Kernen

"Zur Sonne" und "Schreibmaschine": Wirte aus Kernen berichten über ihre finanzielle Lage

Gastronomen
„Schreibmaschinen“-Wirt Uwe Werner mit seiner Tochter Kim Tamara Becker, die als Minijobberin im Bistro mithilft. © ALEXANDRA PALMIZI

Ourania Boukouvala ist so im Stress, dass sie kaum Zeit hat, mit der Presse zu sprechen. Anfang 2020 hat die Gastwirtin das Gasthaus „Zur Sonne“ in Rommelshausen, das griechisch-mediterrane Speisen anbietet, übernommen. Gerade einmal zweieinhalb Monate später musste sie pandemiebedingt wieder schließen. Seitdem versucht sie, sich irgendwie über Wasser zu halten. Doch noch immer kommen zu wenig Gäste. „Langsam bekomme ich Angst“, sagt Ourania Boukouvala.

Weil sie sich fest angestellte Mitarbeiter kaum leisten könne und gute Aushilfen auf Minijob-Basis gerade so schwer zu finden seien wie noch nie, versuche sie, das Restaurant so gut es geht alleine zu führen, berichtet sie. Sie hat in den vergangenen Monaten ihr Bestes gegeben, um wenigstens ein bisschen Umsatz zu machen. „Ich bin damit aber nicht so zufrieden“, gesteht sie.

"Der letzte Sommer war ganz schlecht"

Große Hoffnungen hatte sie vor einem Jahr noch gehabt, als über die Sommerferienzeit der Restaurantbetrieb wenigstens wieder annähernd normal erlaubt war. Doch die Gäste blieben aus. Vermutlich waren die meisten doch im Urlaub oder haben das schöne Wetter irgendwo anders draußen genossen, vermutet die Wirtin: „Der letzte Sommer war ganz schlecht.“ Danach stand sie sieben Monate lang tagtäglich in der Restaurant-Küche und bereitete Essen zum Mitnehmen zu.

Sie befürchtet, dass dieser Sommer nicht viel besser werden könnte als der letzte. Denn immer noch gehen sehr wenige Leute bei ihr essen. „Vermutlich haben viele immer noch Angst vor Corona“, glaubt sie. Das könne sie ein Stück weit nachvollziehen, ihr gehe es im Grunde genommen ja genauso. Um ihren Gästen ein möglichst sicheres Gefühl zu geben, hat sie neuerdings auch einen Luftreiniger gekauft – doch die Lieferung lässt auf sich warten. „So geht es gerade aber vielen Gastronomen, es ist überall das Gleiche“, berichtet Boukouvala.

Das Gasthaus „Zur Sonne“ ist nicht ihr erstes Restaurant. Sie bringe viele Jahre Erfahrung in der Gastronomie mit, erzählt Ourania Boukouvala, doch so etwas wie die Corona-Pandemie habe sie noch nie erlebt. In die Knie zwingen lassen will sie sich von dieser Krise aber nicht: Sie mache weiter, solange es eben nur irgendwie gehe.

Die Überbrückungshilfen haben die „Schreibe“ gerettet

Ein wenig optimistischer sieht Uwe Werner das. Er ist Wirt des Bistro-Cafés „Schreibmaschine“, von Stammgästen liebvoll „Schreibe“ genannt. Zwar war bei ihm der Laden länger komplett dicht: Essen zum Abholen hat er nämlich keines angeboten. „Ich kam dann jeden Morgen her, hab' mich hierhergesetzt und Zeitung gelesen“, berichtet der 61-Jährige. Sein Steuerberater hat für ihn das Beantragen der staatlichen Hilfen übernommen, diese seien auch angekommen: Richtig viel Geld sei da geflossen. Dafür ist er sehr dankbar. Gerade wartet der Wirt ungeduldig auf die Auszahlung einer weiteren Überbrückungshilfe.

„Der Staat hat uns Wirte nicht hängenlassen“, sagt er. „Wer es richtig gemacht hat, hat auch was bekommen.“ Ihm ist aber auch klar, dass es nicht für alle so einfach ist: „Da muss man sich auf jeden Fall Hilfe holen“, gibt er zu. Sogar sein Steuerberater sei ganz schön ins Schwitzen gekommen beim Beantragen der Hilfen. Außerdem habe die „Schreibe“ 2019 sehr gut Umsatz gemacht, an diesen Zahlen haben sich viele der Überbrückungsprogramme orientiert. Jetzt gerade sieht man der Stettener Kultkneipe die lange Schließzeit gar nicht mehr an: Wie jeden Morgen hat Uwe Werner um 10 Uhr aufgemacht. Die ersten Gäste sitzen schon an der Bar, trinken Kaffee, lesen Zeitung, trinken ein Frühstücksbier. „Fast alle unsere Gäste sind vollständig geimpft - und ich auch“, erzählt der Wirt. Das macht den Alltag auch um einiges einfacher.

Immer noch 30 Prozent weniger Umsatz

Trotzdem läuft der Betrieb noch nicht wie vor der Pandemie: „Die letzten zwei Wochen waren ganz ordentlich. Aber es sind immer noch bestimmt 30 Prozent weniger als sonst“, so Uwe Werner.

Als die Inzidenz im Kreis noch über 35 lag, galt in der Kneipe die 3-G-Regel. Die Testpflicht habe damals noch viele abgeschreckt. Auch die Öffnungsbeschränkung bis elf Uhr hat dem Bistro, das sich in den späten Abendstunden in eine Bar verwandelt, geschadet: „Je später es wird, desto jünger werden die Gäste“, berichtet der Wirt. „Den meisten Umsatz machen wir typischerweise zwischen zwölf Uhr nachts und drei Uhr morgens.“

Seit dem Ende des Lockdowns hat Uwe Werner bei seinen Gästen ein seltsames Phänomen beobachtet: An Tagen mit gutem Wetter bleibt seine Kneipe leer. „Die Leute haben es sich zu Hause eingerichtet“, glaubt er. Statt in die Kneipe zu gehen, sitzt man seit Corona öfter mal daheim auf der Terrasse und trinkt dort ein Bier oder zwei – daran hat man sich jetzt gewöhnt. Deshalb hofft der Wirt der „Schreibe“ auf den Herbst: Wenn das Wetter kälter wird, wird es noch besser laufen, glaubt er.

Ourania Boukouvala ist so im Stress, dass sie kaum Zeit hat, mit der Presse zu sprechen. Anfang 2020 hat die Gastwirtin das Gasthaus „Zur Sonne“ in Rommelshausen, das griechisch-mediterrane Speisen anbietet, übernommen. Gerade einmal zweieinhalb Monate später musste sie pandemiebedingt wieder schließen. Seitdem versucht sie, sich irgendwie über Wasser zu halten. Doch noch immer kommen zu wenig Gäste. „Langsam bekomme ich Angst“, sagt Ourania Boukouvala.

Weil sie sich fest angestellte

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