Korb

Alkoholisiert und ohne Führerschein: Korber Senior muss 2700 Euro Strafe zahlen

Alkohol am Steuer
Symbolfoto. © ZVW/Alexandra Palmizi

Das Verfahren gegen einen 71-jährigen Korber, der am 8. Januar in der Kleinheppacher Straße in Weinstadt ohne Führerschein und Fahrerlaubnis, aber dafür mit 0,61 Promille Alkohol im Blut unterwegs war, endete im Amtsgericht Waiblingen mit einer Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre Freiheitsentzug, den Entzug der Fahrerlaubnis und eine einjährige Sperre vor Erteilung eines neuen Führerscheins gefordert.

Angeklagter versichert, kein Alkoholproblem zu haben

Seinen „Pappendeckel“ hätte der Angeklagte bereits im Juli zurückbekommen sollen, nachdem er ihn hatte abgeben müssen, weil er vor mehr als einem Jahr in alkoholisiertem Zustand gefahren war. Nein, versicherte der 71-jährige Mann gegenüber Amtsrichter Fabian Lindner, er habe kein Alkoholproblem. Ab und zu gönne er sich halt zwei, drei Viertele. So sei es auch damals beim Entzug der Fahrerlaubnis gewesen. Man habe den Geburtstag seiner Frau in einer Wirtschaft gefeiert.

Nachdem alle Gäste schon gegangen waren, sei die Frau gestürzt. Da keine andere Möglichkeit verfügbar gewesen sei, habe er sie schnell ins Auto gepackt und nach Winnenden ins Krankenhaus gefahren, wo man einen Oberschenkelhalsbruch diagnostizierte. „Bei anderen Umständen wäre ich doch nie auf die Idee gekommen, mich hinters Steuer zu klemmen und loszufahren!“

71-Jähriger ist weiterhin als Monteur berufstätig, um die Rente aufzubessern

Eine Notfallsituation – darin waren sich Richter, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft und Rechtsanwalt Oskar Späth mit dem Angeklagten einig – lag auch an dem verhängnisvollen 8. Januar vor. Die Ehefrau des Verkehrssünders ist mit Pflegestufe 5 bettlägerig. Er selbst ist noch berufstätig als Monteur, um die gemeinsamen Renten von insgesamt 1400 Euro aufzubessern.

Seine Frau pflege er selbst, da das Paar kinderlos sei und auch von der Nachbarschaft keine Hilfe zu erwarten sei, beschrieb der 71-Jährige die häusliche Situation. „Das sind auch alles Rentner.“

Ab und zu könne er seine Frau in die Kurzzeitpflege bringen. Der Pflegedienst sei eine Zeit lang ins Haus gekommen, aber den habe er wieder abbestellt, „weil das nicht der wahre Jakob ist“. Als er am 8. Januar spätnachmittags von der Arbeit heimkam, habe er zu seinem Entsetzen festgestellt, dass die Windeln und Medikamente für seine Frau auf keinen Fall übers Wochenende langen würden.

Auf ein Taxi hätte er lange warten müssen

Um diese Zeit habe in Korb keine Apotheke mehr offen gehabt, lediglich in Endersbach hätte er sich versorgen können. Der Mann wollte sich zunächst telefonisch ein Taxi bestellen, doch darauf hätte er eine Dreiviertelstunde warten müssen, und dann wäre die Apotheke in Endersbach ebenfalls geschlossen gewesen, so der Angeklagte vor Gericht. Also habe er sich gesagt: „Dann fährst du halt die drei Kilometer in Gottes Namen mit dem Auto schnell hin und holst, was du brauchst.“

Wenn er jemanden gehabt hätte, den er hätte um Hilfe bitten können, dann wäre er gewiss nicht selbst gefahren. Wie viel Alkohol er an diesem Tag getrunken hatte, wisse er nach so langer Zeit nicht mehr, erklärte er dem Richter.

Staatsanwaltschaft lehnt Einstellung des Verfahrens ab

Die Staatsanwaltschaft lehnte eine Einstellung des Verfahrens gegen den Angeklagten ab. Zwar gestand ihm ihre Vertreterin in ihrem Schlussplädoyer zu, dass es sich bei seiner Schwarzfahrt um die Augenblicksreaktion aus einer Notfallsituation heraus gehandelt habe, zu seinen Ungunsten spreche aber, dass er bereits in der Verkehrssünderkartei einschlägig eingetragen sei. Angesichts der hohen Rückfallgeschwindigkeit, dass er tagsüber zur Hauptverkehrszeit und unter Alkoholeinfluss unterwegs gewesen sei, müsse er sich eine nicht unerhebliche „kriminelle Energie“ anrechnen lassen. Zudem hätte er auch ein Taxi nehmen können.

Verteidiger: Kein klassischer Schwarzfahrer, sondern Notfallsituation

Der Verteidiger meinte nach der Urteilsverkündung, es handle sich um eine Strafe, mit der sein Mandant wohl leben könne und dessen Annahme er empfehle. Dessen Hauptanliegen habe darin bestanden, dass keine weitere Führerscheinsperre gegen ihn verhängt würde. Die Versorgung der Ehefrau sei bereits seit anderthalb Jahren erheblich erschwert. Er gab zu bedenken, dass es sich hier nicht um einen klassischen Schwarzfahrer handle, der ständig ohne Fahrerlaubnis unterwegs sei und die Straßen unsicher mache, sondern um einen einer besonderen Notfallsituation geschuldeten Einzelfall und eine Fahrstrecke von lediglich drei Kilometern.

Das Verfahren gegen einen 71-jährigen Korber, der am 8. Januar in der Kleinheppacher Straße in Weinstadt ohne Führerschein und Fahrerlaubnis, aber dafür mit 0,61 Promille Alkohol im Blut unterwegs war, endete im Amtsgericht Waiblingen mit einer Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre Freiheitsentzug, den Entzug der Fahrerlaubnis und eine einjährige Sperre vor Erteilung eines neuen Führerscheins gefordert.

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Angeklagter versichert, kein

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