Kernen

Zahlreiche Besucher beim Kulinarischen Weinweg

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Weinweg
Herrlich ist der Blick über das untere Remstal in Richtung Fellbach mit dem Gewa-Tower im Hintergrund. © Büttner / ZVW
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Herrlich ist der Blick über das untere Remstal in Richtung Fellbach mit dem Gewa-Tower im Hintergrund. © Büttner / ZVW
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Der Weinweg kurz vor Einbruch der Dunkelheit. © Büttner / ZVW
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Wandern mit Weinglas. © Benjamin Büttner
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Hocketse an der Yburg. © Benjamin Büttner

Kernen-Stetten. „Mein Freund und ich schauen immer, dass wir uns den Kulinarischen Weinweg nicht entgehen lassen. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, gern auch an zwei Tagen. Schließlich, gibt es etwas Schöneres, als hervorragenden Wein und exquisites Essen in Gottes freier Natur zu genießen?“

So äußerte sich einer der zahlreichen Besucher, die am Pfingstsamstag nachmittags in Stetten den Weg von der Glockenkelter durch die Weinberge hinauf zur Yburg gefunden hatten. Und so wie er dachten wohl viele, denn kaum dass um 14 Uhr die Verkaufsstände öffneten, waren sie schon von einer erklecklichen Kundenzahl belagert. Was dabei besonders ins Auge sprang, waren die zahlreichen großen und kleinen Gruppen sowie Familien, die gemeinsam einen Spaziergang durch die in vollem Saft stehende Natur unternahmen, und etliche Väter, die Kinderwagen über die Weinbergwege schoben: „Meine Frau hat mich losgeschickt, damit sie den Nachmittag über ihre Ruhe hat und ich ihr nicht in der Wohnung im Weg rumsteh’“, so einer von ihnen augenzwinkernd.

Das Jahr 2018 verspricht Ertrag und Qualität

Wer die asphaltierten Wege verließ, über eine der vielen, teilweise zugewachsenen Staffeln den Weg abkürzte und einen Blick in die Reihen hinein warf, konnte sich sehr schön einen Eindruck davon verschaffen, wie weit sich die Rebstöcke entwickelt haben und wie groß doch die Unterschiede beim Schneiden immer noch sind. Zwar wird so gut wie durchweg nur noch eine Rute hingeschnitten, aber dennoch gibt es bei deren Länge sowie bei der Anzahl der Zapfen und Augen gewaltige Unterschiede. Überaus vielversprechend waren auch die kräftigen Fruchtansätze. Wenn das Jahr hält, was es jetzt schon verspricht, wird sich niemand über Ertrag und Qualität beschweren können. Pflanzenfreunde durften sich an den Wegrändern über Kamille, Breit- und Spitzwegerich, wilde Lupinen, Schmalzkacheln, Gänseblümchen, Hafer, Sauerampfer und Klee freuen. Wildbienen und sogar Schmetterlinge wurden von ihnen angelockt.

Jung und Alt begeistert von Nuss-Skulpturen

An der Yburg selbst war an diesem diesigen Nachmittag, während der Himmel zum Abend hin nach und nach immer weiter zuzog, bis es schließlich regnete, weniger die Aussicht über Stetten hinweg zur Korber Höhe und zum Fellbach-Tower das Interessanteste, sondern die Skulpturen von Karl-Ulrich Nuss. Das Gittertor am Eingang war geöffnet, so dass sie für Besucher zugänglich waren und offensichtlich bei Jung und Alt großen Anklang fanden. Ihre begeisterten Fans fanden auch die dort angebotenen Stettener und herzöglich-württembergischen Weine – darunter selbstredend die Riesling-Klassiker Häder, Pulvermächer und Brotwasser, aber auch interessante Kreationen wie der Weißwein-Verschnitt „Attempto“, verperlter alkoholfreier Traubensecco und Matthias Kurrles Johannisbeerperlwein „Wilder Johann“.

Wilder Johann und Wilde Kartoffeln

Logisch, dass da dann auch „Wilde Kartoffeln“ als habhafte Grundlage nicht fehlen durften, oder alternativ dazu die vom Team des Gasthofs Lamm zubereiteten heimischen Spezialitäten wie Saure Kutteln, Schweinebäckle, geschmälzte Maultaschen, Salzkuchen oder Schweinskopfsülze – das sei so etwas Ähnliches wie Fisch, gab ein hörbar aus dem Norden des Weißwurstäquators stammender Zecher seinen etwas eigenwilligen Eindruck wieder.

Große Auswahl an Weinen

Bei den Ständen am Gedenkstein zur Erinnerung an die Rebflurbereinigung Pfaffenberg eröffneten Matjes und Shrimpsspieße tatsächlich kulinarische Erlebnisse in diese Richtung. Zusätzlich dazu bot das „Krebenstüble“ aber auch bodenständige Alternativen wie Wurstsalat und sogar Vegetarisches wie Spinatknödel. Natürlich konnte der nachmittägliche Kaffeedurst ebenfalls gelöscht werden. An Weinen standen dort auch die Neubürger Sauvignon blanc, Chardonnay, Cabernet Cubin, Syrah auf den Getränkekarten, neben den bereits an der Yburg vorgefundenen einheimischen Klassikern. Ins Auge sprang unter anderem ein trockener Spätburgunder von der Schnaiter Burghalde. Dieser geografische Ausreißer sei darauf zurückzuführen, erklärte Hans Haidle, dass seine Mutter aus Schnait stamme und die Familie dort bereits 1965 Spätburger anpflanzte. Im Lauf der Zeit habe man die Anbaufläche erweitert und baue den Spätburgunder als eines der Großen Gewächse des Weinguts aus.


Schwierige Lage

Als „nach wie vor schwierig“ beschrieb Hans Haidle die Lage im deutschen Weinbau. Der Druck durch Einfuhren aus dem Ausland habe nicht nachgelassen. Dies zeige sich nicht zuletzt auch darin, dass trotz der Frostschäden im vergangenen Jahr (er selbst musste 32 Prozent Einbußen verkraften) sich die Supermarktpreise auf Tiefstniveau bewegten.

Auch dadurch verstärke sich der Trend der Erzeuger hin zur Biozertifizierung. Obwohl dies nicht nur bedeute, auf Spritzmittel zu verzichten, sondern ein generelles Umdenken verlange und gerade in den Steillagen einen hohen Arbeitsaufwand bedeute.