Korb

Am 12. März wird in Korb der Bürgermeister gewählt

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Der Korber Gemeinderat bei einer Sitzung in der Alten Kelter: Jochen Müller muss, will er etwas bewegen, dort eine Mehrheit finden. © Schechinger / ZVW

Kommt noch ein Mitbewerber?

Seit Bürgermeister Jochen Müller Ende September für eine vierte Amtszeit den Hut in den Ring warf, wartet Korb auf den Wahlkampf, einen echten demokratischen Wettbewerb der Visionen und Konzepte. Das 10 700-Seelen-Dorf hätte es verdient. Soll es weiter wachsen? Braucht es ein weiteres Gewerbegebiet? Wo setzt der Schultes in den nächsten acht Jahren die Prioritäten bei kommunalen Bauvorhaben? Fehlen inhaltliche und personelle Alternativen, verkommen Wahlen zu einer Formalie, der sich Bürger durch Wahlenthaltung verweigern. Noch ist kein Gegenkandidat in Sicht. Keine Wahlplakate lehnen am Straßenrand, keine Wahlveranstaltungen sind anberaumt, keine Flyer stecken in den Briefkästen. Wozu auch?

Die CDU Korb bot dem Schultes ein Podium

Die Bewerbungsfrist in Korb endet am 14. Februar. Geht bis zu diesem Stichtag kein Mitbewerber ins Rennen, müsste der Gemeindewahlausschuss auch keine Kandidatenvorstellung anberaumen wie noch 2009. Nach 24 Jahren auf dem Chefsessel ist Jochen Müller keiner, der sich vorstellen, sondern einer, der die Agenda der zurückliegenden Jahre erklären und rechtfertigen muss. Wer wie der Schultes unterwegs ist, Vereine und Veranstaltungen besucht, stellt sich den Fragen seiner Bürger ohnehin. „Da warten die Korber nicht, bis einer eine Veranstaltung macht. Die Leute wissen, für was ich stehe“, sagt er lapidar. Jüngst bot ihm der CDU-Ortsverband beim Neujahrsempfang mit Amtsvorgänger Hansgeorg Müller ein Podium – termingerecht zur anstehenden Wahl am 12. März.

Voraussichtlich rund 8500 Wahlberechtigte sind am zweiten Märzsonntag aufgerufen, ihr Kreuzchen zu machen. Die Korber Gemeindeverwaltung zählt einschließlich Bauhof rund 160 Mitarbeiter. Eine attraktive Position steht da zur Wahl, in einer Vorzeigegemeinde, deren Bürger mit zu den kaufkraftstärksten im Remstal zählen. Doch die Chance, dass der diplomierte Verwaltungsnachwuchs das Duell aufnimmt, ist klein.

Wer will schon Sparringspartner spielen?

Wer will Freizeit und die Kosten eines Kleinwagens opfern, um den Sparringspartner zu spielen? Noch bevor Jochen Müller Ende September seine vierte Kandidatur öffentlich machte, hatte er sich in Gesprächen mit den vier Ratsfraktionen der „Übereinstimmung mit dem Gemeinderat in den Sachthemen“ versichert, wie er im Gremium mitteilte. Die Botschaft klang wie eine Drohung, wirksamer als jedes Wahlplakat: Die maßgeblichen Entscheidungsträger und Multiplikatoren im Ort stehen hinter mir.

Natürlich kann man Jochen Müller nicht vorwerfen, dass andere sich nicht trauen, in die Bütt zu steigen. Den 55-jährigen Diplom-Verwaltungswirt schätzen viele Korber Bürger. Und er räumt freimütig ein: „Es ist zwar interessant für Menschen und Bürger, wenn Wahlmöglichkeiten da sind, aber für den, der weitermachen will, ist es so wie jetzt angenehmer.“ Schon 2009 kämpfte er solo um seine eigene Amtsnachfolge. Nur ganz am Anfang, bei der Bürgermeisterwahl 1993, musste sich der vormalige Stadtkämmerer der Stadt Wernau mehreren Mitbewerbern stellen, darunter der heutige Grünen-Gemeinderat Gerhard Brenner. 2001 trat nur noch Jürgen Bohn gegen ihn an.

Er habe in Gesprächen mit seiner Familie entschieden, sich noch einmal um das Amt zu bewerben, sagte der 55-Jährige Ende September im Gremium. Familienbild und Freizeitverhalten erklären für Jochen Müller auch ein Stück weit, warum kein Jüngerer ernsthaft gegen ihn antritt. Die Lebensentwürfe und Familienmodelle seien heute andere, sagt er. „Ohne Unterstützung der Familie geht das gar nicht. Mit heutigen Familienbildern passt das nicht immer zusammen. Die Leute sagen dann: Nein, das geht für mich nicht.“ Abschreckend seien die Arbeitszeiten, in Stunden gerechnet, und die bis zu vier, fünf Abendtermine pro Woche. Das Amt des Schultes habe an Attraktivität eingebüßt. „Dass ich das völlig anders sehe, habe ich auch erklärt. Mir macht das Spaß und Laune.“ Er wolle, bekennt Müller, im Wahlkampf bei möglichst vielen Veranstaltungen präsent sein.

Brenner: „Der Bürgermeister sollte sagen: Da will ich hin“

Gerhard Brenner, Müllers Mitbewerber von 1993, ist auch heute noch ein streitbarer Gegner in der Sache. Er erklärt sich die Lethargie, die noch über der BM-Wahl wie Mehltau liegt, mit dem „unausgesprochenen Konsens, dass die Korber mit sich zufrieden sind, und dem Bekenntnis: Ich interessiere mich nicht für Gemeindepolitik.“ Überall dort, wo wie in Winterbach, Remshalden oder Weinstadt neue Köpfe hingekommen seien, hätten die Bürgermeister „einen Plan, eine Vision, wo es hingehen soll. Das vermisse ich in Korb. Wir täten uns in vielen Dingen leichter, wenn wir einen Bürgermeister hätten, der seine eigene Meinung kundtun würde und dem Gemeinderat sagt: Da will ich hin.“ Er kritisiere an Amtsinhaber Jochen Müller, „dass er es grad laufen lässt gegen die Meinung des Kämmerers, der Varianten aufzeigt. Der Gemeinderat entscheidet sich dann für eine Variante, die aber laut Kämmerer nicht geht.“ Brenner hätte sich gewünscht, dass Müller seinem Kassenwart da den Rücken stärkt. Und er mahnt ein Konzept für die Gemeinde an. „Wir sollten mal eine Klausursitzung machen: Wo wollen wir in acht Jahren stehen?“

Der Grüne fordert Führungsstärke und Visionen. Bürgermeister Müller dagegen setzte auf den Konsens mit der Ratsmehrheit und aufs Durchwursteln. Der Schulbau in der Urbanstraße fresse so viel Geld auf, dass für anderes wie die Pflichtaufgabe Kindergartenplätze nichts mehr übrig bleibe – mittlerweile sei er ein Millionengrab, weil der Architektenwettbewerb ohne Kostengrenze ausgelobt worden sei. „Typisch grüne Themen finden wenig bis gar keinen Anklang bei unserem BM“, moniert Brenner. „Mein Vorschlag, auch auf die Alte Kelter eine PV-Anlage zu setzen, wurde mit Denkmalschutz kommentiert und dann eben weggelächelt.“ Windkraft werde in Korb fanatisch bekämpft. Mobilität finde im Flecken mit dem eigenen Auto statt – bald ohne Stadtmobil.

Brenner würde nicht den Amtsinhaber wählen, hätte er die Wahl. Doch klar ist auch: Ohne eine Mehrheit im Gemeinderat kann der Bürgermeister nichts bewegen. „Man muss von Anfang an mit dem Gemeinderat und der Bürgerschaft eng zusammenarbeiten“, sagt Jochen Müller. Diese Kompromissbereitschaft ist es, mit der er punktet. „Im Detail kann man anderer Meinung sein als der Schultes“, findet FB-Fraktionschef Albrecht Ulrich, „aber die Verwaltung läuft, er ist nicht aushäusig, er macht seine Sache gut. Ich bin froh, dass er weitermacht.“

Müller: „Man muss von Anfang an mit dem Gemeinderat und der Bürgerschaft eng zusammenarbeiten“