Kernen

Zehn praktische Tipps für Fahrrad-Schrauber

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Fahhrad-Profi Timm Sanna von der Fahrradwerkstatt der Diakonie Stetten gibt Tipps für Schrauber. © Schechinger

Kernen-Stetten. Bei 90 Prozent aller Fahrräder in Betrieb reicht der Luftdruck in den Reifen nicht aus. Die leicht platt gedrückte Karkasse nimmt Schaden und der Radler benötigt beim Treppeln mehr Kraft. Obwohl viele nicht daran denken, ist der richtige Luftdruck das „A und O“, wie Tim Sanna betont. Das Problem lässt sich mit der Luftpumpe rasch beheben, wobei auch ein Ventil-Adapter an der Tankstelle sehr hilfreich sein kann.

1. Einen „Ventil-Adapter“ kaufen

Den gibt es im Fahrradgeschäft für 1,50 Euro. Auf das Blitzventil geschraubt, lässt sich an jeder Tankstelle der Kompressor zum Aufpumpen der Autoreifen fürs Bike benutzen. Das geht leichter als mit jeder noch so griffbereiten Fahrrad-Luftpumpe.

2. „Nicht sparen beim Reifen-Kauf“

So lautet Tim Sannas zweiter Rat. Je teurer die Karkasse, desto dichter und stabiler ihr Gewebe. Gegen Glasscherben oder die Dornen von Berberitzen schützt aber auch der beste Reifen nicht. Wer einen Platten hat, muss zum Flicken den Schlauch aus dem Reifen lösen. Reifendichtmittel oder ein Pflaster taugen als Pannennothilfe für die nächsten Kilometer bis zur Fahrradwerkstatt. Bei einem richtigen Schlitz, den eine Glasscherbe in den Schlauch geschnitten hat, hilft aber auch die beste Dichtungsmilch nicht. Dann muss nach allen Regeln der Kunst geflickt werden: Luft rauslassen, mit dem Montagehebel den Mantel von der Felge lösen, Schlauch herausziehen, das Loch anrauen, Pflaster draufkleben. Oft liegen zusammen mit scharfen Glasscherben, die zum Platten geführt haben, winzige Glassplitter auf der Straße, die sich beim Fahren unbemerkt in den Mantel fressen und irgendwann trotz Auswechselns oder Flickens des kaputten Schlauchs diesen später an einer anderen Stelle aufritzen. Tim Sanna empfiehlt deshalb, vor der Reparatur den kompletten Reifen umzudrehen und mit dem Finger innen vorsichtig auf Glassplitter hin abzutasten – auch auf die Gefahr hin, dass es pikst.

3. Notfallkoffer dabei haben

In den Notfallkoffer gehören ein intakter Schlauch, Flickzeug, ein Imbusschlüssel, ein Montagehebel und ein Kettennieter zum Öffnen und Schließen der Fahrradkette. „Das ist das Nötigste, aber man sollte damit umgehen können“, sagt Tim Sanna. Entlang der Felge verläuft ein schwarzer Strich, der das Maß der Abnutzung anzeigt: Wenn man diese Linie nicht mehr sieht, sollte man unbedingt die Felge wechseln, so der Fachmann.

4. Von extrem flachen Felgen die Finger lassen

Wer ein neues Laufrad für sein Bike kauft und dabei auf Qualität achtet, sollte von extrem flachen Felgen die Finger lassen. Die doppelwandigen hochwertigen Felgen sind höher und leicht bauchig. Bei einem Rennrad sei das fast schon Pflichtprogramm, sagt Tim Sanna. Auch die versetzte Anordnung der Speichenlöcher sei ein Qualitätskriterium und deshalb eine Preisfrage. Wichtig ist, regelmäßig das Felgenband zu kontrollieren, das gelegentlich reißen kann. Wenn die scharfkantigen Schrauben und Nippel an der Felge freiliegen, können sie den empfindlichen Gummischlauch beschädigen.

5. Ein Montageständer für Reparaturen kaufen

Wer sein Fahrrad liebt, repariert es auch gern. Dazu braucht es einen Montageständer, der im Fachhandel mindestens 70 bis 80 Euro kostet. Er ist so stabil, dass er auch für schwere E-Bikes genutzt werden kann. Wichtig beim Prüfen der Speichen: Sie müssen schön fest sitzen. Das Hinterrad unseres Testfahrzeugs, ein billiges Trekking-Herkules, hat einen leichten Achter. Den Schlag an der Felge hört der Fachmann sofort, wenn er an dem aufgebockten Bike der freilaufenden Felge mit der Hand Schwung gibt. Mit einem Kniff lässt sich der Achter ausgleichen: den Schlag an der Felge lokalisieren und die Speiche an der gegenüberliegenden Seite mit Hilfe des Speichenschlüssels in einer leichten Umdrehung anziehen. „Damit verändere ich die Position der Felge“, erklärt der Stettener Fahrradguru. „Wichtig ist, dass der Reifen an der Bremse nicht schleift. Komplizierte Fälle lösen wir in der Bike Box am Zentrierständer.“

6. Bremsen regelmäßig überprüfen

Geprüft werden bei einem kleinen Kundendienst das Lagerspiel und die Bremsen. Ein Blick auf die Bremsbeläge reicht schon, um ihren Zustand einzuschätzen. „Wenn die Rillen fehlen, ist der Bremsbelag am Ende“, sagt Tim Sanna. Nicht der Ersatz der Beläge, die fünf bis zehn Euro kosten, kommt teuer, sondern der Schaden, den eine abgeschliffene Bremse an der Felge verursacht. Dann ist im Extremfall ein neues Laufrad fällig, das locker 100 Euro kosten kann. Beim Wechseln der Beläge heißt es aufpassen, dass sie nicht auf dem Reifen schleifen, sondern die schmalen Metallfelgen exakt treffen.

7. Bremsen "vorförmig" einstellen

Quietschen die Bremsen, empfiehlt es sich, sie „vorförmig“ in Fahrtrichtung einzustellen, so dass sie nur auf einer kleinen Fläche aufsetzen. Es kann passieren, dass nach der Montage eine Seite der Felgenbremse aktiv ist, die andere Seite aber klemmt. Mit der Einstellschraube kann die Spannung erhöht werden, so dass beide Seiten gleichmäßig anschlagen.

8. Licht und Reflektoren überprüfen

Birnen gibt es heute für die Beleuchtung fast nicht mehr, dafür sind LED-Lampen die Regel. Bei der Kontrolle eines Fahrrads müssen die Reflektoren, die Klingel, das Steuerkopflager und die Schaltung unbedingt geprüft werden.

9. Kettenspannung erhöhen

Was tut man, wenn man in keinen Gang kommt? „Da gibt es viele Möglichkeiten“, so Tim Sanna. „Ich muss die Zugspannung mit der Schraube erhöhen, wenn die Kette nicht nach oben springt. Wenn sie zu stark angezogen ist, springt die Kette nicht runter.“

10. Auf Kettenverschleiß achten

Den Kettenverschleiß erkennt der Profi an den Zahnrädern. Mit der Kettenlehre kann er zudem leicht testen, wie ausgeleiert bzw. biegbar eine Fahrradkette ist. Fällt die Kettenlehre zwischen die Glieder, ist die Kette verschlissen.