Kernen

Warum nicht in der Ex-Kreissparkasse?

Postagentur im REWE in Stetten
Zieht die Post wieder in den Rewe-Markt? Dort war sie Anfang der 2000er Jahre schon einmal beheimatet. © ZVW/Gabriel Habermann

Kernen.
Die Verwaltung plant, die seit Monaten fehlende Stettener Postfiliale noch in diesem Jahr in einem Container-Bau auf dem Parkplatz beim Sportplatz unterzubringen. Die Übergangslösung, die Bürgermeister Stefan Altenberger vergangene Woche im Gemeinderat präsentierte – um den Menschen rasch wieder eine Anlaufstelle für Postleistungen zu bieten und um Zeit dafür zu gewinnen, eine langfristige Lösung zu finden – hat die Diskussionen in Stetten aber noch nicht beendet.

Das „Postamt in Containern“ sei „immer noch besser als gar keine Post“

Sowohl Michael Burger für die Offene Grüne Liste, als auch Ebbe Kögel für das Parteifreie Bündnis haben sich nun an unsere Zeitung gewandt – sie bemängeln, dass die ehemalige Kreissparkassenfiliale an der Klosterstraße als langfristige Option nicht von der Verwaltung berücksichtigt wird – anders als der Rewe-Markt (nach Erweiterung) oder ein Gebäude an der Kirchstraße/ Ecke Steigstraße. Bürgermeister Altenberger hält dagegen, dass die Ergebnisse einer Bürgerbeteiligung und ein Gemeinderatsbeschluss Gastronomie in der ehemaligen Kreissparkasse befürworten.

OGL-Mann Burger schreibt in einer Pressemitteilung, das „Postamt in Containern“ sei „immer noch besser als gar keine Post.“ Er verstehe aber nicht, warum die naheliegende Lösung nicht verfolgt werde: „die Post in den leerstehenden Räumen der ehemaligen Kreissparkasse unterzubringen. Bei den Optionen, die das Rathaus nennt, taucht diese Idee gar nicht auf, obwohl sie von verschiedenen Seiten wiederholt ins Spiel gebracht worden ist.“

„Europaweites Modellprojekt“

Zuvorderst vom Parteifreien Bündnis, dessen Gründer Ebbe Kögel seit Jahren von einem vielseitig genutzten Dorfbüro an der Klosterstraße träumt, in dem neben der Postfiliale auch der Geldautomat der Kreissparkasse untergebracht werden könnte. Kögel schreibt: „Ob das vom Bürgermeister angekündigte Provisorium am Sportplatz kommt, ist zweifelhaft. Es gäbe eine tolle Alternative: die ehemalige KSK-Filiale.“ Seine Zukunftsvision: eine „zentrale Paketannahme und -verteilstelle“, von der aus Pakete mit einem Elektro-Lastenrad in Stetten verteilt würden. Die Folge seien weniger „Diesel-Lkw-Lieferverkehr“ und „ein europaweites Modellprojekt!“

Mittlerweile hat der Stettener Architekt Moritz Seifert Kögel sogar mit einem Entwurf für den Umbau der Räume inklusive Poststelle und Tagescafé versorgt.

Bürgermeister Stefan Altenberger hält Kögels Dorfbüro-Idee für unwirtschaftlich – und verweist auf die geltende Beschlusslage: Der Neugestaltung der Klosterstraße sei eine umfangreiche, mehrstufige Bürgerbeteiligung vorausgegangen, auf deren Grundlage der Gemeinderat ein Konzept verabschiedet habe, das Gastronomie in der ehemaligen Kassenfiliale vorsehe, um die Ortsmitte zu beleben. Als es darum ging, die entsprechende Machbarkeitsstudie für das Erdgeschoss des Hauses in Auftrag zu geben, habe es keine einzige Gegenstimme im Gemeinderat gegeben, erinnert sich Altenberger.

Das Ergebnis der Studie wie auch mögliche Gastronomen sind dem Gemeinderat bereits hinter verschlossener Tür vorgestellt worden – ein öffentlicher Beschluss steht allerdings noch aus. „Dann müssen wir schauen, ob sich Mehrheitsverhältnisse wirklich geändert haben“, sagt der Bürgermeister.

Gekauft hat die Gemeinde die Räume noch nicht – weil noch unklar sei, was mit dem Geldautomaten geschehen soll. Die steinerne Weintheke auf dem Vorplatz steht bereits, sie wurde im Sommer intensiv genutzt. In Zukunft könnte es laut Altenberger nachmittags Kaffee, Kuchen und Eis geben, am Abend kleinere Speisen. So schilderte es der Rathauschef unserer Zeitung schon im Frühjahr.

Gespräche mit Eigentümern

Auch mit den Eigentümern der Wohnungen über den Räumen sei die Gemeinde im Gespräch. Von einer gastronomischen Nutzung sind sie offenbar nicht begeistert. Altenberger sagt, er wolle eine verträgliche Lösung finden, betont aber, dass für die Räume „uneingeschränkte gewerbliche Nutzungsmöglichkeiten“ gelten.

Ein zusätzliches kleines Bistro oder Café, am besten inklusiv, würde im Übrigen auch der Offenen Grünen Liste gefallen. Leider sehe sich die Diakonie Stetten nicht in der Lage, ein solches Projekt umzusetzen, schreibt Michael Burger, „das Beste wäre doch, die Bürger zu fragen, wie sie sich hier eine Belebung durch weitere Nutzungen vorstellen können.“