Kernen

Zukunft des abgewählten Bürgermeisters noch ungewiss

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Konsterniert: Bürgermeister Stefan Altenberger am Wahlabend. Fotos: Büttner © ZVW/Benjamin Büttner
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Rathauschefs unter sich: Der Berglener Bürgermeister Maximilian Friedrich, der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky und seine Fellbacher Kollegin Gabriele Zull gratulieren Benedikt Paulowitsch, dem zukünftigen Bürgermeister von Kernen. © Benjamin Büttner

Kernen. Nachwehen der denkwürdigen Bürgermeisterwahl in Kernen: Amtsinhaber Stefan Altenberger hat schwer an seiner Niederlage zu knabbern, Wahlsieger Benedikt Paulowitsch bekommt Hunderte Nachrichten und SPD-Gemeinderat Erich Ehrlich wirft verärgert das Handtuch.

Der Regenbogen über dem Bürgerhaus am Wahlabend hat es gezeigt: Sonne und Regen liegen oft nah beieinander. Wahlsieger Benedikt Paulowitsch nahm am Montagmorgen im Innenministerium die Glückwünsche seiner Arbeitskollegen entgegen. Bürgermeister Stefan Altenberger erschien ebenfalls zur Arbeit – wurde im Kernener Rathaus aber von seinen Mitarbeitern getröstet statt gefeiert.

Die Frage stellt sich: Wie geht es nun weiter mit Altenberger? Eigentlich hätte er am Montagabend die Blumenschau in der Glockenkelter in Stetten eröffnen sollen, die das Finale der Remstal-Gartenschau in Kernen einläutet. Dazu fehlte ihm am Tag nach der Wahlniederlage allerdings die Kraft – der Beigeordnete Peter Mauch vertrat ihn.

Altenberger: Situation "emotional schwierig" 

In den kommenden Wochen bis zum Ende seiner Amtszeit am 31. Oktober wird der 55-Jährige kürzertreten – und wenigstens einen kleinen Teil der vielen Urlaubstage abbauen, die sich in den vergangenen Jahren angestaut haben. Wie aus dem Rathaus zu hören ist, hatte Altenberger, der mit seiner Familie in Stetten wohnt, fest mit seiner erneuten Wiederwahl gerechnet.

Im Gespräch mit unserer Zeitung am Montagnachmittag sagte der spürbar geknickte Bürgermeister, die Situation sei für ihn „emotional schwer zu ertragen“. Es trifft Altenberger hart, dass er an zahlreichen Projekten, die er in den kommenden Jahren anpacken wollte, nicht mehr federführend mitwirken darf – besonders bei der Entwicklung der Hangweide. Außerdem hätten die vergangenen Jahre, insbesondere die Vorbereitung auf die Gartenschau, ihn und seine Mitarbeiter im Rathaus enger zusammengeschweißt. Einen Plan B hat Altenberger nach eigenen Angaben noch nicht. Ziemlich sicher ist: Er wird nicht in Frührente gehen, sondern sich nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen.

Paulowitsch: Erfolg erstmal realisieren

Besser war die Laune am Montag bei Wahlsieger Benedikt Paulowitsch. Wobei der 31-Jährige am Wahlabend kein rauschendes Fest gefeiert hat, sondern gemütlich mit Familie und Freunden zusammensaß. Mehr als das Gläschen Sekt im Bürgerhaus habe er nicht getrunken, so Paulowitsch, der noch damit beschäftigt ist, seinen Erfolg überhaupt zu realisieren: „Ich habe mich jahrelang auf diesen Moment gefreut“, sagte der Regierungsrat unserer Zeitung am Montag, „jetzt wo er da ist, ist er sehr schwer zu fassen“. Helfen dürften ihm dabei die Schulterklopfer der Kollegen und „Hunderte Nachrichten“ auf seinem Smartphone. Doch auch am Tag nach der Wahl übte sich Paulowitsch in Zurückhaltung: Er wisse, dass es auch viele Kernener gibt, die ihn nicht gewählt haben.

Hornauer schneidet schlechter ab als Speitelsbach

Denn die Wahlbeteiligung lag trotz des engagierten Wahlkampfs der beiden Top-Kandidaten bei gerade mal 53,2 Prozent. Das heißt: Von 12 553 Wahlberechtigten machten nur 6679 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Bürgermeister Stefan Altenberger glaubt, dass ihm gerade die Stimmen vieler älterer Bürger, die nicht zur Wahl gegangen sind, am Ende fehlten.

20 Wähler gaben einen ungültigen Wahlzettel ab. Sechs mehr stimmten für Thomas Hornauer (26 Stimmen, 0,39 Prozent), womit der Plüderhäuser noch schlechter abschnitt als Samuel Speitelsbach (50 Stimmen, 0,75 Prozent), der in Kernen kein einziges Mal in Erscheinung getreten ist.

SPD-Ärger: Erich Ehrlich will als Gemeinderat zurücktreten

„Enttäuscht“ von der Wahlbeteiligung hat sich bereits am Sonntag Hans-Peter Kirgis gezeigt, SPD-Gemeinderat und Parteigenosse Paulowitschs. Was Altenbergers Abwahl nach 16 Jahren angehe, so sei er „platt“, so Kirgis. Er habe mit einer knappen Wiederwahl gerechnet. Dass es so nicht gekommen ist, hat Konsequenzen für Kirgis’ Mannschaft: Erich Ehrlich (73), der ohne Parteibuch für die SPD im Gemeinderat sitzt und für seinen guten Draht zu Stefan Altenberger bekannt ist, hat seinen Rücktritt angekündigt. Der Grund: Die SPD-Fraktion hatte beschlossen, Paulowitsch, der als unabhängiger Kandidat angetreten ist, im Wahlkampf nicht offiziell zu unterstützen. Allerdings bekannte sich der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Ulrich Lang offen zum Herausforderer – wie auch andere Kernener aus dem SPD-Umfeld. Das und die aus seiner Sicht unbegründete Abwahl Altenbergers ärgern Erich Ehrlich so maßlos, dass er nun nicht mehr zur Fraktion gehören möchte. Und da „Fahnenflucht“ zu einer anderen Gruppe für ihn nicht infrage komme, bleibe für ihn nur der Rücktritt. Nachrücken wird wohl Christoph Schönleber, der erst im Mai aus dem Gremium ausgeschieden ist.

Aus den anderen Fraktionen sind derlei Hiobsbotschaften nicht zu erwarten: „Bitter“ sei das Ergebnis allerdings für Altenberger, so sehen es die CDU- und UFW-Chefs Andreas Wersch und Hans Dietzel, schließlich habe der Bürgermeister gute Arbeit geleistet. Komplimente machten sie Paulowitsch für einen gelungenen Wahlkampf. PFB-Rat Ebbe Kögel wollte sich kurz nach der Wahl nicht zum Ergebnis äußern, die Grünen waren, wie fast alle, überrascht – allerdings machte es am Sonntagabend zumindest den Anschein, als stünden die Bürgervertreter aus diesem Lager dem Neuen noch einen Tick offener gegenüber, als die Räte der UFW und CDU.

Rathauschefs geraten ins Grübeln

Wie es so üblich ist, waren am Wahlabend zahlreiche Bürgermeister und Oberbürgermeister aus den umliegenden Gemeinden im Bürgerhaus zur Verkündung der Wahlergebnisse zu Gast – ohne den Anspruch auf Vollständigkeit: Andreas Schaffer (Plüderhausen), Michael Scharmann (Weinstadt), Jochen Müller (Korb), Maximilian Friedrich (Berglen), Sven Müller (Winterbach), Gabriele Zull (Fellbach), Matthias Klopfer (Schorndorf), Raimon Ahrens (Rudersberg) und der ehemalige Kernener Hauptamtsleiter Bernhard Bühler (Oppenweiler). Sie alle litten mit ihrem Kollegen Stefan Altenberger mit, nicht wenige klopften ihm auf die Schulter, als er nach einem harten Abend mit seiner Frau den Saal verließ. Und einige von ihnen gerieten ins Grübeln: In nur vier Wochen gestürzt, wie kann das passieren?

Der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Ich fühle sehr mit“, sagte der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky am Sonntagabend im Kernener Bürgerhaus, „das ist das zweite Mal, dass ich das mitmache“. Auch in Ludwigsburg habe er den Sturz eines Kollegen miterlebt. „Man fragt sich: Was gibt den Ausschlag? Da spielen offenbar mehr Emotionen eine Rolle als sachliche Arbeit.“ Dem neuen Bürgermeister Benedikt Paulowitsch wünschte Hesky nichtsdestotrotz alles Gute. Paulowitsch, so Hesky, habe nun die schwere Aufgabe, „gespaltene Lager wieder zusammenzuführen“.