Korb

Auch das Korber Brautmodengeschäft muss schließen - müssen Bräute nun auf ihr Traumkleid verzichten?

Goldbraut
Lisa Braun eröffnete im Mai den Brautmodenladen „Goldbraut“ in Korb und muss nun coronabedingt bis Januar schließen. © Ralph Steinemann Pressefoto

Im Corona-Jahr fiel so manche Hochzeitsfeier der Pandemie zum Opfer. Paare, die nicht auf Abstand heiraten wollten, haben ihre Eheschließung abgesagt, verschoben oder umgeplant. Das wirkte sich auch auf die Hochzeitsbranche aus. Just in diesem Bereich machte sich die 31-jährige Lisa Braun dieses Jahr selbstständig und eröffnete im Mai das Brautmodengeschäft „Goldbraut“ – mitten in der Pandemie.

"Wirtschaftlich gesehen ist es natürlich blöd"

Bislang lief das Geschäft ihren Angaben nach gut – trotz der Beschränkungen und der Corona-Auflagen. Über jeden Tag, an dem sie ihren Laden öffnen, Kunden beraten und Kleider verkaufen konnte, ist sie froh gewesen. Doch nun muss auch „Goldbraut“ in der Korber Innenstadt bis Anfang Januar geschlossen bleiben. „Wirtschaftlich gesehen ist es natürlich blöd“, sagt Braun. Dennoch hat sie volles Verständnis dafür: „Wenn der Lockdown etwas bringt und man damit Menschenleben retten kann, dann nimmt man das in Kauf.“ So überraschend sei die neue Verordnung auch nicht gekommen, sagt sie. „Man hat sich mehr oder weniger mental darauf vorbereiten können.“ Trotzdem: „Wir hätten uns gewünscht, dass man noch diese ganze Woche gearbeitet hätte.“

Viele Termine vorverlegt und Sonderschichten eingelegt

Damit auch diejenigen, die in nächster Zeit heiraten wollen, dies in ihrem Traumkleid tun können, hat die 31-Jährige viele Termine vorverlegt und noch am vergangenen Samstag „Sonderschichten eingelegt“.

Auch wenn vieles in diesem Jahr anders kam als erhofft, bleibt sie zuversichtlich: „Wir hoffen einfach das Beste und bleiben trotzdem positiv.“

Wie lief das Geschäft bis zum aktuellen Lockdown? Auch wenn die Hochzeitsbranche zu denjenigen zählt, die hart von der Corona-Krise getroffen wurden, sagt Braun: „Toi, toi, toi – es wird sehr gut angenommen.“ Und sie schätzt sich glücklich und ist dankbar, weil es auch andere gibt, die derzeit mit anderen Sorgen zu kämpfen haben. Fürchtet sie selbst nie um ihre Existenz? Zwar beschäftigt sich Lisa Braun immer wieder mit der Frage, „was kommt denn alles auf einen zu, wie entwickelt sich das weiter?“, dennoch bleibt sie optimistisch. „Wir denken positiv, weil den Kopf in den Sand stecken bringt nichts.“ Und orientiert sich am Credo einer anderen: „Meine Mutter sagt: Du hast immer ein Dach über dem Kopf und immer etwas zu essen.“

Von A-Linie über Prinzessin bis Meerjungfrau bietet die 31-Jährige Secondhand- und Outletkleider an. Unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen konnten die Bräute bisher Kleider anprobieren und kaufen. Wichtig war, einen Termin zu vereinbaren – telefonisch oder per E-Mail. Nur so konnte Lisa Braun es einrichten. Denn: „Wir planen immer zwei Stunden ein. Wir müssen vorher und nachher alles desinfizieren.“ Wir, das sind Lisa Braun und ihre Mutter. Da die Kleider, die die beiden Frauen im Sortiment haben, keine maßgeschneiderte Brautgarderobe ist, muss das eine oder andere Kleid an manchen Stellen angepasst werden. Das ist die Aufgabe der Mutter – als gelernte Schneiderin legt sie Hand an. Wenn sich die Braut bei einem Kleid unsicher war, konnte sie ihre Entourage fragen. Erlaubt waren „bis zu vier Begleitpersonen“, so Braun. Sie durften vor der Umkleidekabine auf rosa samtbezogenen Stühlen Platz nehmen und hielten reichlich Abstand zueinander. Eigentlich verfügt „Goldbraut“ über zwei Anproberäume. Doch um Menschenansammlungen zu vermeiden, blieb bisher der eine Raum geschlossen, so Braun.

Mit Sekt auf das Kleid anstoßen war nicht gestattet

Wenn die Entscheidung fällt und die werdende Braut das Traumkleid für sich gefunden hat, wird in der Regel darauf angestoßen. Doch während der Pandemie musste die Sektflasche im Kühlschrank bleiben. Wegen Corona war es nicht erlaubt. Auch wäre es ohnehin etwas schwierig gewesen, weil – wie in anderen Geschäften – auch in „Goldbraut“ Maskenpflicht herrscht. Das galt auch für die Braut. Damit seien auch alle zufrieden, sagt Lisa Braun. „Wir haben noch gar nicht erlebt, dass Bräute gemeckert haben.“

Gibt es denn viele Leute, die sich trotz der Pandemie das Jawort geben wollen? „Viele Bräute haben spontan geheiratet“, sagt die „Goldbraut“-Inhaberin. Trotz der Umstände seien viele Paare optimistisch gewesen. Weil aber die meisten zunächst auf eine große Feier verzichten mussten, haben sie sich bei der Kleiderauswahl etwas Schickeres ausgesucht, so Braun. „Es gibt welche, die in einem sehr schönen Kleid heiraten wollten, weil sie nur standesamtlich heiraten“, sagt Braun.

Und mit vielen sei sie auch nach der Hochzeit in Kontakt gewesen. „Viele berichten, dass es trotz Corona toll war“, sagt die Inhaberin. Das Gute an ihrem Geschäftsmodell ist, dass es keine langen Lieferzeiten gibt. Sie kann nur das verkaufen, was sie vor Ort hat. Doch einen Haken hat dieses Modell. „Dadurch, dass viele Hochzeiten verschoben wurden, lässt die Kommissionsware nach“, sagt die 31-Jährige. Dennoch hat sie etwa 300 Kleider in ihrem Sortiment. Und zwar in den Kleidergrößen von 34 bis 58. „Deshalb werden auch Kurzentschlossene bei uns fündig“, sagt sie.

Ursprünglich kommt Lisa Braun aus Öhringen aus dem Hohenlohekreis. Vor etwa zwei Jahren ist sie der Liebe wegen nach Korb zu ihrem Freund gezogen. Sie sei von den Korbern sehr herzlich aufgenommen worden. „Es gab viel Unterstützung von den Korbern – das stärkt einen noch mal und noch mal“, sagt Braun. In dieser Branche spielt ein gutes Netzwerk auch eine sehr große Rolle. So empfiehlt Lisa Braun ihren Kundinnen beispielsweise Friseure und Make-up-Artisten, mit denen sie schon kooperiert hat. „Das beruht auf Gegenseitigkeit“, sagt sie, „,man unterstützt sich in dieser schweren Zeit gegenseitig.“

Und wenn diese Zeiten wieder vorüber sind, dann wird die Tradition fortgeführt: „Wir hoffen, dass wir wieder mit einem Sekt auf das Kleid anstoßen dürfen.“

Im Corona-Jahr fiel so manche Hochzeitsfeier der Pandemie zum Opfer. Paare, die nicht auf Abstand heiraten wollten, haben ihre Eheschließung abgesagt, verschoben oder umgeplant. Das wirkte sich auch auf die Hochzeitsbranche aus. Just in diesem Bereich machte sich die 31-jährige Lisa Braun dieses Jahr selbstständig und eröffnete im Mai das Brautmodengeschäft „Goldbraut“ – mitten in der Pandemie.

"Wirtschaftlich gesehen ist es natürlich blöd"

Bislang lief das Geschäft ihren

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