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Wegen Corona-Pandemie: Musicaldarsteller Denis Edelmann arbeitet in der Pflege bei der Diakonie Stetten

Musicaldarsteller
Auch wenn Denis Edelmann die Bühne vermisst, ist er froh, bei der Diakonie Stetten arbeiten zu können. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Pandemie brachte viele Menschen in wirtschaftliche Not – darunter auch viele Künstler wie Musicaldarsteller Denis Edelmann. Während der Ludwigsburger vor der Pandemie an drei Theatern und vielen Projekten gleichzeitig arbeitete, kämpfte er zu Beginn der Corona-Krise mit der Arbeitslosigkeit.

Drei Monate lang arbeitslos

Sämtliche Auftritte wurden abgesagt – er hatte kein Einkommen mehr und war drei Monate lang arbeitslos. „Ich hatte kein Recht auf die Corona-Soforthilfe“, sagt der 30-Jährige. Auf ein Honorar in Höhe von 1800 Euro, das ihm ein Theater schuldet, wartet er bis heute noch, sagt Edelmann.

Denis Edelmann wird zur Hilfskraft in der Pflege

Um finanziell über die Runden zu kommen, fing er im Einzelhandel an und arbeitete sogar als stellvertretender Filialleiter. Doch der Versuch zeigte ihm auch: „Das war nichts für mich.“ Er gab die Stelle auf und kam auf ein Angebot von Timo Pfitzer zurück, den er privat durch einen Tanzkurs kennt. Timo Pfitzer ist der Wohnverbundsleiter bei der Diakonie Stetten. Durch ihn wurde der Schauspieler Edelmann zur Hilfskraft in der Pflege.

„Er hat mich dreimal gefragt, ob ich hier arbeiten will, und ich habe dreimal Nein gesagt“, erinnert sich Denis Edelmann. Dann sagte er doch zu. „Ich bin gottfroh, dass ich die Möglichkeit habe, hier zu arbeiten. Es ist ein schöner Beruf, der mir Qualitäten ermöglicht.“ Durch die Arbeit sei auch Struktur in sein Leben eingekehrt. Er müsse nicht mehr mit dem Auto durch ganz Deutschland fahren, um an Auftritten und Proben in verschiedenen Städten teilzunehmen.

Timo Pfitzer: "Jemand, der auch in stressigen Situationen arbeiten kann"

Ab und an singt er auch für die Klienten in der Diakonie Stetten. „Wenn er singt, dann freuen sich alle“, sagt Timo Pfitzer, „und wenn er schief singt, dann freut er sich selber.“ Wichtig ist dem Wohnverbundsleiter, jemanden im Team zu haben, der auch mit stressigen Situationen während der Pandemie umgehen kann und dennoch Spaß bei der Arbeit hat. Diese Art von Denis Edelmann schätze er.

Kontakt mit Menschen mit Behinderung hatte Denis Edelmann das erste Mal bei der Diakonie Stetten. Der erste Einsatzort sei die „Corona-Gruppe“ gewesen. Eine Isolierstation für Menschen mit Behinderung, die mit dem Coronavirus infiziert sind. „Es war ein interdisziplinäres Team. Ich habe in dieser Zeit so viel gelernt und habe Einblicke in die Strukturen der Diakonie bekommen“, sagt Denis Edelmann.

Aktuell gibt es keine Corona-Fälle bei der Diakonie Stetten

Doch derzeit ist die „Corona-Station“ geschlossen. „Im Moment haben wir Gott sei Dank keine infizierten Klienten“, sagt Diakonie-Pressesprecher Steffen Wilhelm. Anders sah es während der zweiten Welle im Herbst aus, als es nach einer Reihentestung viele bestätigte Corona-Fälle gegeben hat. Wenn es einen positiven Fall gibt, könne die Arbeit der „Corona-Station“ sofort wieder aufgenommen werden, erklärt Timo Pfitzer. Das neunköpfige „Corona-Team“ sei auf Abruf.

Übergangsweise führt Denis Edelmann Corona-Schnelltests durch

Denis Edelmann ist übergangsweise unter anderem im „Corona-Schnelltestzentrum“ im Wildermuth-Haus auf dem Gelände der Diakonie Stetten im Einsatz. Darüber hinaus übernimmt er organisatorische Aufgaben, schreibt E-Mails, erledigt Bürotätigkeiten. „Er ist unser Mann für alles“, sagt Timo Pfitzer. Alles kein Problem für den 30-Jährigen, denn auch während seines Studiums an der Universität für Bildende Künste in Berlin habe er nebenbei gejobbt. „Ich habe die meisten Sparten durch“, sagt er und zählt auf, in welchen Bereichen er bisher gearbeitet hat: Hotel, Restaurant, Brauerei, Einzelhandel.

In Musicals wie "Dirty Dancing", "Chicago" und "West Side Story" mitgewirkt

Der Diplom-Musicaldarsteller stand insgesamt sieben Jahre lang auf der Bühne und hat in Musicals wie „Dirty Dancing“, „Chicago“ und „West Side Story“ mitgewirkt. „Musicaldarsteller war mein Traumberuf“, sagt er. „Ich vermisse die Bühne an sich, aber nicht das ganze Drumherum.“ Bei der Diakonie Stetten fühlt er sich angekommen und gut aufgenommen. „Ich weiß einfach, wo ich bin“, sagt er. „Ich habe gemerkt, wie toll die Arbeit ist.“ Auch habe er viel über einzelne Behinderungen gelernt. „Neuer Klient, neues Krankheitsbild.“

Im Herbst wird er eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Heilerziehungspfleger beginnen. Die Ausbildung richtet sich an Quereinsteiger, erklärt Timo Pfitzer. Sie dauert verkürzt 16 Monate. Für die Theorie wird Edelmann die Ludwig-Schlaich-Akademie in Waiblingen besuchen.

Materiell bedeutet die Pflege-Arbeit für ihn etwas ganz Neues: „Ich freue mich auf Urlaubstage und Urlaubsgeld“, sagt er. So etwas hatte er vorher nie. „Ich habe vier Jahre lang studiert, gearbeitet, geschwitzt – jetzt bin ich einfach nichts auf dem Markt wert.“ Deshalb steht für Denis Edelmann fest: „Ich möchte nie wieder von der Kunst abhängig sein.“

Die Pandemie brachte viele Menschen in wirtschaftliche Not – darunter auch viele Künstler wie Musicaldarsteller Denis Edelmann. Während der Ludwigsburger vor der Pandemie an drei Theatern und vielen Projekten gleichzeitig arbeitete, kämpfte er zu Beginn der Corona-Krise mit der Arbeitslosigkeit.

Drei Monate lang arbeitslos

Sämtliche Auftritte wurden abgesagt – er hatte kein Einkommen mehr und war drei Monate lang arbeitslos. „Ich hatte kein Recht auf die Corona-Soforthilfe“,

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