Korb

Asylbewerber zu Köln: „Bitte haben Sie keine Angst“

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Majed Mahouk lebt seit drei Monaten in Korb. © Messer

Korb. Was in der Silvernacht in Köln passierte, schockierte auch die Flüchtlinge. Majed Mahouk aus Korb fürchtet, dass die Frauen nun Angst vor Flüchtlingen haben.

Zehn syrische Flüchtlinge sind zurzeit im Flüchtlingscamp auf dem ehemaligen Korber Festplatz untergebracht. Sie machen ihre ersten erfolgreichen Schritte zur Integration in die deutsche Bürgergesellschaft. Als sie nun von den erschreckenden Geschehnissen in der Silvesternacht in Köln erfuhren und davon hörten, dass möglicherweise auch syrische Flüchtlinge unter den Tätern gewesen sein sollen, hat der junge Student Majed Mahouk für die Gruppe der syrischen Flüchtlinge in Korb einen Text unterschrieben. Er heißt: „Bitte habt keine Angst!“ und wurde deutschlandweit bereits von vielen syrischen Flüchtlingen unterschrieben.* Der junge Syrer hofft, dass diese Zeilen von vielen Menschen gelesen werden und er so helfen könnte, Flüchtlinge nicht unter Generalverdacht zu stellen.

Hier der Text im Wortlaut:

„Liebe Frauen in Deutschland, wir sind Männer aus Syrien und Flüchtlinge, die vor drei Monaten in Korb angekommen sind. Einige von uns sind hier mit unseren Familien, einige ohne sie. Wir wollen euch sagen, dass wir uns schämen für die ekelhaften, unmenschlichen Dinge, die in Köln am Silvesterabend passiert sind. Wir sind hier in Korb auf sehr schöne und herzliche Art willkommen geheißen worden. Wir sind sehr froh und dankbar, hier eine Zuflucht und Frieden gefunden zu haben.

Wir wollen Frieden

Viele unserer Helfer und Unterstützer hier sind deutsche Frauen. Für uns sind die deutschen Frauen wie Schwestern, Tanten, Mütter und Töchter. Es ist keine Frage für uns, sie mit großem Respekt zu behandeln, und wir glauben, in Notfällen ist es unsere Pflicht, sie vor allen Angreifern zu schützen.

Jetzt, nach den Ereignissen von Köln, befürchten wir, dass die Deutschen und vor allem die Frauen Angst vor uns haben könnten. Bitte habt keine Angst! Wir sind hier, weil wir in Frieden leben wollen, nicht um jemandem zu schaden oder zu verängstigen.

Wir danken allen Menschen in Deutschland und vor allem den vielen Helfern, die uns hier unterstützt und begrüßt haben. Was in Köln passiert ist, zeigt nicht das wahre syrische Volk, die Angreifer in Köln sind Verbrecher. Wir hoffen, dass ihr uns versteht, und wünschen euch alles Gute und besonders den Opfern in Köln.“

* Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Majed Mahouk habe den Text selbst verfasst. Uns ist mittlerweile bekannt, dass der Text nicht von dem syrischen Flüchtling selbst stammt, er die Botschaft des Briefes aber voll unterschreibt. Mehr zum Thema demnächst auf zvw.de