Kernen

"Unverbesserlicher Optimist": Axel Döhring (OGL) ist neu im Gemeinderat Kernen

Axel Döhring
Axel Döhring (60) will als OGL-Gemeinderat etwas bewegen. © Gabriel Habermann

In der Sitzung des Gemeinderats Ende September ist Axel Döhring als neues Mitglied der OGL-Fraktion im Gremium vereidigt worden. Sein Vorgänger Jeffrey Brencher, der eigentlich erst im Frühjahr 2021 in den Gemeinderat eingezogen ist, schied schon im Juli aus.

Er ist seit kurzem einer von drei Klimaschutzbeauftragten in der interkommunalen Geschäftsstelle Klimaschutz für Remshalden, Winterbach und Kernen – und darf damit als Mitarbeiter der Kommune nicht mehr die Bürgerschaft vertreten.

Sehr aktiv in verschiedenen Vereinen in Stetten

Axel Döhring rückt nun nach. Der 60-Jährige aus Stetten steht eigentlich schon seit etwa 2004 auf der Offenen Grünen Liste (OGL). In die Lokalpolitik habe er vor allem über die Diskussion um das Stettener Bädle gefunden, erzählt Döhring. Hier war er zunächst ein Verfechter der Naturbad-Idee, dann Gründungsmitglied und viele Jahre lang im Verein aktiv - unter anderem in der Funktion des Schlichters.

Auch sonst haben ehrenamtliches Engagement und besonders die Vereine einen sehr hohen Stellenwert im Leben des 60-Jährigen: „Vereine sozialisieren unsere Kinder“, ist er überzeugt und ist deshalb in mehreren Vereinen selbst aktiv. So kennt man den ambitionierten Tischtennisspieler zum Beispiel vom TV Stetten, seine musikalische Ader lebt er als erster Vorstand beim Handharmonika-Orchester Stetten (HHO) aus.

„Die höchste Ehre, die ein Badener im Schwabenland erfahren kann“, scherzt Axel Döhring über die Vorstandschaft. Er stammt nämlich ursprünglich aus Offenburg, ist aber schon Anfang, der 90er Jahre mit seiner Familie nach Stetten umgezogen, wo er bis heute mit seiner Frau lebt. Die erwachsenen Söhne sind mittlerweile ausgezogen.

Er bringt diplomatische Erfahrungswerte aus seinem Berufsumfeld mit

Doch welche Qualitäten und welche Motivation bringt der 60-Jährige ins Kernener Gremium mit? Zum einen viel sachliches Verständnis für die Rolle des Bürgermeisters im Gemeinderat, so Döhring. Denn beruflich ist der Stettener als Personalchef für den Bereich Deutschland und Schweiz bei einem großen amerikanischen Kommunikationsunternehmen tätig.

Wenn er hier irgendeine Entscheidung zu treffen habe, müsse das erst durch den Betriebsrat - ein Gremium, das in etwa so die Angestellten vertrete wie der Gemeinderat die Bürgerschaft. Als Personalchef habe er schon verschiedene Unternehmen, Betriebsräte und auch verfahrene Situationen miterlebt und dabei durchaus diplomatisches Geschick bewiesen. „Ich bin ein Mensch, der nicht schwarz-weiß denkt.“

Axel Döhring freut sich auf angeregten Meinungsaustausch

Außerdem sei er ein „unverbesserlicher Optimist“. Er mag Kompromisse, gibt nicht schnell auf. Gegenseitiger Respekt und Rücksicht aufeinander seien ihm sehr wichtig. Diese „Gabe“ zur Verständigung möchte er jetzt auch in den Gemeinderat einbringen.

Fraktionen sind ihm dabei eigentlich gar nicht so wichtig, Parteimitglied bei den Grünen ist er nicht: „Ich hätte im Prinzip auch zur SPD gehen können.“ Bei den Sitzungen hofft er auf einen regen, fraktionsübergreifenden Meinungsaustausch: „Gemeinderäte sollen ein Querschnitt der Gemeinde abbilden“, findet Axel Döhring. Das heißt für ihn auch, dass es innerhalb der Fraktionen ganz verschiedene Meinungen geben darf und soll. Hier solle nicht eine Fraktion geschlossen ein bestimmtes Dogma durchsetzen.

Er ist kein Grüner, fährt aber E-Auto

Die Entscheidung für die OGL hänge mit seinem „grundgrünen Verständnis“ zusammen: So fährt er ein E-Auto und einen E-Motorroller, tankt bewusst Ökostrom: „Da bin ich Überzeugungstäter.“ Auch die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt er gerne und oft und möchte sich als Gemeinderat für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs einsetzen. Trotzdem glaube er nicht daran, dass E-Autos die alleinige Lösung seien. Und als leidenschaftlicher Motorradfahrer geht es für ihn nicht ganz ohne Verbrennungsmotor.

Als OGL-Gemeinderat möchte er sich natürlich auch für die Vereine und mögliche Vereinsförderung durch die Kommune einsetzen. „Auch wenn ich da natürlich etwas befangen bin“, räumt der 60-Jährige ein.

Die Hangweide als verlockendes Projekt

Im Moment arbeitet er sich noch in die verschiedenen Themen ein, mit denen sich der Gemeinderat in den kommenden Sitzungen befassen wird. Ein Thema sticht dabei allerdings heraus: die Hangweide.

Die Entwicklung des neuen Quartiers zwischen Rommelshausen und Stetten interessiert Axel Döhring brennend. Weil es so viele verschiedene Themenfelder gibt, die damit zusammenhängen: Sei es die Mobilität, der ökologische Gedanke oder auch das Thema Wohnen im Alter, das den neuen Gemeinderat ebenfalls sehr interessiert.

Im Zusammenhang mit der Hangweide möchte er sich außerdem dafür einsetzen, dass es in Kernen ein Fernwärme-Netz gibt. „Weil es ökologisch extrem wichtig ist“, sagt der 60-Jährige.

Wäre Car-Sharing in Stetten sinnvoll?

Ein kurzfristigeres Projekt könnte es für ihn sein, ein Car-Sharing-Modell für Stetten anzustoßen: Mit zwei Parkplätzen am Rewe und einigen Parkplätzen am S-Bahnhof Stetten-Beinstein und zwei bis vier elektrischen Fahrzeugen könne so im Ort für Bahn-Pendler eine funktionierende Alternative zum eigenen Pkw geschaffen werden, glaubt er.

Zumal die Bahnen ja immer zu bestimmten Zeiten abfahren und ankommen - so könnten spontan Fahrgemeinschaften gebildet werden.

In der Sitzung des Gemeinderats Ende September ist Axel Döhring als neues Mitglied der OGL-Fraktion im Gremium vereidigt worden. Sein Vorgänger Jeffrey Brencher, der eigentlich erst im Frühjahr 2021 in den Gemeinderat eingezogen ist, schied schon im Juli aus.

Er ist seit kurzem einer von drei Klimaschutzbeauftragten in der interkommunalen Geschäftsstelle Klimaschutz für Remshalden, Winterbach und Kernen – und darf damit als Mitarbeiter der Kommune nicht mehr die Bürgerschaft

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