Korb

Das Dorfgemeinschaftshaus in Kleinheppach: Gegen Wohnungsnot und Ärztemangel

Richtfest Dorfgemeinschaftshaus
Politprominenz beim Richtfest fürs Dorfgemeinschaftshaus in Kleinheppach am Dienstagnachmittag: Der Minister für den ländlichen Raum, Peter Hauk (CDU), versuchte sich als Dachdecker. Michael Kögel (links), dessen „Krämer-Bau“ die Bauleitung innehat, reicht die Ziegel. Dahinter freuen sich der Landtagsabgeordnete Siegfried Lorek (CDU), Bürgermeister Jochen Müller und Ortsvorsteher Gerhard Liebhard (von links). © Gabriel Habermann

Die Ärzte-Situation in Korb ist angespannt. Als im Frühjahr Dr. Eberhard Berg in den Ruhestand ging, wurde bekannt, dass sich auch Hausarzt Hans Bernd Herbstreit Ende 2022 zur Ruhe setzen wird. Die Suche nach Nachfolgern? Erfolglos. Kurz darauf erwischte den Weinort die Corona-Krise: Gleich zwei Praxen mussten wegen Infektionen vorübergehend schließen. Es blieben nur zwei Allgemeinmediziner für rund 11 000 Menschen. Bezüglich Corona hat sich die Lage mittlerweile etwas entspannt: In beiden Arztpraxen herrscht wieder Betrieb, wenn auch Dr. Issa Garfami noch nicht an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt ist, sondern von einer Kollegin aus Winnenden und einem Kollegen aus Waiblingen vertreten wird. Außerdem ergab sich Anfang April ein echter Lichtblick für alle, die mittelfristig einen Ärztemangel in Korb befürchteten: Die Gemeinde verkündete stolz, dass es ihr gelungen sei, die Ärztin Dr. Anke Menikheim nach Kleinheppach zu locken. Sie führt bereits eine Praxis in Bittenfeld und wird im Korber Teilort eine Zweigstelle eröffnen. Und zwar im neuen Dorfgemeinschaftshaus, dort, wo einst das Alte Rathaus stand.

Feste auf dem Vorplatz, Gremiensitzungen im Erdgeschoss

Womit der Bogen geschlagen wäre zu dem Bauprojekt, das mit der neuen Praxis von Dr. Menikheim und zehn Wohnungen nicht nur einem drohenden Ärztemangel vorbeugt, sondern auch der Knappheit von Wohnraum in der Region entgegenwirkt. Im Erdgeschoss werden künftig zudem das Kleinheppacher Steinzeitmuseum, die Bibliothek und das Büro des Ortsvorstehers zu finden sein. Hier sollen Sitzungen des Ortschaftsrats stattfinden und Wahlbüros eingerichtet werden. Auf dem Vorplatz wollen die Kleinheppacher wieder Feste feiern. Der Rohbau steht jetzt, am Dienstagnachmittag wurde am 6,5-Millionen-Projekt, das von der Kreisbaugesellschaft betreut wird, ein kleines Richtfest gefeiert.

Weil das Projekt mit rund 400 000 Euro vom Land gefördert wird, war auch der Minister für den ländlichen Raum, Peter Hauk (CDU), zu Gast in Kleinheppach. Das Projekt habe „landesweit Vorbildcharakter“, sagte Hauk, der sich im Rahmen der Feier in das Goldene Buch der Gemeinde eintrug. Die barrierefreien Wohnungen mitten im Ort könnten gerade älteren Menschen angeboten werden, denen ihr Einfamilienhaus zu groß geworden sei.

Im Bezug auf das benachbarte Backhaus, das ebenfalls unter Einsatz von Landesgeldern renoviert worden sei, sagte Hauk, es sei wichtig, Angebote und Räume zu schaffen, „damit der Gemeinschaftsgedanke erhalten bleibt“.

In der Dorfgemeinschaft ist das neue Haus umstritten

Dass die Kleinheppacher Dorfgemeinschaft ihrem neuen Haus zumindest in Teilen skeptisch gegenübersteht, damit hielten Bürgermeister Jochen Müller und Kreisbau-Geschäftsführer Dirk Braune in ihren Reden nicht hinterm Berg. Braune sagte: „Wir mussten manchmal die Zähne zusammenbeißen. An das Alte Rathaus hatten die Kleinheppacher eben ihr Herz drangehängt. Es gab ja sogar Schokolädle mit dem Motiv.“ Dass sich nach dem Abriss des Gebäudes auch noch der Gewinnerentwurf des Wettbewerbs aus wirtschaftlichen Gründen als nicht in dieser Form umsetzbar herausstellte, wühlte den Flecken zusätzlich auf. Bürgermeister Jochen Müller erinnerte an die „sehr intensive Bürgerbeteiligung“ zum Projekt und betonte, wie gerne er das Richtfest gemeinsam mit den Kleinheppachern gefeiert hätte – was diese „schwierigen Zeiten“ aber nicht zugelassen hätten. „Ich hoffe, es ist recht geworden“, so Müller über das neue Dorfhaus.

Bei einer kleinen Führung durch den Rohbau erklärte Ortsvorsteher Gerhard Liebhard, welcher Raum sich wo befinden wird, wenn das Gebäude im Herbst planmäßig fertiggestellt wird.

Bis dahin soll auch die Einrichtung der Praxis von Dr. Anke Menikhaus noch einmal mit einer Finanzspritze vom Land versehen werden, wie Bürgermeister Jochen Müller am Dienstag sagte. Dafür hatte es offenbar schon eine Zusage gegeben, dann war allerdings der Arzt, der ursprünglich hatte einziehen wollen, abgesprungen.

Die Wohnungen indes werden bereits vermarktet. Einer Pressemitteilung der Gemeinde zufolge reichen sie „vom praktischen Ein-Zimmer-Appartement mit rund 35 Quadratmetern Wohnfläche bis hin zur knapp 120 Quadratmeter großen Familienwohnung mit vier Zimmern.“

Die Ärzte-Situation in Korb ist angespannt. Als im Frühjahr Dr. Eberhard Berg in den Ruhestand ging, wurde bekannt, dass sich auch Hausarzt Hans Bernd Herbstreit Ende 2022 zur Ruhe setzen wird. Die Suche nach Nachfolgern? Erfolglos. Kurz darauf erwischte den Weinort die Corona-Krise: Gleich zwei Praxen mussten wegen Infektionen vorübergehend schließen. Es blieben nur zwei Allgemeinmediziner für rund 11 000 Menschen. Bezüglich Corona hat sich die Lage mittlerweile etwas entspannt: In beiden

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