Korb

Dealer bleibt im Gefängnis

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Symbolfoto. © Pixabay.com

Korb/Waiblingen. Wer konnte ahnen, dass die Frau mit den Rasta-Zöpfen eine verdeckte Ermittlerin war? Der 33-Jährige, der ihr Ende Mai Marihuana anbot, jedenfalls nicht. Zumal sich die Frau als gute Kundin erwies. Nach dem vierten und größten Deal in Korb schlug die Polizei zu. Seither sitzt der Mann in U-Haft. Nun wurde er zu einem weiteren Jahr im Gefängnis verurteilt.

Dass der Korber Grasdealer bei seinem vierten, größten und letzten Geschäft harmlosen Nutzhanf verkauft hat, ließ das Schöffengericht um Richter Steffen Kärcher schuldmindernd ins Urteil miteinfließen. Allerdings wurde auch berücksichtigt, dass der Mann selbst dachte, er verkaufe richtige Drogen – wie bei den drei Treffen mit der verdeckten Ermittlerin zuvor. 700 Euro erhielt er am 19. Juni von der Ermittlerin für die 100 Gramm Hanf, dann schlug die Polizei zu.

Seither sitzt der 33-Jährige, der 2015 aus Gambia nach Deutschland kam, in Stammheim in U-Haft. Die vier Monate, die er dort verbracht hat, werden ihm auf die Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten angerechnet, die das Schöffengericht in Waiblingen verhängte. Der Verteidiger des Mannes hatte eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung beantragt, die Staatsanwältin ein Jahr und acht Monate ohne Bewährung gefordert. Sollte der Mann, der in Deutschland lediglich geduldet wird, freiwillig nach Gambia zurückkehren, könnte die Strafe ausgesetzt werden, sagte Richter Kärcher. Dabei hatte es zu Beginn der Verhandlung so ausgesehen, als käme der Mann, der in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wurde, noch am selben Tag frei: In Vorgesprächen hatten sein Verteidiger und die Staatsanwaltschaft sich auf eine Bewährungsstrafe geeinigt, sollte der 33-Jährige ein Geständnis ablegen.

Doch Richter Steffen Kärcher, der nicht in diese Vorgespräche eingebunden war, spielte nicht mit: Er zweifelte an einer positiven Sozialprognose für den Angeklagten. Die war Voraussetzung für eine Bewährungsstrafe.

Also wurde verhandelt. Ein Hauptkommissar des Landeskriminalamts berichtete von den verdeckten Ermittlungen seiner Kollegin. Und die Staatsanwältin rückte – sehr zum Ärger des Verteidigers – in ihrem Plädoyer von der Vereinbarung ab. Sie sei zu einer neuen Einschätzung gelangt: Der Gambier habe gewerbsmäßig mit Drogen gedealt und sei nicht, wie der Verteidiger argumentierte, nur einmalig auf die schiefe Bahn geraten, um der verdeckten Ermittlerin, die ihm gefiel, zu imponieren.

Drogendeal im Getränkemarkt

Der Gambier hatte die verdeckte Ermittlerin, die am Waiblinger Bahnhof in einer anderen Sache im Einsatz war, Ende Mai gebeten, ihr dabei zu helfen, ein S-Bahn-Ticket zu lösen. Die Frau half, die beiden kamen ins Gespräch. Er fragte, ob sie „Weed“ rauche, also Marihuana. Sie bejahte. Da sei sie bei ihm an der richtigen Adresse, sagte er und gab ihr eine handgeschriebene Visitenkarte mit seiner Handynummer. In seinem Geldbeutel sah die Ermittlerin mehrere solcher Karten aufblitzen.

Sie verabredeten sich per Nachrichtendienst Whatsapp. Beim ersten Treffen in der darauffolgenden Woche in einem Korber Getränkemarkt verkaufte der arglose Dealer der Polizistin fast fünf Gramm Marihuana für 50 Euro – wie auch beim zweiten und dritten Treffen, jeweils auf dem Parkplatz des Korber Friedhofs. Weitere Beamte beschatteten den 33-Jährigen, wussten nun, wo er wohnte.

Die verdeckte Ermittlerin fragte ihn schließlich nach einer größeren Menge Gras – er sagte zu, die beiden einigten sich auf 100 Gramm Marihuana für 700 Euro. Die Ware deponierte der Mann am 19. Juni in der Nähe des Friedhofs. Nach der Übergabe, als die Ermittlerin verschwunden war, schlug das LKA zu.

Mangelware von Habibi

Erst später stellte sich heraus, dass es sich bei den vermeintlichen Drogen im vierten Fall um harmlosen Nutzhanf handelte, der einen nur sehr geringen Anteil am berauschenden Wirkstoff THC hat. Der Mann gibt allerdings zu, das nicht gewusst zu haben. Woher er seine Ware hatte, konnte oder wollte er dem Gericht nicht mitteilen. Nur so viel: Es habe sich bei dem Lieferanten um einen Asylbewerber gehandelt, der in der Szene nur unter dem Namen „Habibi“ (arabisch: Freund, Liebling) bekannt sei.

Eine Hausdurchsuchung bei dem Angeklagten blieb ohne weitere Ergebnisse, lediglich bei einem Mitbewohner fand die Polizei eine geringe Menge Gras. Und auch die beiden Handys – eines hatte er gegenüber der verdeckten Ermittlerin als „Geschäftshandy“ bezeichnet – lieferten keine Rückschlüsse auf Hintermänner oder weitere Drogengeschäfte.

Der Verteidiger ist deshalb der Meinung, dass es sich bei seinem Mandanten nicht um einen klassischen Drogendealer handelt: „Es ging nicht darum, reich zu werden, es ging um Kontaktaufnahme.“ Die vier Monate U-Haft reichten als Warnung aus, findet er.

Das Schöffengericht war da anderer Meinung, auch Flehen und Schluchzen half dem Mann am Ende nicht: Er kommt vorerst nicht frei.