Kernen

Zehn Länder in sechzehn Tagen

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Hüseyin und Ilhan Dogan Ercan, ehemaliger Kernener SPD-Vorsitzender, sind eines von rund 250 Rallye-Teams. © Büttner / ZVW

Kernen-Rommelshausen. 7500 Kilometer um die Ostsee herum, ohne Navi, jenseits von Autobahnen: Ein kleines Abenteuer werden Ilhan Dogan Ercan und Hüseyin Ercan gemeinsam erleben. Sie nehmen im Juni an der Baltic-Sea-Circle-Rallye teil und bloggen online über ihre Erfahrungen. Dahinter steckt mehr als nur Abenteuerlust. Ilhan Dogan Ercan geht es um Beziehungsarbeit: um einen Vater-Sohn-Roadtrip, wie die meisten ihn bloß aus Filmen kennen dürften.

Sechzehn Tage werden der Rommelshausener Ilhan Dogan Ercan und sein Vater Hüseyin Ercan gemeinsam auf engstem Raum verbringen. Mit dem Auto umrunden sie einmal die Ostsee: von Hamburg aus über Skandinavien, den Nordwesten Russlands und das Baltikum zurück nach Hamburg.

Baltic-Sea-Circle-Rallye, zu Deutsch Ostsee-Kreis-Rallye, heißt die Herausforderung, der sich die beiden von 16. Juni bis 1. Juli stellen – die nördlichste Rallye überhaupt, wirbt der Veranstalter, der Hamburger „Superlative Adventure Club“.

Größte Herausforderung: Der fehlende Orientierungssinn

Abseits der Autobahnen, ohne Navi und GPS, fahren Vater und Sohn als eines von rund 250 Teams bis zum Nordkap und zurück. Unterwegs meistern sie Aufgaben, die ihnen zum Tourbeginn in einem Streckenbuch ausgehändigt werden. Wer alle Herausforderungen besteht, dem winkt ein Wertgutschein für die Teilnahme an einer weiteren Rallye.

Doch zu gewinnen ist für Ilhan Dogan Ercan zweitrangig. „Aus der Komfortzone rauskommen“, „möglichst viel Abenteuer-Feeling“ erleben will er; mit Dachzelt, Landkarte und Kompass Europas Seitenstraßen erkunden, vielleicht Elchen und Bären begegnen. Die größte Herausforderung wird freilich das Navigieren: Beide Männer seien nicht gerade mit dem besten Orientierungssinn gesegnet, gibt Ercan zu. Er nimmt’s heiter: „Wir werden sicher sehr viele Ziele anreisen – außerplanmäßig.“

Rallye-Fahrzeuge müssen mindestens zwanzig Jahre alt sein

Fahren wird das „Team verpeilt“, wie der Rommelshausener es scherzhaft nennt, mit einem Gebrauchtwagen aus neunter Hand – als Sponsoring kostenfrei instand gesetzt von einer Werkstatt in Ercans Heimatort Altensteig. Denn Rallye-Fahrzeuge müssen mindestens zwanzig Jahre alt sein.

Warum er ausgerechnet mit seinem Vater reist? Um diesen aus der Renten-Lethargie zu reißen. Der 68-Jährige hat sich vor sieben Jahren aus gesundheitlichen Gründen aus der Arbeitswelt zurückgezogen. Mittlerweile arbeitet er viel in seinem Garten in Altensteig, liebt die Arbeit mit Erde, Obstbäumen und Gemüse. Auch lange Spaziergänge und Mittagsschläfchen genießt der ehemalige Schichtarbeiter.

Vater nimmt dem Sohn das Wort Ruhestand etwas zu wörtlich

Das kann’s doch nicht gewesen sein, findet sein Sohn – nicht für seinen einst so aktiven, patenten Vater. Für seine Begriffe nimmt sein alter Herr den Begriff „Ruhestand“ etwas zu wörtlich. „Das ist gerade die Zeit, die man genießen sollte!“ Sich fortbilden, etwas erleben, reisen.

Nach Skandinavien etwa. Den hohen Norden möchte Hüseyin Ercan schon seit langem erkunden, nachdem er bereits unter anderem die USA, Australien, Südafrika, Japan und China bereist hat. „Ich will Länder und Kulturen kennenlernen“, bestätigt dieser. Und, ergänzt er mit schelmischem Grinsen, herausfinden, wie sich Menschen mit nordischen Temperaturen arrangieren. Also überraschte Ilhan Dogan Ercan seinen Vater im März mit der Rallye. Mit dabei sind ein Freund und dessen Vater, als ein zweites Team mit eigenem Auto.

Zusammen an der Aufgabe wachsen

Die Möglichkeit, den Beifahrer zu wechseln, tut dem „Team Ercan“ bei aller gegenseitiger Sympathie sicher gut: Vater und Sohn werden sich ohne Zweifel ab und an ins Gehege kommen. „Wir sind beide sehr eigensinnig“, gibt Ercan Junior zu. Am meisten graust ihm aber vor den Nächten: „Mein Vater schnarcht.“ Hüseyin Ercan wiederum fürchtet die Ausbrüche seines impulsiven Sohnes. „Ich trag das Herz halt auf der Zunge“, kommentiert der verlegen.

Doch die Vorfreude überwiegt bei beiden: auf die gemeinsame Zeit und geteilten Erfahrungen; auf die Gelegenheit, sich als Erwachsene auf Augenhöhe besser kennenzulernen. „Ich sehe die Chance, dass ich und mein Vater an der Sache wachsen.“


Spenden & sponsern

Für einen guten Zweck müssen alle Rallye-Teams bis zum letzten Tag der Tour mindestens 750 Euro Spenden zusammentragen.

Ilhan Dogan Ercan hat sich ein höheres Ziel gesteckt: Insgesamt 3000 Euro für drei Projekte will er sammeln. Für den FC Jawanan, einen Bonner Fußballverein für junge unbegleitete Flüchtlinge; für den Verein „Frauen helfen Frauen“ Stuttgart; sowie für eine DRK-Spendenaktion für den Bau von Trinkwasserbrunnen in Somalia.

Informationen zur Rallye und zu den Charity-Projekten hat Ercan online im Rallye-Blog fatherandson.blog zusammengestellt.