Korb

29-Jähriger wegen Marihuana-Handel vor Gericht

Marihuana-Handel eingefädelt_0
Der Angeklagte soll als Vermittler tätig gewesen sein und habe den Kontakt zum Dealer hergestellt. © animaflora2016 / Fotolia

Waiblingen/Korb. Ein 29-Jähriger musste sich wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor dem Waiblinger Amtsgericht verantworten. Der Angeklagte soll im Oktober 2017 zwei jungen Männern 100 Gramm Marihuana auf Kommission verabreicht haben.

Im November 2017 wurden Streifenpolizisten während einer großen Studentenparty im Uni-Park in Stuttgart auf zwei junge Männer aufmerksam. Sie händigten der Polizei sofort ein Klemmtütchen mit Marihuana aus. Das war indes nicht alles, was sie hatten: Bei der Durchsuchung wurden pro Person 14 Tütchen mit ein bis zwei Gramm Marihuana sichergestellt. Sie sollen Marihuana aus Geldnot verkauft haben, sagte der 29-jährige Polizeihauptmeister als Zeuge aus. Bei der Vernehmung beschrieben die Männer den Mittelsmann. So spürte die Stuttgarter Polizei den Angeklagten, der sich jetzt vor dem Waiblinger Amtsgericht verantworten musste, auf.

„Ich bin kein Dealer, ich habe noch nie gedealt“

In einer Bar in Korb hatten sich der Angeklagte und die beiden Männer (20 und 23) kennengelernt. „Ich war angetrunken, die beiden sind mir über den Weg gelaufen und haben gefragt, woher sie Marihuana bekommen können“, sagte der Angeklagte. Einige Tage nach diesem Kennenlernen soll im Bereich der Alten Kelter die Übergabe stattgefunden haben. Die Frage, ob die beiden Männer das Marihuana wirklich vom Angeklagten erhalten haben, blieb in der Verhandlung offen. Da ein weiteres Verfahren gegen die beiden läuft, wollten sie vor dem Amtsgericht zum Tatgeschehen keine Angaben machen.

Bei der polizeilichen Vernehmung hingegen sollen sie gesagt haben, das Marihuana vom Angeklagten erhalten zu haben. „Das Marihuana wurde auf Kommission übergeben, sprich, sie sollten erst verkaufen, dann zahlen“, sagt die 25-jährige Polizeihauptmeisterin aus Waiblingen aus. „Aber als der Angeklagte nach wenigen Tagen das Geld wollte, sind die beiden nach Stuttgart, um es dort zu verkaufen.“ Und wurden mit verkaufsfertig abgepackter Ware in den Taschen erwischt.

Dies streitet der Angeklagte ab. „Ich bin kein Dealer. Ich habe noch nie gedealt“, sagte der 29-Jährige. Der Richter Steffen Kärcher wollte wissen, ob der 29-Jährige das Marihuana vermittelt habe. „Ich hab’s arrangiert“, antwortete dieser. Er selbst habe nichts mit dem Verkauf zu tun gehabt – sondern ein Kollege von ihm, dessen Namen er während der Verhandlung nicht bekanntgegeben hat.

Die Verteidigerin des Angeklagten plädierte für Bewährungsstrafe

Der Staatsanwalt hakte nach. Er las folgende Textpassage im Chatverlauf zwischen dem Angeklagten und den Beteiligten: „Ich brauche heute das Geld. Muss großen Einkauf machen.“ Der vermeintliche Kollege habe diese Nachricht von seinem Handy aus verschickt, sagte der 29-Jährige.

„Dass jemand anderes sein Handy genommen hat, kann er jedem anderen erzählen, aber nicht mir“, sagte der Staatsanwalt. „Konsum von Marihuana sieht er auch als harmlos an. Er hat den Ernst der Lage nicht erkannt und hat auch keinen Kontakt mit seiner Verteidigerin aufgenommen. Er sitzt hier wegen einer Kleinigkeit – das waren seine eigenen Worte.“ Der Staatsanwalt forderte, dass der Angeklagte nicht als Beihelfer, sondern als Täter verurteilt werden sollte. Daher forderte er eine Bewährungsstrafe bis zu einem Jahr und drei Monaten.

Die Verteidigerin des Angeklagten plädierte für drei Monate Bewährungsstrafe. Ihr Mandant sei als Vermittler tätig gewesen, habe den Kontakt hergestellt und wäre nicht bei der Übergabe dabei gewesen – da die beiden nicht ausgesagt haben, konnte dies nicht widerlegt werden, sagte sie. „Er hat seinen Tatbeitrag eingeräumt. Bei der Durchsuchung wurde auch nichts gefunden. Er hat auch keinen Kontakt mehr mit Drogen“, betonte die Anwältin. Sie gehe davon aus, dass in Zukunft keine Straftaten von ihm kommen würden.

Unzureichende Beweise für die Täterschaft

Der Richter Steffen Kärcher verurteilte den 29-Jährigen wegen Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten und zu einer Auflage von 80 gemeinnützigen Arbeitsstunden. Er ist verpflichtet, mit dem Bewährungshelfer zusammenzuarbeiten und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Es habe zwar viel für die Täterschaft gesprochen, aber da die Zeugen nicht ausgesagt haben, konnte der Verdacht nicht bestätigt werden.


Marihuana-Reste

  • Bei der polizeilichen Hausdurchsuchung habe die Polizei keine Drogen finden können, sagte die Polizeihauptmeisterin.
  • Nur in einer Schublade sollen Krümel von Marihuana gewesen sein.
  • „Die 100 Gramm Marihuana sollten zuerst für 700 Euro verkauft werden, dann war der Angeklagte auf 500 Euro runtergegangen“, sagte die Polizistin. Sie vernahm die beiden Männer.