Korb

Babyschwimmen: Keine Angst vor dem Wasser

1/3
06323f2a-26fa-4b6d-9b43-70d988887e85.jpg_0
... und jede Menge quietschfideler Babys nebst Eltern planschen mittwochs im Korber Hallenbad. © Gabriel Habermann
2/3
_1
Nicole Hogh (links im blauen Badeanzug), Tanja Kuhnert (hinten, Mitte, mit kurzen schwarzen Haaren) ... © Gabriel Habermann
3/3
_2
„Eins, zwei, drei, uuuuund ...“ platsch. Nicole Hogh führt eines der Kleinkinder in ihrer Schwimmgruppe unter Wasser zu seiner Mutter.

Korb. Vergnügtes Quietschen klingt durch den Raum, speckige Ärmchen glänzen badewassernass, kleine Füßchen treiben Wellen von sich weg. 27 Babys machen seit September im Korber Hallenbad ihre ersten Schwimmerfahrungen. Seit 20 Jahren gibt es dieses Angebot bereits beim SC Korb – damals ein Novum, heute ein Dauerbrenner.

Drei Gruppen bieten Nicole Hogh und Tanja Kuhnert mittwochs an: eine für drei bis vier Monate alte Babys, eine für Kinder im Alter von vier bis sieben Monaten, eine für diejenigen von sieben Monaten bis zu einem Jahr. Danach übergeben sie erst einmal an andere Trainerinnen des SC Korb, die Kurse für die „Größeren“ anbieten.

Seit neun Jahren machen die beiden das bereits gemeinsam; singen Lieder mit den Kindern und deren Eltern, wachen mit Argusaugen darüber, dass Mütter, Väter, Großeltern die Kinder fest- und in Bewegung halten, verteilen Rüffel, wenn sie den Kindern nicht genug Bewegungsfreiheit lassen. Hogh gibt den Kurs sogar schon länger als Kuhnert: Sie ist eine Babyschwimmtrainerin der ersten Stunde und stand beim allerersten Termin am 8. Oktober 1997 mit Heide Stettnisch und Sabine Spindler im Schwimmbecken. Spindler blieb nur kurz im Team; doch Stettnisch und Hogh leiteten die Gruppe bis 2008 gemeinsam und wurden dicke Freundinnen. So sei es nun auch mit Kuhnert, sagt Hogh mit einem Lächeln.

Nicole Hogh ist seit 20 Jahren Trainerin beim Babyschwimmen

Die Idee für den Babyschwimmkurs stammt ebenfalls von Hogh. Als sie mit ihrer ältesten Tochter schwanger war, klagte die passionierte Schwimmerin über das fehlende Angebot. Schnell folgten der Klage Taten: Der SC Korb und die Gemeindeverwaltung reagierten unterstützend, eine Ausbildung in Magdeburg wurde organisiert. Und die Eltern rannten dem SC – im Verhältnis zu den Erwartungen – regelrecht die Türen ein. Geplant war ein Kurs für ein Dutzend Kinder. Daraus wurden drei. Bei dieser Zahl blieb es seither konstant. Doch die Begrenzung auf ein Dutzend Babys – die ist dehnbar. „Ich kann nicht Nein sagen“, erklärt Hogh. Sie nimmt nämlich die Anmeldungen an und verteilt die Jungschwimmer.

Was die Kinder im Kurs lernen? Nun, einerseits natürlich sich im Wasser zu bewegen. Aber vor allem, keine Angst vor Wasser zu haben. Hogh ist es wichtig, dass Kinder so früh wie möglich lernen, sich darin zu orientieren und zu schwimmen – damit sie den Weg herausfinden, wenn sie doch einmal unbeabsichtigt hineinstürzen.

Deshalb gibt es im Kurs auch kurze, vorsichtige Tauchübungen, bei denen die Kinder unter Wasser auf ihre Eltern zubewegt werden. Wenige Sekunden dauert das. Dabei wird der Reflex von Babys ausgenutzt, den Mund zu schließen und die Luft anzuhalten, wenn sie unter Wasser geraten.

Im Lauf der ersten Lebensmonate verlieren sie diesen Reflex – ein Kind früher, eines später. Nicht zuletzt deshalb ist das Tauchen beim Babyschwimmen auch umstritten: Es gibt Ärzte und Eltern, die es kritisch sehen, sich auf den Reflex zu verlassen. Doch Hogh argumentiert für die Übung: In zwanzig Jahren sei nie etwas passiert. Niemand werde gezwungen. Und so würden Kinder lernen, ohne Panik dem Licht an der Oberfläche entgegenzupaddeln.

Das sagt ein Kinderarzt

Ralf Brügel, Kinderarzt aus Schorndorf und Kreissprecher des Berufsverbands für Kinder- und Jugendärzte, sieht das Thema Babyschwimmen insgesamt gelassen. „Ich kenne kein Argument, das gegen Babyschwimmen spricht“, sagt er. Auch die Eltern seiner Patienten stünden der Sache eher neutral bis neugierig gegenüber.

Sein Credo: Keiner muss, jeder kann – sofern keine besonderen Bedenken wegen Neurodermitis oder Frühgeburt bestehen, und sofern sich die Eltern damit nicht unnötig unter Stress setzen. Denn für die Entwicklung von Babys sei hauptsächlich wichtig, dass sie sich bewegen können. Dafür brauche es kein Schwimmbad.

„Das einzige Wichtige ist, dass ein Kind so früh wie möglich schwimmen lernt“, sagt er, spätestens mit vier Jahren. „Jeder Kinderarzt kennt aus seiner Ausbildungszeit Ertrinkungsopfer.“ Die gefährliche Phase fange schon mit einem Jahr an, wenn Kleinkinder allein zum Wasser gelangen können. Deshalb sei es wichtig, dass sie bald schwimmen können.