Kernen

Wohnen im historischen Rathaus

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Gespenstisch: Der Eingangsbereich des Alten Rathauses. Die Kernener haben das gesamte historische Gebäude bis auf seine ursprüngliche Substanz entkernt. © Gemeinde Kernen
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Architekt Alexander Wendlik ist mit der Planung für das denkmalgeschützte Gebäude betraut.

Kernen-Rommelshausen.
Das Alte Rathaus gleicht derzeit einem verlassenen Geisterhaus: Risse ziehen sich durch den Natursteinboden, Türen und Rahmen sind herausgebrochen, nacktes Fachwerk aus alten Holzbalken teilt den Raum. Nicht etwa Gespenster haben hier in den vergangenen Monaten gespukt, Menschen aus Fleisch und Blut waren es, die das historische Gebäude aus dem Jahr 1777 entrümpelten. Alles, was nach 1902 hinzugebaut wurde, rissen die Arbeiter heraus: Böden, Decke- und Wandbekleidungen, neu eingezogene Mauern.

Das Alte Rathaus, zuletzt als Notariat genutzt, soll jetzt unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes zum Geschäfts- und Wohnhaus werden. Dafür nimmt die Gemeinde einen großen Batzen Geld in die Hand, insgesamt mehr als 1,8 Millionen Euro. Das sind rund 300 000 Euro mehr als ursprünglich geschätzt. Etwas mehr als die Hälfte, voraussichtliche 930 000 Euro, stammt immerhin aus einem Fördertopf des Landes. Der Kernener Gemeinderat hat jetzt einen Baubeschluss gefasst. Zum Jahresbeginn sollen die ersten Arbeiten ausgeschrieben werden. Die Sanierung könnte dann im Frühjahr 2020 begonnen werden. Mit der Fertigstellung rechnen die Kernener im Sommer 2021.

Die Arrestzelle im Erdgeschoss soll erhalten bleiben

Im Ober- und Dachgeschoss des Hauses, wo früher unter anderem der Sitzungssaal des Rathauses war, sollen zwei Wohnungen mit jeweils 90 bis 100 Quadratmetern Fläche entstehen. Laut Bauamtschef Peter Mauch sind „die Zuschnitte super geeignet für Wohnraum, den wir dringend brauchen“. Die Wohnungen, vermietet von der Gemeinde, werden über einen eigenen barrierefreien Zugang auf der Rückseite des Gebäudes erreichbar sein. Ins Erdgeschoss möchte das ortsansässige Bestattungsunternehmen Schäfer & Roth einziehen, das bislang in der unmittelbaren Nachbarschaft betrieben wird. Eine zentrale Heizung wird im nicht ausgebauten zweiten Dachgeschoss installiert, der historische Glockenturm verbirgt dann die Leitung der Wärmepumpe.

Nicht verändert wird die ehemalige Arrestzelle im Dach des altehrwürdigen Gebäudes – „ein Relikt aus alten Zeiten, das komplett erhalten bleibt“, wie Alexander Wendlik vom Stuttgarter Architektenbüro Coastoffice Architecture ankündigt. Gut möglich ist, dass sich die Gemeinde noch ein Konzept überlegen wird, diesen Teil des Hauses auch für Besucher zu öffnen – so wie es für die öffentliche Toilette im Erdgeschoss vorgesehen ist, über die sich in Zukunft vor allem diejenigen freuen dürften, denen nach dem Gottesdienst in der benachbarten Kirche die Blase drückt.

Den Gläubigen wird sich, wenn die Sanierung abgeschlossen ist, ein ganz neues Bild bieten: Während auf der Vorderseite historische Rundbögen wiederhergestellt werden, tritt auf der Rückseite, die der Kirche zugewandt ist, das hölzerne Fachwerk wieder zutage.

„Mit viel Fachkenntnis und Fingerspitzengefühl“ sei Architekt Wendlik bei der Planung vorgegangen, sagt Bauamtschef Mauch. „In Rommelshausen gibt es nicht so viel historische Bausubstanz wie in Stetten, umso wichtiger ist es, sie zu erhalten.“


Kernen-Rommelshausen.
Das Alte Rathaus gleicht derzeit einem verlassenen Geisterhaus: Risse ziehen sich durch den Natursteinboden, Türen und Rahmen sind herausgebrochen, nacktes Fachwerk aus alten Holzbalken teilt den Raum. Nicht etwa Gespenster haben hier in den vergangenen Monaten gespukt, Menschen aus Fleisch und Blut waren es, die das historische Gebäude aus dem Jahr 1777 entrümpelten. Alles, was nach 1902 hinzugebaut wurde, rissen die Arbeiter

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