Kernen

Vom Flüchtlingskind zum Stettener Urgestein: Franz Wari

WariEhrung
Der in Ungarn geborene Franz Wari wohnt seit 74 Jahren mit seiner Familie in Stetten. © Gaby Schneider

Er ist Vater des Stettener Kleinods Eichensee, ehemaliger Gemeinderat, Jagdpächter und Heimatvertriebener – die Rede ist vom 83-jährigen Stettener Urgestein Franz Wari. „Ich bin 1937 in Üröm bei Budapest geboren“, sagt er. Der Familienname habe sich dort geändert. „Mein Vater ist eigentlich als Wagensommer geboren. Als er in den Militärdienst musste, musste er einen ungarischen Namen annehmen“, berichtet Franz Wari. So sei aus Wagensommer zunächst Vari und folglich Wari geworden. In Deutschland ließ der Vater wegen der Aussprache den Namen anpassen, aus dem „V“ wurde ein „W“. Weil sie aus Ungarn vertrieben wurde, flüchtete die Familie im Jahr 1946 nach Deutschland. Sie kam zunächst nach Waiblingen und wurde dann in Stetten einquartiert.

„Wenn ich jemanden Ungarisch sprechen höre, dann gehe ich hin“

„Hier wurde ich in die dritte Klasse gesteckt“, sagt er. „Ich hab’s gut gepackt.“ Es gab schließlich keine Sprachbarriere für den damals Neunjährigen. „Zu Hause haben wir Deutsch gesprochen“, sagt er. Ungarisch lernte er lediglich in der Schule vor ihrer Flucht. „Wenn ich jemanden Ungarisch sprechen höre, dann gehe ich hin und grüße auf Ungarisch“, erzählt er. Er legt Wert darauf, seine Sprachkenntnisse stets zu pflegen.

Im HHO lernte er seine zukünftige Frau kennen

Bereits als kleiner Junge fühlte sich Franz Wari in Stetten wohl. Er lebte sich dort ein und engagierte sich in fast jedem Bereich. Als Jugendlicher spielte er im Stettener Musikverein Trompete. Darüber hinaus war er auch im Handharmonika-Orchester (HHO) Stetten aktiv. Das war auch der Ort, wo er seine zukünftige Frau Edeltraut näher kennenlernte. Sie spielte Ziehharmonika, er beherrschte die Mundharmonika. Nicht nur durch das HHO kannten sich die beiden, sondern aus der Schule und dem katholischen Gemeindegottesdienst, wo er als Ministrant diente.

"Ich habe mich sozial sehr engagiert"

Aktiv war Franz Wari nicht nur in der Kirche. „Ich habe mich sozial sehr engagiert“, sagt er. Das habe schließlich auch dazu geführt, dass er sich schnell vernetzte und in der Gemeinde bekannt wurde. Nach seinem Engagement im Kirchengemeinderat in den 60er Jahren folgte 1968 der Einzug in den Stettener Gemeinderat, als die Ortsteile noch nicht zusammengehörten.

„Dann kam im Jahr 1972 die Partnerschaft mit St. Pierre“, erinnert er sich. „Bürgermeister Werner Jäkle konnte selber Französisch sprechen, aber man hat einen Ersten Vorsitzenden gebraucht“, sagt er, weshalb Wari dieses Amt des Vorsitzenden übernahm. Rückblickend sagt der Stettener: „Das war eine schöne Sache.“

Waris sind für ein selbstständiges Stetten

Als drei Jahre später die beiden Ortsteile zur Gemeinde Kernen zusammenwachsen sollten, waren die Waris dagegen und plädierten für ein selbstständiges Stetten. Auch Edeltraut Wari kann sich genau daran erinnern: „Wir haben als ganze Familie demonstriert.“ Wie haben die Waris denn auf den Zusammenschluss im Jahr 1975 reagiert? „Als es dann so weit war, war man damit einverstanden“, sagt der 83-Jährige.

Eine Änderung brachte der Zusammenschluss für Wari doch mit sich. „Nach der Gemeindereform wurde ich abgewählt“, sagt er. Aber langweilig wurde es für den Stuckateurmeister nicht. Als Jagdpächter war er unter anderem damit beschäftigt, viele Jahre Kindergruppen und Schulklassen unter dem Aspekt „Waldpädagogik“ durch den Forst zu führen. Er vermittelte ihnen Wissen über Fauna und Flora. Diese Aufgabe hat nun sein jüngerer Sohn übernommen, der Forstwirtschaftsmeister ist.

Seit 1973 die Idee gehabt, einen See anzulegen

Franz Wari hatte bereits im Jahr 1973 die Idee, einen See anzulegen. Mit der Unterstützung der Gemeinde konnte er sein Projekt, den Eichensee, auch als „Wari-See“ bekannt, im Jahr 1985 realisieren. Zwar sei es ein langwieriger Prozess gewesen, aber rückblickend sagt er: „Der See wurde sehr gut angenommen.“

Für den Ehrenamtspreis der Bürgerstiftung Kernen, den der Stettener 2017 erhielt, war nicht ausschließlich der See verantwortlich. Diese Auszeichnung erhielt er zusammenfassend für sein gesamtes Engagement. Auch saß Franz Wari 13 Jahre lang als Schöffe im Waiblinger Amtsgericht. „Ich weiß gar nicht, wer mich vorgeschlagen hat“, sagt er.

Wie hat der Vater von fünf Kindern Familie, Beruf und Ehrenamt unter einen Hut gebracht? Schließlich führte der Handwerksmeister und Stuckateur zusammen mit seiner Frau, die die Büroarbeit übernahm, in Stetten fast fünfzig Jahre lang ein eigenes Geschäft. Das Erfolgsrezept lautet laut Wari, dass sie viele gemeinsame Interessen teilten und in vielen Bereichen immer gemeinsam unterwegs waren.

Wie lief die Arbeit als Selbstständiger?

Wie lief das eigene Geschäft, das er im Anschluss an seine Meisterprüfung gründete? „Der erste Auftrag hat gut geklappt, dann ging es so weiter, dass wir irgendwann 15 Mitarbeiter hatten“, sagt er. Wichtig sei für den Chef gewesen: „Mein Bestreben war, dass ich immer mit dabei bin.“ Und fügt hinzu: „Das war unser Erfolg.“

Als er nach 50 Jahren das Geschäft aufgeben wollte, habe sich sein Mitarbeiter bereiterklärt, das Unternehmen zu übernehmen. Sein Nachfolger, der ebenfalls als Flüchtling nach Deutschland kam, arbeitete seit mehreren Jahren bei den Waris. Auch setzte sich Wari schon in früheren Zeiten für seinen Mitarbeiter, einen Kosovaren, ein. Als dieser eines Tages nach Kosovo abgeschoben werden sollte und von der Polizei abgeholt wurde, wollte Franz Wari das nicht zulassen. „Ich fuhr nach Ludwigsburg zu der Behörde, die für die Abschiebeangelegenheiten zuständig war“, sagt er. „Ihr müsst die abschieben, die nicht arbeiten“, habe er dort gesagt. „Ich brauche meinen Mitarbeiter", habe er gesagt, bevor er mit seinem Mitarbeiter das Büro verließ. Franz Wari hat nicht zulassen können, dass ein Mensch, der integrationswillig ist und sich engagiert, abgeschoben wird. Noch heute führt der Nachfolger das Geschäft.

Uropa geworden

Währenddessen verbringt Franz Wari als Opa von elf Enkelkindern seine freie Zeit. Vor fünf Wochen gab es noch mal Nachwuchs in der Familie. „Ich bin Uropa geworden.“

Er ist Vater des Stettener Kleinods Eichensee, ehemaliger Gemeinderat, Jagdpächter und Heimatvertriebener – die Rede ist vom 83-jährigen Stettener Urgestein Franz Wari. „Ich bin 1937 in Üröm bei Budapest geboren“, sagt er. Der Familienname habe sich dort geändert. „Mein Vater ist eigentlich als Wagensommer geboren. Als er in den Militärdienst musste, musste er einen ungarischen Namen annehmen“, berichtet Franz Wari. So sei aus Wagensommer zunächst Vari und folglich Wari geworden. In

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper