Kernen

Verwilderte Streuobst-Wiesen: So geht die IG Streuobst gegen Verwahrlosung vor

ungepflegte Streuobstwiese
Die Vorstandsmitglieder Roland Mannschreck (links) und Karl-Heinz Schmid (rechts) auf einer der wenigen Streuobstwiesen, die noch verwildert sind. © Benjamin Büttner

Ein Dickicht aus jungen Bäumen und Büschen, hochgewachsenes und verdorrtes Gras – diese Wiese hat schon lange keinen Mäher mehr gesehen. Um hier wieder Ordnung zu schaffen, wäre auch deutlich mehr Aufwand und Werkzeug nötig: Immerhin haben die Brombeerranken das Grundstück längst für sich erobert und verwehren den Zutritt. Das verwilderte Stückle wirkt wie ein Biotop. Nur einige knorrige Äste der wenigen verbliebenen Obstbäume erinnern daran, dass es sich hier einmal um eine gepflegte Streuobstwiese gehandelt hat.

Darum, dass die Zahl der so verwilderten Wiesen auf Kernener Gemarkung immer weiter zurückgeht, kümmert sich seit über zwölf Jahren die Interessengemeinschaft Streuobstwiese (IG Streuobst). „Wir arbeiten sehr eng mit der Verwaltung und dem Gemeinderat zusammen“, erklärt Karl-Heinz Schmid, einer der drei Vorstände des Vereins. Immerhin hat sich die IG ja damals auf ausdrücklichen Wunsch der Gemeinde hin gegründet: Es sollte endlich eine Anlaufstelle speziell für Anliegen rund um die Obstwiesen geben.

Die Besitzer zu finden, ist oft nicht einfach

Zentrale Fragen waren damals, wie die Pflege der Wiesen gesichert werden kann, wie Grundstücksbesitzer an neue Bäume kommen können und wie zu verfahren ist, wenn eine Streuobstwiese zunehmend verkommt. Mit diesen Themen beschäftigt sich der Verein auch heute noch. Zusammen mit der Gemeinde ist es ihm inzwischen gelungen, zu den meisten der Wiesenbesitzer Kontakt aufzunehmen.

„Das ist oft alles andere als einfach“, sagt Karl-Heinz Schmid. Der ursprüngliche Besitzer ist vielleicht verstorben, dann gehen die Wiesen oft in den Besitz von jemandem über, der sehr weit weg wohnt – oder gehören Erbgemeinschaften, bei denen sich nicht immer jemand zuständig fühlt. „Und die Erben sind sich eben auch nicht immer ganz grün“, berichtet Schmid.

Mehr als 450 Streuobstwiesen gibt es in Kernen

Inzwischen ist es gelungen, alle Eigentümer der rund 450 Streuobstwiesen in den reinen Streuobst-Gebieten in Kernen ausfindig zu machen. „Jeder Besitzer ist inzwischen von uns angeschrieben worden“, sagt Roland Mannschreck. Er ist als ausgebildeter Fachwart für Obst- und Gartenbau vor allem für die praktischen Aspekte zuständig und ebenfalls im Vorstand der IG.

Natürlich kümmert sich nicht jeder sofort um eine vorher verwilderte Streuobstwiese, nur weil er Post bekommen hat. Aber eine deutliche Verbesserung sei dennoch sichtbar geworden. „Wir fragen da einfach immer wieder nach“, sagt Roland Mannschreck. Damit der Verein die Eigentümer aber überhaupt anschreiben kann, muss zunächst die Verwaltung tätig werden. „Aus Datenschutzgründen darf die Gemeinde uns natürlich nicht einfach die Kontaktdaten der Besitzer herausgeben“, erklärt Roland Mannschreck.

2014 wurde deshalb im Ordnungsamt eine Projektstelle geschaffen, die sich gezielt mit dem Thema Streuobstwiesen beschäftigt. Die Mitarbeiterin versuche, Grundstücksbesitzer zu Pflegemaßnahmen zu motivieren, so die Verwaltung. „Ebenso unterstützt sie bei Vermittlungstätigkeiten und Hilfestellungen bei diversen Anliegen wie beispielsweise Verpachtung und Verkauf.“ Letztlich bleibe es jedoch immer Sache des Besitzers, ob er die Ratschläge annimmt und umsetzt oder nicht.

Bis es eine Lösung gibt, dauert es oft lange

Die IG Streuobst nimmt den Besitzern zwar auch nicht die Arbeit ab, steht ihnen aber bei Bedarf vermittelnd zur Seite, bis für die Wiese eine Lösung gefunden ist. „Das kann manchmal zwei oder drei Jahre dauern, bis sich da eine Lösung findet“, sagt Karl-Heinz Schmid.

Dafür sei eine solche Lösung dann auch meistens nachhaltig. Außerdem bietet der Verein seinen Mitgliedern Unterstützung beim Mähen der Wiesen (vorgeschrieben sind zweimal im Jahr), verleiht Equipment und bietet regelmäßig Schnittkurse an.

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Mit ihren Projekten will die IG Begeisterung für das Hobby Streuobst-Wiese schüren. Und es scheint zu funktionieren: Aus 35 Gründungsmitgliedern sind mittlerweile 140 Mitglieder geworden. Jedes Jahr kommen mehr hinzu. „Da sind auch viele Jüngere dabei“, sagt Roland Mannschreck. Für einen Verein ist das eine sehr gute Bilanz. „Bei uns bekommt man auch was für sein Geld“, sagt Karl-Heinz Schmid.

Ein Dickicht aus jungen Bäumen und Büschen, hochgewachsenes und verdorrtes Gras – diese Wiese hat schon lange keinen Mäher mehr gesehen. Um hier wieder Ordnung zu schaffen, wäre auch deutlich mehr Aufwand und Werkzeug nötig: Immerhin haben die Brombeerranken das Grundstück längst für sich erobert und verwehren den Zutritt. Das verwilderte Stückle wirkt wie ein Biotop. Nur einige knorrige Äste der wenigen verbliebenen Obstbäume erinnern daran, dass es sich hier einmal um eine gepflegte

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