürgermeister wurde bereits vor der Abschlussveranstaltung überraschend abgewählt.

Das Grundstück fällt wohl an die Gemeinde zurück

Mit Altenbergers Nachfolger Benedikt Paulowitsch hat sich Roger Wenz dann erstmals im Dezember über die Zukunft des Sängerheims unterhalten. Er signalisierte, dass der Frohsinn nicht beabsichtige, den Erbbaupachtvertrag zu verlängern.

Das Grundstück, auf dem das Sängerheim steht, wird also aller Voraussicht nach an die Gemeinde zurückfallen. Diese müsste dann dem Gesangverein eine Entschädigung zahlen „für die vorhandenen Bauwerke und Anlagen“ – „wenn die Gebäude und Anlagen von der Eigentümerin wirtschaftlich verwertet werden können“, wie es in einer aktuellen Gemeinderatsvorlage heißt. Der Gesangverein möchte laut Wenz vor allem größere Investitionen wie Wasser- und Telefonleitungen geltend machen.

Zunächst wird aber die Gemeinde die rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen des auslaufenden Erbbaupachtvertrags prüfen. Dem hat der Gemeinderat am Donnerstag in öffentlicher Sitzung geschlossen zugestimmt (und im selben Zug die Sanierungsbeschlüsse aus der Zeit vor der Gartenschau aufgehoben). „Falls keine Verwertungsmöglichkeit besteht“, habe der Gesangverein „die Pflicht, die Bauwerke und Anlagen innerhalb von zwei Jahren zu entfernen“, heißt es in der Vorlage. Das ist allerdings kein realistisches Szenario.

Vielmehr strebt Bürgermeister Benedikt Paulowitsch eine „Neukonzeption“ für das Sängerheim an. Über konkrete Pläne möchte er aber noch nicht sprechen. Dafür sei es zu früh, sagt Paulowitsch. Erst einmal müsse geklärt werden, welche bautechnischen und baurechtlichen Voraussetzungen dort oben bestehen. Dass unter anderem das Dach der Pergola, die Fenster und die Elektrik einer Erneuerung bedürfen, steht ja bereits fest. Wie aber zu hören ist, könnte vor allem das Baurecht allzu ambitionierten Plänen einen Strich durch die Rechnung machen – schließlich steht das Gebäude nah am Waldrand mitten in der Natur.

Weinbergtreff-Wirt Markus Knauer: „Wir schweben in der Luft“

Das macht natürlich auch den Charme des Gasthauses aus, in dem Markus Knauer 2009 seinen „Weinbergtreff Knauer“ eröffnet hat. Dass der Pachtvertrag mit dem Frohsinn in eineinhalb Jahren ausläuft, sorgt für große Ungewissheit beim 54-Jährigen. „Wir schweben in der Luft. Wie lange sollen wir warten? Eineinhalb Jahre sind ratzfatz vorbei“, sagt Knauer unserer Zeitung. Er schaue sich bereits nach einem neuen Lokal um, schließlich könne er noch nicht in Rente gehen. Allerdings gefalle es ihm „hier oben“, betont der Wirt: „Wir sind auf jeden Fall gesprächsbereit.“

Jetzt ist offiziell, was sich längst abgezeichnet hat: Der Gesangverein Frohsinn Stetten wird das Sängerheim am Waldrand nicht mehr sanieren. Und zwar trotz der hohen Zuschüsse, die der Gemeinderat dem Verein vor zwei Jahren in Aussicht gestellt hat. Sänger-Chef Roger Wenz sagt, der Verein sei nicht in der Lage, das Projekt zu stemmen. Der Erbbaupachtvertrag mit der Gemeinde wird nicht verlängert, er läuft Ende 2021 aus. Was aus dem idyllisch gelegenen Gasthaus nun werden soll, das der

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