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Zu trocken: Was der Rekord-Sommer für Winzer und Wein aus Stetten bedeutet

WeinbauTrockenheit
Christian Schmid vor einer jüngeren Pflanze: Einige Blätter sind bereits braun, weil die Wurzeln noch nicht tief genug sind, um an die Wasserspeicher im Boden zu gelangen. © ZVW/Gaby Schneider

Heiß strahlt die Mittagssonne auf die Weinberge zwischen Stetten und Strümpfelbach. Wer dort oben ein schattiges Plätzchen sucht, sucht vergeblich. Dass auch Wasser in den vergangenen Wochen ein eher seltenes Gut war, beweisen die vertrockneten Gräser, die sich mittlerweile braun gefärbt haben – und so auch die Blätter einiger Weinreben. Wie ertragreich die Lese in diesem Jahr sein wird, bleibt vorerst unsicher, denn: Die Trauben der vertrockneten Pflanzen sind kleiner.

Von einem Verlust von 20 bis 25 Prozent geht Walter Felden, Inhaber des Weinguts Felden in Stetten, aus. „Es wird in diesem Jahr gute Weine geben“, prophezeit der 62-Jährige, „nur nicht so viele.“ Das fehlende Wasser ist die Hauptursache. Auch Christian Schmid (31), Winzer des Weinguts Medinger, weiß: „Die Trauben werden weniger Saft geben.“

Jungen Reben setzt der Wassermangel zu, denn ihre Wurzeln sind flacher

„Jungen Reben macht die Trockenheit mehr aus“, sagt Schmid. Aufgrund ihrer noch flachen Wurzeln können sie die Wasserspeicher im tieferen Boden noch nicht erreichen – sie sind der Trockenheit ausgesetzt. In ihren ersten fünf Lebensjahren könne einer Pflanze der Wassermangel deutlich angesehen werden, erzählt der Winzer. Erst ab einem Alter von etwa zehn Jahren sei die Rebe robuster bei trockenen Wetterverhältnissen. Aus diesem Grund stehen einige in den Stettener Weinbergen in voller Pracht – andere hingegen sehen vertrockneter aus, ihre Ruten sind nicht so hoch gewachsen und die Stämme dünn. „Sie sind geschwächt“, sagt Christian Schmid.

„Den älteren Pflanzen macht die Hitze wenig aus“, so Walter Felden. Er habe jedoch beobachtet, dass einige „ihren Betrieb eingestellt“ haben. Für eine gewisse Zeit seien die Trauben nicht weiter gereift, doch braune Blätter gibt es kaum.

Künstliche Bewässerung ist keine Option

Eine Bewässerung ist für beide Winzer keine Option. „Einige haben ihre Reben bewässert“, sagt Schmid, das Weingut Medinger aber zähle nicht dazu. „Der Aufwand ist sehr groß.“ Mit dem Traktor müsse das Wasser in die Berge gefahren und dort dann verteilt werden. Aus zeitlichen Gründen sei das nicht möglich.

Auch das Weingut Felden hat sich dagegen entschieden, die Wassermengen in die Weinberge zu transportieren. Walter Felden appelliert, Weinanbau nachhaltig anzugehen. Zwar sei eine Bewässerung junger Pflanzen sinnvoll, doch bestehe dann die Gefahr, dass ihre Wurzeln aufgrund der kurzen Strecke an die Oberfläche nicht mehr in die Tiefe wachsen – das sollen sie aber.

Tiefe Wurzeln können sich dem Winzer zufolge aus den Wasserspeichern in der Erde bedienen, so dass eine Bewässerung gar nicht erst notwendig ist. Das sei besonders für Phasen der Dürre eine wichtige Eigenschaft. Christian Schmid betont: „Es wird öfters solche Jahre geben.“ Dass die Pflanzen in der Lage sind, sich selbst zu versorgen, ist wegen der künftig häufiger erwarteten Trockenheit wichtig.

Schon jetzt habe die Dürre in diesem Jahr Auswirkungen auf das nächste Jahr. „Noch so ein Jahr würde dann wirklich kritisch werden“, sagt Walter Felden. Der Grund: Die Wasserspeicher im Boden sind geleert. Damit es den Pflanzen im nächsten Jahr gut geht, müssen sich diese erst wieder füllen. Felden hofft daher auf einen nassen Winter. Damit der Boden als Speicher dienen kann, ist die Bodenbeschaffenheit ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des Stettener Winzers. „Wir können uns darauf einstellen, dass die Bodenstruktur immer wichtiger wird.“ Locker und humusreich soll er sein, damit die Reben auch in Zukunft ertragreiche Lesen bescheren.

Viel Sonne ist gut für die Rotweine

Die Winzer im Remstal stehen vor Herausforderungen. Die Pflege der Reben, so Walter Felden, werde sich in Zukunft den Veränderungen durch den Klimawandel anpassen müssen.

Nichtsdestotrotz: Die Qualität wird auch in diesem Jahr gut werden. „Die Rotweine werden eine hohe Qualität haben“, sagt Christian Schmid. Der Grund dafür sei die hohe Sonneneinstrahlung in diesem Sommer. Diese führe aber auch dazu, dass der Säuregehalt besonders im Blick behalten werden müsse. „Wir nehmen regelmäßig Proben.“

Beide Winzer rechnen damit, dass innerhalb der nächsten beiden Wochen mit der Weinlese begonnen werden kann.

Heiß strahlt die Mittagssonne auf die Weinberge zwischen Stetten und Strümpfelbach. Wer dort oben ein schattiges Plätzchen sucht, sucht vergeblich. Dass auch Wasser in den vergangenen Wochen ein eher seltenes Gut war, beweisen die vertrockneten Gräser, die sich mittlerweile braun gefärbt haben – und so auch die Blätter einiger Weinreben. Wie ertragreich die Lese in diesem Jahr sein wird, bleibt vorerst unsicher, denn: Die Trauben der vertrockneten Pflanzen sind kleiner.

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