Korb

Den Kleinheppacher Kopf als Startplatz: Die Remstäler Gleitschirmflieger

Gleitschirmflieger Kleinheppach
Ein Gleitschirmflieger hebt am Startplatz Kleinheppacher Kopf ab. © Bareth

Wer nicht weiß, was sie im Sinn haben, könnte sie für Wanderer mit übergroßem Rucksack halten: Dabei sind es die Hobby-Flieger des Vereins „Die Remstäler - Gleitschirm- und Drachenflug e.V.“, die dort den Kleinheppacher Kopf hinaufsteigen. In dem großen Rucksack ist aber nicht nur der zusammengefaltete Gleitschirm verstaut. Er dient ihnen auch als eine Art Sitz, wenn sie vom Kleinheppacher Kopf aus starten und sich von Wind und Thermik hoch in die Lüfte tragen lassen – manchmal bis nach Würzburg.

Gleitschirmflieger müssen die Natur beobachten

Zum Gleitschirmfliegen gehört weitaus mehr als nur Mut. Ein Pilot muss ein echter Naturbursche sein, erklärt Vereinspräsident Thilo Schaber. „Können Sie mir sagen, wie die Wolken gestern aussahen?“, fragt er. Ein Gleitschirmflieger müsse bei so einer Frage nicht einmal nachdenken. Das gehe irgendwann ganz instinktiv: Ein Vogel, der von einem Hausdach losfliegt, die Blätter eines Baumes, die sich im Wind bewegen – und schon wisse ein Gleitschirmflieger ganz genau, woher der Wind weht. Im wörtlichsten Sinn.

Denn nur, wenn die Richtung und die Stärke des Winds stimmen, können die „Remstäler“ von ihrem Startplatz auf dem „Köpfle“, wie sie den Kleinheppacher Kopf liebevoll nennen, abheben. Da sich Wind und Wetter selten nach den Wochentagen richten, müssen die Hobbyflieger ziemlich flexibel sein: „Immer, wenn der Wind gut ist, gibt es auch Leute, die Zeit haben“, sagt der Vereinspräsident. So kann es sein, dass auch unter der Woche bunte Schirme aus dem Grün der Kleinheppacher Weinberge herausleuchten und in die Lüfte steigen.

Weltrekord auf dem Kleinheppacher Kopf

Seit fast 30 Jahren gibt es den Verein schon, seit 2001 starten sie in Kleinheppach. Das schmale und steile Stück Wiese ganz oben auf dem Kleinheppacher Kopf sei seit der Rebflurbereinigung Ende der 1980er Jahre kein Weinberg mehr gewesen und langsam verwildert. Deshalb sei es dem Verein gelungen, schließlich die Erlaubnis von der Gemeinde Korb zu bekommen, dieses Stück ehemaliger Weinberg als Startplatz nutzen zu dürfen – mit einer entsprechenden Zulassung, natürlich. Im Gegenzug pflegt der Verein das Gelände.

Die Remstäler sind nicht die ersten Piloten, die vom Kleinheppacher Kopf aus starten: 1936 gelang dem Segelflugzeug-Pilot Karl Bauer von hier der Flug bis nach Pilsen. Ein Weltrekord. Damals gab es eine Winde auf dem Kleinheppacher Kopf, die Segelflugzeuge in die Luft zog. Eine Statue nicht weit vom heutigen Startplatz der „Remstäler“ erinnert heute noch an Karl Bauer und diesen denkwürdigen Flug.

Flüge dauern wenige Minuten - oder auch mehrere Stunden

Bis nach Pilsen hat es von den aktuell über 150 Vereinsmitgliedern bislang noch keiner geschafft. An den meisten Tagen gleiten die Piloten einfach in breiten Spiralen am „Köpfle“ hinab und landen auf ihrem Landeplatz unweit der Verbindungsstraße zwischen Korb und Kleinheppach. Um dann ihren Schirm wieder zusammenzufalten, in den Rucksack zu packen und den Berg wieder hochzuschnaufen – in der Hoffnung, dass der Wind mitspielt und noch einen Gleitflug zulässt. So ein Flug dauert ungefähr zwei Minuten, berichtet einer der Flieger.

Doch wenn alles stimmt und die Thermik für genügend Auftrieb sorgt, können die Gleitschirmflieger wesentlich länger in der Luft bleiben. Nur höher als 1055 Meter dürfen sie hier in der Gegend nicht hinauf – bei 1060 Metern beginnt der Luftraum des Stuttgarter Flughafens. Ein GPS-Gerät zeigt Piloten immer an, wo und wie hoch sie sich gerade befinden, erklärt Thilo Schaber.

Wegen der Südhang-Lage und des daran aufsteigenden Windes trägt es die Piloten dabei aber eher selten über das Remstal, sondern eher in die Richtung Backnang. Ein zusätzlicher Startplatz an einem Nordhang wäre ideal, sagt der Vereinspräsident. Dort wäre seiner Meinung nach die Thermik besser. Trotzdem hat er selbst vom „Köpfle“ aus einmal ganze 110 Kilometer mit seinem Schirm zurückgelegt. Er landete nach rund vier Stunden Flug auf einer Wiese bei Wertheim-Lengfurt in der Nähe von Würzburg.

Wer nicht weiß, was sie im Sinn haben, könnte sie für Wanderer mit übergroßem Rucksack halten: Dabei sind es die Hobby-Flieger des Vereins „Die Remstäler - Gleitschirm- und Drachenflug e.V.“, die dort den Kleinheppacher Kopf hinaufsteigen. In dem großen Rucksack ist aber nicht nur der zusammengefaltete Gleitschirm verstaut. Er dient ihnen auch als eine Art Sitz, wenn sie vom Kleinheppacher Kopf aus starten und sich von Wind und Thermik hoch in die Lüfte tragen lassen – manchmal bis nach

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