Kernen

Warten aufs Stettener Lärm-Display

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Motorräder und hochmotorisierte Pkw erzeugen den Krach an der Ortsausfahrt. © Schechinger

Kernen-Stetten. Die Entscheidung über den Kauf eines 13 000 Euro teuren Lärmmessung-Displays, das Raser an der Stettener Ortsausfahrt disziplinieren soll, ist im Rathaus noch nicht getroffen. Ordnungsamtschefin Marianne Rapp sagte gestern, es laufe noch eine Anfrage beim Landeslärmschutzbeauftragten Thomas Marwein. Der Gemeinderat müsse dann entscheiden. Denkbar sei auch eine interkommunale Anlage oder eine, die der Landkreis beschafft und verleiht.

Derzeit stehen landesweit nur drei Lärmmessung-Displays zur Verfügung. Eines davon steht seit einem Jahr in Schnait. An der Schurwaldauffahrt ist das Gerät mit relativem Erfolg im Einsatz, bewirkte es doch in der Spitze 27 Prozent weniger Lärm. Für drei Jahre bleibt das Lärmmessung-Display in Schnait installiert. Es fordert mit Signalen wie Lächeln bzw. Grimasse Motorradfahrer wie Autofahrer dazu auf, die Fahrgeschwindigkeit zu drosseln und damit auch die mit hoher Fahrtgeschwindigkeit einhergehende Lärmemission. Bei einem Vororttermin in der Stettener Esslinger Straße im Juli, der frustrierten Anwohnern die Gelegenheit bot, beim Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung Thomas Marwein, MdL Jochen Haußmann und Bürgermeister Stefan Altenberger den Kropf zu leeren, wurde das Lärmpegel-Display als derzeit einziges praktikables Instrument der Geschwindkeitsreduzierung ins Gespräch gebracht. Jedoch sind die Displays an drei Standorten in Baden-Württemberg längerfristig gebunden. Und den lärmgeplagten Stettenern ist ein Grimassenmännchen eh zu wenig.

Wunsch nach Tempolimit

Der von den Anliegern vorgetragenen Wunsch eines Tempolimits bei 70 km/h lässt sich aus Sicht des Landratsamts nicht umsetzen. Bei der Ortsausfahrt hoch zum Katzenkopf handele es sich nach Angaben der Polizeidirektion Aalen um keinen Unfallschwerpunkt. Innerhalb von zwei Jahren passierten laut Andreas Dill von der Kreisverkehrsbehörde auf dem Streckenabschnitt zwischen Rommelshausen und Kreisgrenze gerade mal zwei Unfälle mit Motorrädern. Bei einer zweiwöchigen Messung lag zudem die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 70 bzw. 72 km/h. Daraus lasse sich nun wirklich nicht schlussfolgern, „dass jeder hier über 100 fährt“, so Andreas Dill vom Landratsamt. Der subjektive Eindruck täusche oft eine Lärmkulisse vor, die von den Messungen nicht bestätigt würden. Schultes Altenberger, selbst Lärm-Betroffener, pflichtete Andreas Dill bei: „99 Prozent der Autofahrer fahren normal, nur das eine Prozent beschleunigt extrem.“ Maximal 100 km/h sind außerorts zulässig.

Auch eine interkommunale Anschaffung ist denkbar

Da das Land ein viertes Lärmmessung-Display, das Kernen leihen könnte, nicht vorhält, zieht Altenberger in Betracht, das 13 000 Euro teure Gerät selber zu kaufen, sollte der Gemeinderat dem zustimmen. Das Display könnte anderen Gemeinden kostenpflichtig ausgeliehen werden. Marianne Rapp, zuständige Kernener Ordnungsamtsleiterin, sagte gestern, sie habe dazu eine Anfrage an den Landeslärmschutzbeauftragten Thomas Marwein gerichtet. Der Gemeinderat habe das letzte Wort. Denkbar sei auch, dass Kernen den Apparat zusammen mit anderen Kommunen beschafft. Eine weitere Option wäre, dass der Rems-Murr-Kreis ein Lärm-Messdisplay erwirbt, um es an Kommunen zu verleihen.

"weil es Spaß macht"

Ein Stettener appellierte bei obigem Ortstermin ans Landratsamt: „Schreiben sie bis zur Kurve 70 km/h vor. Dann ist der Spaß vorbei.“ Eine Anspielung auf Thomas Marweins Feststellung, dass die Lärmproblematik heutzutage land auf land ab überall dieselbe sei: Das Motorrad als attraktives Freizeitvehikel werde genutzt, weil es Spaß macht. Dill, der Experte des Landratsamts, der keine rechtliche Handhabe für ein Tempolimit sieht, hielte es auch nicht für gerichtsfest. Ein Rechtsanwalt, der in einem anderen Fall bei einer Tempoüberschreitung geblitzt worden war, prüfte die dortige Regelung nach der Straßenverkehrsordnung und boxte per Klage vor Gericht ihre Aufhebung durch.

Bisher, so Marianne Rapp, sei in Stetten der Lärm noch nicht gemessen worden.


Für den Stettener Udo Troester ist das Lärmproblem an der Ortsausfahrt längst eine „unendliche Geschichte“, die Bücher füllen könnte. Im Mai hatte er für ein Gespräch mit Schultes Altenberger folgende Anregungen präsentiert: Tempo 30 ortsein- und ortsauswärts bereits ab der Ortstafel. Dann eine Tempo-50-Zone in beiden Fahrtrichtungen bis zum Wanderparkplatz, wo es eine gefährliche Einmündung in die Landesstraße vom neuen Friedhof her gibt. Ferner empfiehlt Udo Troester eine Bodenwelle vor dem Baumtor mit einem Warnhinweis zwischen Baumtor und Ortsschild. Als sichere Einnahmequelle sieht er eine stationäre Radarkontrolle, die auf dem Baumtor platziert werden und in beide Richtungen orientiert sein müsste.

Troester vermutet, dass der Lkw-Verkehr, insbesondere ortsfremde Fahrzeuge, durchs Navi auf diese einzige Schurwaldüberquerung geleitet werden.